Daytona Beach: Blown away in Main Street

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Los Baby, lass uns die Sonne putzen.

Da sitzt man also über den Wolken und freut sich, hey, du fliegst nach Daytona, weil da träumt man seit Jahren von. Und dann steht man in der City in der Main Street, vollkommen blown away, weil das Live-Spektakel umwerfender, irrer und abgefahrener ist als alles, was man darüber im TV gesehen oder in Magazinen gelesen hat.

Daytona Beach ist ein US-Kaff mit Strand, Hotels und ein paar Geschäften. Seit 75 Jahren findet hier in warmen Florida die Bike Week statt, in der ersten März-Woche. Dann bricht die Hölle los. Daytona mutiert zur Motorrad-Hauptstadt, zum Zweirad-Zentrum dieses Planeten. Wie soll man das beschreiben? Man kann nachts nicht schlafen, weil der Lärm aus abertausenden komplett offenen Auspuffen bis ins Hotelzimmer dringt. Wo man steht oder geht, überall brummen Motorräder, auf jeder gottverdammten Straße, egal, ab ein-, zwei- oder dreispurig. Und wenn sie nicht fahren, wird geparkt. Auf jedem Bordstein, an jeder Ecke, vor jedem Hotel, auf jedem Parking.

Es ist unfassbar, dass es so viele Motorräder gibt auf der Welt. Bikes, Bikes, Bikes. Daytona quillt über davon. Jeder fährt irgendwo hin. Und wieder zurück. Und alles trifft sich früher oder später in der Main Street, der Flaniermeile, wo man trinken und shoppen und die schillernde Parade abnehmen kann, die eine Woche nicht abreisst. Im Zweirad-Superschmelzofen dominieren Big-Twins aus Milwaukee. 80 Prozent aller Eisen sind Harleys, das ganze Programm aktueller Modelle, dazu ist alles zu sehen, was sonst gebaut wurde, von uralter Knuckle- oder Pan-Head bis zum überkandidelten Super-Langgabel-Breitreifen-Megashow-Custom-Chopper. Diese Dinger werden nur für Ausstellungen und Shows gebaut? Hier rollen Tausende herum.

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What the fuck?

20 Prozent gehören dem Rest der Welt, Japan plus Europa. Überraschend: Haufenweise Hypersportler aller Marken. Gerne auch im Pro-Stock-Dragster-Look: tiefer gelegt, mit langer Schwinge und Superbreitreifen. Allein die schiere Zahl Gebückter auf Yoghurtbechern (die Amis sagen “Crotch Rockets“ dazu) überraschte. Das war nicht zu erwarten, und wenn fünfmal am Stadtrand gerade ein Racing-Event über die Bühne geht. Dazu lauter junge Leute im Sattel, mit schrillen Lederjacken und Piraten-Kopftuch, die aufgetakelte Perle hinten drauf.

Außer Big Twins und jeder Menge Race-Replicas rollt in Daytona alles herum, was man sich nur vorstellen kann: Gold Wings mit und ohne Anhänger, Hayabusas mit Turbo, verrückte Trikes, serienmässige Vespas, japanische Old- und Youngtimer, Quads, bayrische Kühe, britisches und italienisches Zeugs, KTM´s, coole Vans, Mörder-Trucks, Hummer, Boss-Hoss, Viper-Chopper, Indians, Victorys, undefinierbare Eigenbau-Vehikel von der rollenden Toilette bis zum zweistöckigen Gokart. Ein atemberaubender Querschnitt durch die amerikanische Motoring Culture. Von standard bis crazy und abenteuerlich: gechoppt, beleuchtet, verchromt, aufgemotzt, graviert, toupiert, tätowiert, gepierct und lackiert, dass sich die Balken biegen. Wahnsinn.

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Race-Queens.

Racing, also die Speed Week im Oval-Nudeltopf, interessiert hier nur wenige. Höchstens das Supercross, das zuvor für gefüllte Zuschauerränge am Speedway sorgt. Das Gros kommt zur Bike Week, zum Mega-Event in und um Daytona zu tausend Anlässen, die das Biker-Herz in den roten Bereich treiben. Und am Ende landen alle in der Main Street. Staunen, flanieren, shoppen, musizieren, saufen, chillen, feiern. Great Show, wow!

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So geht es hin und her, die ganze Nacht und den Tag über auch.

Fotos: Buenos Dias

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Gerhard Rudolph, fährt Honda CB 1300 und am liebsten Jethelm mit dunklem Visier.

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