Ausprobiert: Scott Tourance Lederkombi

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Scott Tourance Leather DP heisst die Jacken/Hose-Kombination aus Leder- und Stoffpartien mit lässigem Schnitt und dezenter Anmutung. Scott Sports ist eine Schweizer Firma mit US-amerikanischen Wurzeln, fertigt Fahrräder plus Bekleidung und Zubehör, Wintersport- und Laufsport-Artikel. Im Bereich Motorsport stehen Offroad und Snowmobile im Vordergrund. Das Onroad-Angebot umfasst Brillen, Protektoren, Rucksäcke, Handschuhe, rund 10 Jacken für Street/Offroad plus Hosen, eine Lederkombi und eben diesen Tourance-Lederanzug.

 

Der Mix macht den Tourance interessant: Nicht so hauteng wie eine sportliche Lederkombi, aber ohne den Sandsack-Look mancher Textilanzüge. Der Jackenschnitt geht eher Richtung bequemer Blouson, wobei der Lederanteil überwiegt; Stoff- und Stretch sind an den Innenseiten der Arme und seitlich verarbeitet. Auch an der Hose überwiegt der Lederanteil, sogar noch deutlicher; kommoder statt hautengem Schnitt gehört ebenfalls dazu. Ein weiteres Feature des Scott Tourance ist, dass das 1-mm-Rindsleder direkt mit einer atmungsaktiven, wind- und wasserdichten dreilagigen DRYOsphere Membran verklebt ist. Scott garantiert damit absolute Wasserdichtigkeit.

 

Der Preis für die Jacke beträgt 699,- Euro, die Hose kostet 549,- Euro, gehobenes Niveau also. Anmutung und Qualität passen dazu, die Verarbeitung überzeugt auf ganzer Linie, das geschmeidige Leder greift sich angenehm. Ein Thermofutter lässt sich per Zipper einsetzen oder herausnehmen. Der Stehkragen weist eine weiche Einfassung auf. Innen finden sich zwei Taschen, außen drei. Die Reißverschlüsse (YKK AquaGuard) sind wasserdicht. Für den Mittelreißverschluss gibt es eine Front-Flap-Isolierung auf der Innenseite. Damit der Brusttaschen-Zipper nicht flattert, lässt sich dieser extra festknöpfen. Ein Verbindungsreißverschluss fehlt ebensowenig wie eine Rückenprotektortasche . Vorne wie hinten sind reflektierende Elemente angebracht, dazu seitlich noch zwei (zahnlose) Belüftungs-Reißverschlüsse. SAS-Tec-Protektoren für Schultern und Ellenbogen gehören dazu, letztere sind in zwei Höhen fixierbar. Am Kragen findet sich ein magnetisches Fidlock-Verschluss, dazu Weitenregulierungen an Taille, Saum, Ärmeln und Bund.

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Zur Ausstattung der Hose zählt ebenfalls ein herausnehmbares Thermofutter, dazu kommen elastischer Bund, ein solider Verschluss mit Druckknopf und Haken, zwei Außentaschen, wasserdichte Reißverschlüsse, zwei Belüftungsreißverschlüsse (zahnlos), SAS-Tec-Protektoren an den Knien, Taschen für optionale Hüftprotektoren, reflektierende Elemente, Verbindungsreissverschluss sowie Stretch-Einsätze.

 

In der Praxis erwies sich der Tragekomfort höher als erwartet. Die Bewegungsfreiheit ist bemerkenswert. Lockerer Schnitt, gleitfreudiges Innenfutter und Stretchpartien sorgen für angenehm Tragegefühl. Die SAS-Tec-Protektoren an Schultern und Ellenbogen spürt man nicht. Dass die Jacke aerodynamisch etwas mehr Luftwiderstand aufbaut als sportlich enges Leder, wird niemand verwundern. Bis etwa 150 km/h merkt man davon nichts, erst darüber, und zwar je mehr, desto schneller man fährt.

 

Der Riegel am Kragen ist patent, weil der Fidlock-Magnet rastet leicht ein und lässt sich seitlich schiebend wieder entriegeln. Pfiffig: Wenn es am Hals etwas luftiger sein soll, kann der Riegel unter einem Befestigungsstretch zur Seite geklappt werden. Diverse Weitenverstellungen, mit Flex-Fix-Druckknöpfen oder Klettstreifen, erwiesen sich als nützlich. So heiss, dass man die zahnlosen, wasserdichten Reissverschlüsse an Jacke wie Hose hätte öffnen müssen, war es im April/Mai nie. Aber vermutlich ist diese direkte Belüftung bei Temps über 30 Grad eine angenehme Idee. Praxisgerecht der Beinausschnitt für das Anlegen von Stiefeln: Auch mit breitem oder hohen Schaft gelingt das Überstülpen des Beinkleids sowie das folgende Schließen mit dem Reißverschluss.

 

Der Ärmelabschluss ist darauf ausgelegt, die Handschuhstulpen zu überlappen. Das macht das Anziehen eher umständlich. Ignoriert man auf kurzen Strecken das säuberliche Verstauen der Stulpen, wird es halt knubbelig im Bereich der Handwurzelknochen. Der Storm-Cuff-Abschluss innen ist zum Durchstecken des Daumens gedacht. Da es aber nicht andauernd regnet und stürmt, wurde einfach öfter die ganze Hand durchgeschoben und dieses Feature nicht genutzt. Weil überhaupt Sturm und Regen in der Testphase erspart blieb (zum Glück!), erlaubt sich der Gasgriffsalat, diesen Aspekt in den Hintergrund zu rücken. Wenn Scott Wasserdichtigkeit garantiert, gibt es ohnehin keinen Grund das anzuzweifeln. Dazu haben wir diesen Anzug ausgesucht, weil wir ihn bei trockenen Bedingungen ausprobieren wollten.FP4F4730

Im Ergebnis wirkt der Scott Tourance Leather DP optisch zurückhaltend, aber nicht unelegant. Schnitt, Tragekomfort, Material-Zusammensetzung, Ausstattungsdetails und Verarbeitung gefallen. Je länger die Tour dauert, desto wohler fühlt man sich darin. Die Jacke trägt dicker auf als eine stylishe Lederjacke für die City, fühlt sich aber weich und bequem an, und spendet so das Gefühl von Geborgenheit. Genauso schmeichelt sich die Hose an. Bei 15 bis 25 Grad war der Tragekomfort bemerkenswert. Wie es im Hochsommer ist? Wahrscheinlich so wie mit jeder Lederkombi, mit Fahrtwind wird es erträglicher. Das Thermofutter ist wohl eher gedacht, in Übergangszeiten gute Dienste zu leisten. Unterm Strich also ein vielseitiger, bequemer und qualitativ überzeugender Lederanzug für jene, denen vergleichbar Textiles vielleicht weniger behagt.

Fotos: Buenos Dias

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Gerhard Rudolph, fährt Honda CB 1300 und am liebsten Jethelm mit dunklem Visier.

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