Ausprobiert: SW-Motech Gepäcklösungen

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Camping beim WDW erforderte diverses Equipment, only way out war diese Gepäcklösung.

Normalerweise reichen mir Tankrucksack, Gepäckrolle und Rucksack, um alles einzupacken, was man auf einer längeren Tour braucht. Für die Fahrt zur World Ducati Week mit Zelt und Campingausrüstung auf einer Test-Monster 1200 S war jedoch abzusehen, dass es ohne Packtaschen nicht geht.

SW-Motech bietet das Softbag-Satteltaschensystem Blaze samt modellspezifischer Halterung an, die Anfrage nach Überlassung eines Testmusters fiel positiv aus. Mein eigener Held-Tankrucksack mit Riemenbefestigung hätte auf das Monster gepasst, irgendwie jedenfalls, aber weil ich schon mal dabei war, borgte ich noch einen Quick-Lock-Tankrucksack dazu aus, weil ich diese Tankring-Befestigung schon immer ausprobieren wollte.

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Passt gut aufs Monster: Quick-Lock-Evo-Tankrucksack »Trial« mit 15 bis 22 Liter Volumen.

Auspacken nach der Lieferung: Auffällig war, das alle Teile eher großzügig eingeschlagen verpackt waren, speziell die metallischen oder härteren Teile, also da wird schon mal nicht am falschen Ende gespart.

 

Der Anbau ist beim Quick-Lock-Tankring mit 4 Schrauben rasch erledigt. Das Gegenstück mit dem Schließmechanismus wird erst unter dem Tankrucksack ausgerichtet, dann mit Hilfe einer Schablone gebohrt und verschraubt. Bemerkenswert: Ein passender 8,5 mm Bohrer gehört mit zum Lieferumfang.

Es gibt übrigens zwei verschiedene Quick-Lock-Tankringe, eine erste und eine zweite Generation. Die zweite Generation heisst Quick-Lock Evo, fällt flacher aus und lässt sich mit einem optionalen Schloss-Kit abschließen; auch eine Elektrik-Version mit integrierter 12-Volt-Versorgung ist verfügbar.

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Hilfreich: Über den Pullriemen wird die Verschlussmechanik entriegelt.

Meine Tankrucksack-Wahl für die Duc fiel auf das Modell »Trial« mit 15 bis 22 Liter Fassungsvermögen, das gut zur gewölbten Monster-Tankform passt. Der Quick-Lock-Evo Tankring dazu, den es nur in schwarzer Ausführung gibt, ist trotz metallischer Anmutung, zumindest auf den ersten Blick, aus glasfaserverstärktem Nylon gefertigt.

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Schlank und ansehnlich, jedenfalls machen die Blaze-Satteltaschen aus der Kati keinen Raddampfer.

Der Anbau der Satteltaschen-Abstandhalter ist nicht gerade simpel, aber auch kein Hexenwerk. Man muss bei der Ducati die Blinker hinten und die Haltegriffe abschrauben, um die Plastik-Innenverkleidung abnehmen und mit vier Bohrungen versehen zu können. Anschließend lässt sich eine Halteplatte in vier Gewindebohrungen verschrauben, die serienmäßig am Heck vorhanden sind. An der Halteplatte wiederum werden Kunststoff-Aufnahmen verschraubt, in die man rechts und links die Abstandhalter einklickt. Wer ohne Taschen fahren will, nimmt die Abstandhalter einfach ab, was die Optik cleanen hilft.

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Die Abstandhalter lassen sich ausklipsen, wenn die Taschen nicht gebraucht werden.

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Scusi, liebe Ducati…

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Trickreiches Ankörnern.

Durchaus knifflig ist das Anbringen der vier Bohrungen in die Innenverkleidung. Zwar hilft der vorübergehende Einbau vier spitzer Gewindebolzen, die Bohrpunkte genau zu treffen. Aber wer beim Ankörnern oder Bohren nur einen Tick daneben liegt, kommt um korrigierendes Nachfeilen nicht herum. Nicht alltäglich ist auch das Bohrmaß: Verfügen Sie über einen 16-mm-Bohrer und eine Maschine mit entsprechendem Bohrfutter? Nachbarn mit ordentlich großer Standbohrmaschine sind in solchen Momenten Gold wert. Alternativ funktioniert auch ein entsprechend großer Schälbohrer, der allerdings so viel kostet wie drei oder vier Mal tanken.

Was sich nach der Italien-Tour über 2.400 km sagen lässt: Die eher schlanken Satteltaschen sind leicht, aber formstabil, und machen aus der feschen Ducati keine dicke Matrone. Das Fassungsvermögen beträgt 14 bis 21 Liter. Durchschlängeln im Stau bleibt auch bei Nutzung des erweiterbare Volumens problemlos möglich. Das Material, genannt Ballistic Nylon, macht einen guten und robusten Eindruck, die Zipper laufen geschmeidig, überhaupt fand ich die Verarbeitung der Gepäckschlucker rundum gediegen.

 

Die Satteltaschen werden mit Führungen auf der Innenseite über die Abstandhalter geschoben, oben über einen breiten Klett verbunden und nach vorne rechts und links mit Schnellverschlussriemen gesichert. Alles passt, nichts wackelt, auch der Abstand auf der rechten Seite zum Auspuff der 12er Duc geht in Ordnung, etwa 1 Zentimeter.

 

Regen blieb mir zum Glück erspart. Ich würde trotzdem vermuten, dass das Nylonmaterial der Satteltaschen den einen oder anderen Schauer problemlos verkraftet. Wer längere Regengüsse fürchtet, verwendet die wasserdichten Innenbeutel, die zum Lieferumfang gehören – SW-Motech lässt sich da nicht lumpen.

 

Der Tankrucksack, ebenfalls aus Ballistic Nylon-Material, ist stabil, rundum überzeugend verarbeitet, glänzt mit Kartensichtfach, Reflexzonen, Tragegriff, zwei Seitentaschen außen und Netztaschen innen. Das Fassungsvermögen lässt sich von 15 auf 22 Liter per Reißverschluss erweitern. Kabeldurchführungen auf Vorder- und Rückseite sind vorhanden. Eine oben transparente Regenhaube gehört mit zum Lieferumfang, ebenso ein Trageriemen.

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Ordentlich: Aufgeräumt und ansprechend verarbeitet.

Das Handling beim Tanken mit dem Quick-Lock-Evo-Mechanismus hat mir prima gefallen. Vorne den Pullriemen zum Entriegeln ziehen und den Tankrucksack abnehmen, nachher einfach ansetzen und einrasten lassen. Kein Verrutschen und Zurückdrücken mehr beim Fahren, kein Halteriemen um den Lenkkopf schlaufen, kein Klett-Getüddel mit der hinteren Halteplatte, so wie ich es sonst kenne. Kratzer oder abgescheuerter Tanklack ausgeschlossen. Tankrucksack mittels Quick-Lock befestigen gibt es seit 2005. Irgendwas ging mir an an der 1. Generation optisch gegen den Strich. Gewiss ein Fehler. Hätte mich ruhig früher erleuchten lassen sollen.

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Monster als Lastenesel beim Zwischenstopp.

Über die Satteltaschen spannte ich eine Ortlieb-Rolle. Insgesamt hatte ich das Gefühl, ordentlich, aber nicht übertrieben bepackt zu sein, die Monster fuhr erstaunlich unbeeindruckt dahin. Als ich die Alpen querte, irgendwo zwischen Innsbruck und Modena, bog ich von der Autostrada ab, kurvte über ein paar Pässe und hatte auch mit meinem »Lastenesel« ordentlich Spaß.

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Konsequent: So sieht eine no-luggage-Lösung aus.

In Misano am Campingplatz trudelte ein Paar aus Österreich mit einer Ducati 999 ein, die Sozia trug einen winzigen Rucksack, das war alles; und am Ende lagen dann zwei dünne Schlafsäcke neben dem Bike auf den Boden.

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Ohne die Packtaschen hätte es keine Campingtour gegeben.

Ich fand das ehrlich super, offenbar lässt sich auch mit wenig bis gar kein Gepäck auf Tour gehen, wenn man sein Bike lieb genug hat, was mit einer Ducati ja nicht so schwierig ist. Mir war meine weniger asketische Lösung mit den Blaze-Satteltaschen und dem Quick-Lock Evo Tankrucksack an der Monster in diesem speziellen Campingfall aber schon lieber. Also wenn Sie mich fragen: Ich war beeindruckt. Beides ist praxisgerecht durchdacht und funktioniert richtig gut.

 

Steckbrief: SW-Motech Satteltaschen Haze

Material: Balistic Nylon

Abmessungen: ca. 42 x 16/21 x 29 cm (Länge/Breite/Höhe)

Fassungsvermögen: jeweils 14 bis 21 Liter, erweiterbar über Reißverschluß

Abstandhalter: modellspezifisch, gehören zum Lieferumfang

Preis: 279, 95 Euro

 

Steckbrief: SW-Motech Quick-Lock Evo Tankrucksack »Trial«

Material: Balistic Nylon

Abmessungen: 38 x 33 x 19 cm (Länge/Breite/Höhe)

Fassungsvermögen: 15 bis 22 Liter

Befestigung: über Quick-Lock Evo Tankring

Preis: 179, 95 Euro, plus 29,95 Euro für den Tankring

 

Fotos: Buenos Dias

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Gerhard Rudolph, fährt Honda CB 1300 und am liebsten Jethelm mit dunklem Visier.

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