Toby Münchinger, ein R6-Cuppie erzählt

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Startnummer 21: Tobias Münchinger und sein R6-Cup-Bike.

Tobias Münchinger, Redakteur und Motorradtester, fährt heuer im Yamaha R6-Cup mit. Wir haben uns mit ihm beim zweiten Rennen am Nürburgring unterhalten. Eingangsfrage war: »Warum fährst Du Motorradrennen, wie ist es dazu gekommen, erzähl mal etwas über Dich….«

Der älteste Cup von allen ist nix für Blümchenpflücker.

Toby: »Also…. ich werde 26 Jahre alt diesen Sommer, fahre Motorrad seit ich 18 bin und stehe auf alles, was schnell ist und sich fahrdynamisch bewegen lässt. Als ich das erste Mal Motorräder gesehen und gehört habe, war es wie in einem Holger-Aue-Comic, wo ein Junge neben einem Moped steht und der Ton ihm das Gehirn durchbläst. Damit war es um ihn geschehen, so in der Art war es bei mir auch. Jedenfalls war klar, dass das brutal Spass macht.

»Rutschend in die Kurven prügeln, aber trotzdem klar im Kopf und locker bleiben.«

Für ein Praktikum während der Schulzeit kam ich zu MO und durfte bei einem großen 125er Vergleich mitmachen. Ich fand das total superklasse, dass es diesen Job des Redakteurs gibt, der über Motorräder schreibt; also dachte ich, dass ich das auch machen will. Nach dem Abi folgte noch ein halbes Jahr Praktikum bei der MO, dort habe ich Clemens Gleich kennen gelernt, er war dort Volontär, wird sind Freunde geworden.« (Anmerkung: CG ist inzwischen in der Motorradszene als freier Journalist zu Hause, IMHO einer der Besten und bloggt dazu in seiner Mojo Mission aka Mojomag).

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»Extrem spät bremsen, extrem früh ans Gas gehen, Rollphasen so kurz wie möglich halten.«

»Meine Idee war, zu studieren und danach ein Volontariat zu absolvieren, um Redakteur zu werden. Das hat aber nicht geklappt. Dann war ich für Clemens´ Blog auf den TriDays und habe dort jemand vom Nitschke Verlag kennen gelernt, der fragte, ob ich nicht Interesse an einem Volontariat hätte, sie würden jemand suchen. Ein paar Wochen später habe ich dann in Euskirchen beim Motorradfahrer angefangen, das war das Beste, was mir passieren konnte.

Schwarzes Gold abholen, wieder und immer wieder.

Guido Saliger, der Chefredakteur, fand es toll, dass ich begierig war, alles auszuprobieren und schnell und schräg Motorrad zu fahren; nach einer Weile durfte ich mich auch um Sportmotorräder kümmern, das war optimal. Punkto Rundenzeiten stimmte es schon einigermaßen, aber es kommt immer drauf an, mit wem man sich misst. Also ein normales Renntraining, das brauchst gar nicht erwähnen, wennst da vorne mitfährst. Die Musik spielt halt bei richtigen Renn-Events.

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»Für mich ist es ein Experiment, es geht um die Frage: Wie sehr kann ich mich in einem Jahr verbessern?«

Ich bin später dann zur PS gewechselt, die sich sportliches Motorradfahren auf die Fahne schreiben. Weil das Blatt auch R6-Cup-Medienpartner ist, habe ich gesagt, ich fahre da jetzt mal ein Jahr mit, probiere das aus und mache daraus eine fortlaufende Berichterstattung im Blatt. Für mich ist es ein Experiment, bei dem es um die Frage geht: Wie sehr kann ich mich in dem einen Jahr verbessern?

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Von hinten bis vorne: Alle krank, alle verstrahlt.

Letztes Jahr ging ein erster Gaststart in Hockenheim beim Finale komplett in die Hose. Ich hatte überhaupt keine Ahnung. Mir wurde regelrecht das Fell über die Ohren gezogen, ich kam null klar mit der R6, konnte damit nicht schnell fahren. Mir war schon klar, dass es heftig sein würde; aber dass ich so versohlt werden würde….. ich war richtig geknickt. Also bin ich zu dem Schluss gekommen, dass es vielleicht eine gute Schule wäre, eine ganze Saison zu fahren. Inzwischen habe ich mich eingewöhnt und richtig Spaß mit der 600er.

Ballett? Balett!

Was ich vorher gemacht hatte? 2013 mal ein Gaststart in einem anderen Cup, ein Dreistundenrennen, es war super cool, wir sind auf dem 3. Platz gelandet, haben einen kleinen Pokal bekommen, Materialwert vielleicht zwei Euro, aber für mich war es eine Trophäe. Vor zwei Jahren habe ich eine Tuono erstanden, aber da ich kaum zum Fahren komme, abgemeldet und auf Rennstrecke umgebaut. Damit starte ich dieses Jahr beim Fischereihafen-Rennen, das wollte ich schon ewig und drei Tage. Letztes Jahr hatte ich zwei Gaststarts damit, das lief auch ganz gut. Die Tuono ist ein geiles Motorrad.

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Gelbe Socken? Was es alles gibt….

Yamahas R6 ist eigentlich ein Phänomen. Die RJ11 gibt es seit 2006, es gab ein paar technische Änderungen 2008, seitdem ist nichts Großes mehr passiert. Aber im Seriensport ist es immer noch ein beliebtes, supergut funktionierendes Motorrad, mit dem viele schnell unterwegs sind. In Hockenheim hätte ich das Ding  am liebsten in die Ecke gestellt und nie wieder angefasst. Aber inzwischen habe ich kapiert; man muss sehr flüssig fahren und es ausquetschen. Extrem spät bremsen, extrem früh ans Gas gehen, Rollphasen so kurz wie möglich halten. Dazu kommt das Driften beim Anbremsen, weil das so kopflastig ist, wennst die Gänge runtersteppst. Man muss sich daran gewöhnen, das rutschend in die Kurven zu prügeln, aber trotzdem klar im Kopf und locker bleiben. Das beginnt mir gerade Spaß zu machen, obwohl einem dabei etliche Fragezeichen durch den Kopf spuken, die man schlicht niederfahren muss, was schon ziemlich krank ist.

Noch weiter runter zu den Blümchen wäre keine gute Idee…

Das Interessante ist, dass das Setup immer nur einmal passt; ich meine, es passt bestenfalls für die Rundenzeit, die man gerade schafft. Wirst eine Sekunde schneller, kannst wieder bei Null anfangen. Das ist ziemlich irre. Ergo schraubt man ständig Hin und Her für winzige Fortschritte. Das wiederum setzt voraus, dass man Leute um sich hat. Jemand, der etwas vom Fahrwerk versteht, jemand, der für Dich schraubt, und jemand, der den Zeitplan im Auge hat. Das wird schnell zur großen Nummer.

Setup-Tüftelei: Tim drehte am Nürburgring helfend mit.

Uli Schüller, mein Yamaha-Händler, der aus Jüchen kommt, kümmert sich ohne Ende, ich bin da sehr gut aufgehoben. Tim Röthig (Ex-Rennfahrer und heute bei Bridgestone) hat mir am Nürburgring im Training beim Fahrwerk geholfen, was sinnvoll und hilfreich war. Clemens will mir helfen, wenn Not am Mann ist. Das war jetzt bisher nicht der Fall, vielleicht in Zukunft. In Zolder im Juni wird es zwei Rennläufe geben. Ich plane deshalb, dort vorher einmal zu trainieren.

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Gut aufgehoben bei Uli Schüller, Yamaha-Händler aus Jüchen.

Der Saisonauftakt am Lausitzring war zäh. Bei den Auftakt-Trainingstagen gab es 3 Grad und Schneeregen. Da hast morgens aus dem Zelt geschaut und gedacht, was mache ich hier eigentlich? Es hat sich aber letztlich ausgezahlt, nicht die Flucht zu ergreifen. Ich bin in der Quali auf P28 gelandet und konnte im Rennen auf P23 vorfahren. Das war schon mal besser als Hockenheim, weil da war ich Letzter.

Manchmal türmen sich Überraschungen vor einem auf: Toby (hier Vierter) kam hier aber gut durch.

Ich habe im Winter viel Sport getrieben, habe auf die Ernährung geschaut, konnte im Rennen echt ziehen, bin gut in den Fluss gekommen und schneller geworden. Meine beste Runde habe ich zwei Runden vor Schluss gefahren, zum Glück habe ich das Bike nicht weggefeuert, alles ging gut. Auf Fitness und präzises Fahren zu setzen, ist nicht die schlechteste Idee.

Driften beim Anbremsen gehört oft mit dazu, weil das so kopflastig ist, beim Gänge runtersteppen.

Rennsport macht Spaß. Natürlich möchte ich das eine Weile machen. Hobbymässig. Der Yamaha Cup funktioniert für diese Saison, ein zweites Mal wäre uninteressant für die Leser. Ich mag Road-Racing-Events, aufs Fischereihafen-Rennen habe ich total Bock, deswegen trete ich da mit der Tuono an. Mit der R6 könnte ich auch IRRC fahren, in der Supersportklasse, mal abwarten. Ein 24 H Rennen mitfahren, etwa in Le Mans, ist überhaut nicht mein Ziel. Ich habe hier einen getroffen, Manu, 20 Jahre alt, der mir erzählte, er will Profi-Rennfahrer werden, das sei das Grösste. Nee, habe ich zu ihm gesagt, ist es nicht. Das Allertollste ist, irgendwohin zu kommen, wo die Maschinen fertig präpariert stehen, damit herumzufahren und wieder abzuziehen. Also genau das, was Motorradtester machen. Das ist es. Ich bin ehrlich froh, dass ich meinen Lebensunterhalt nicht als Rennfahrer verdienen muss, denn das ist ein extrem hartes Brot.

»Hinterher fühlst Dich so wohl, es könnte besser nicht sein. Was für ein kranker Sport!«

Am Nürburgring war ich im Training auf P21, im Rennen dann ebenfalls, nach einem heftigen Kampf in einem Viererpulk. Nach Rutschern, Verbremsern und ein paar Fast-Highsidern; war ein irrer Fight. Du fährst, es geht rund im Karton, mit angreifen und selbst überwinden bis zur allerletzten Patrone; und hinterher fühlst Dich so wohl, es könnte besser nicht sein. Was für ein kranker Sport!«

Ein Wheelie in Ehren wird ein Redakteur selten verwehren…

Fotos: Buenos Dias

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Gerhard Rudolph, fährt Honda CB 1300 und am liebsten Jethelm mit dunklem Visier.

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