Rekordverdächtig: Libner Turbo-BMW Zigarre

0
1 FP4F7192

Länger, wilder, aluglitzernder als die anderen: Libner Turbo Boxer-Zigarre

Man muss blind sein, um so ein Gerät zu übersehen. Turbo Flat heisst die abgefahrene Salzsee-Zigarre mit Boxer-Herz und morbider Alu-Haut, die von Hervé Libner und Patrice Guilleux auf die Räder gestellt wurde und wegen der zuletzt unpäßlichen Bedingungen bei den Bonneville-Speedweeks nun bei den »Sultans of Sprint« in Frankreich und Deutschland zum Einsatz kommt, bei denen es technisch gerne grenzenlos kreativ zugehen darf.

2 6P8R7582

Attacke!

Die Initialzündung zu dem Projekt setzte es bei Weltrekordfahrten in Bonneville 2013: Patrice Guilleux, rennbegeisteter Motorradmechaniker aus der Nähe von La Rochelle, der früher eine XS1100 in der Classic-Endurance betreute, erzählt: »Ich war mit einem GPZ500-Eigenbau dort und habe einen neuen Rekord in meiner Klasse aufgestellt – mit gemittelten 249 km/h aus zwei Läufen. 275 km/h war der Bestwert. Jedenfalls gab es dort unzählige beeindruckende Harley-Rekordzigarren, was mich angefixt hat, dass ich beschloss, etwas Ähnliches zu bauen, allerdings mit europäischer Technik, um wiederzukommen und den Amis dort noch einen Rekord wegzunehmen.«

3 FP4F7130

Zigarre – Ready to roll.

Angeblich war das Zigarrengefährt relativ rasch aufgebaut. Selbst wenn das charmant untertrieben ist, beim Ergebnis bleibt einem die Spucke weg. Die Zutatenliste umfasst: Eigenbau-Rahmen mit 2,80 Radstand, aircooled Boxermotor aus einer R 100 RT, Turbo aus einem Iveco Daily-Transporter, Koni-Stoßdämpfer aus einem Ligier-Formel 1 (ex-Panis), Kardan mit Zwischengetriebe und Kettenumlenkung, programmierbares Uni-Tec-Motormanagement aus Tschechien und Tank im Heck. Das Gefäss vor dem Fahrer ist eine Airbox aus Alu, in die Trockeneis eingefüllt werden kann, um die Ansaugluft zu kühlen, was nochmal gut 20 Extra-PS bringen soll.

 

Guilleux gibt den Ladedruck mit 1 bis 1,5 bar an, womit die Leistung etwa zwischen 110 und 140 PS beträgt. Mehr Ladedruck wäre keine gute Idee. »Denn dann macht es Bumm«, wie Le Createur süffisant umschreibt. Weil: Alle Motorinnereien sind serienmäßig, lediglich überarbeitet und optimiert. Die Übersetzung ist auf 300 km/h Topspeed ausgelegt, für den Salzsee. Für die 200-Meter-Sprints bei den Sultans auf etwa 160 bis 170 km/h.

 

Die erste Verkleidung war noch aus GfK. Als Hervé Libner, der inzwischen als Fahrer agiert, zu dem Projekt stiess, regte er an, die Außenhaut aus Stabilitätsgründen komplett aus Aluminiumblech zu gestalten. So geschah es – deswegen sieht das Teil jetzt aus wie es aussieht, nämlich silbrig schimmernd und absolut unverwechselbar.

6 IMG_3994

Von links: Erbauer Patrice Guilleux, Fahrer Hervé Libner, Mechanikus Christoph Favar.

Dass die Rekord-Zigarre bislang noch nicht über den Salzsee glühen konnte, hängt damit zusammen, das die Wetterbedingungen dort in den beiden letzten Jahren schlicht keine Highspeed-Fahrten zuliessen. Ob die Bonneville-Speedweek dieses Jahr stattfindet, wird sich in Kürze zeigen. Wenn ja, wird kurzerhand eine Transportkiste gepackt und rübergeflogen nach Salt Lake City in Utah/USA.

7 IMG_3808

Atmosphärisch verdichtet: Sultans of Sprint-Expo.

Als sich herumsprach, welch irres Bike da im Westen Frankreichs entstanden war, dem letztlich aber die Einsatzmöglichkeiten fehlten, meldete sich Sprintbeemer-Treiber Seb Lorentz und überredete das Duo, bei den Sultans of Sprint mitzumischen, was jetzt ein paar Mal passiert ist und allen Beteiligten eine Menge Spass bereitete. Ob die Libner-Turbo-BMW-Zigarre nach dem Café Racer Festival in Monthléry auch beim Glemseck antritt, hängt allein von den Bonneville-Rekordfahrten ab. Finden diese heuer statt, bleibt dafür zu wenig Zeit. Fallen diese erneut aus, wird im Schwäbischen mit der Zigarre gezündet und angeraucht, aber so was von.

Fotos: Buenos Dias

About Author

Avatar

Gerhard Rudolph, fährt Honda CB 1300 und am liebsten Jethelm mit dunklem Visier.

Leave A Reply