Nürburgring und the Rhythm inside

0

IMG_9329

Verwunschene Geister am Nürburgring sind überall. Im alten Fahrerlager, entlang Brünnchen und Pflanzgarten, hinter jedem Baum und jeder Leitplanke. Am allen Stellen und Ecken springen sie hervor mit Geschichten und Anekdoten, die man gelesen, gehört oder selbst erlebt hat. Berühmte Rennfahrer auf vier und zwei Rädern übten hier ihr Vollgas-Handwerk aus. Als ich jung und hübsch war, habe ich noch miterlebt, wie die Renngeräte durch den Tunnel in die Boxengasse gerollt wurden; oder wie Mechaniker beim letzten GP auf der Nordschleife sorgfältig die Ovalkolben-NR warmlaufen liessen, während die 500er Zweitakter im Rhythmus der Gasstösse blaue Qualmwolken ausstiessen und die Luft mit Öl- und Benzingeruch anreicherten. Daneben gibt es die fahrdynamischen Nürburgring-Geister, die sich im Grenzbereich melden. Wenn man die Fuchsröhre runterdübelt und in der Kompression die Gabel zu zappeln anfängt. Oder wenn über den Hügeln in Schräglage plötzlich Vorder- und/oder Hinterrad auszucken, wenn die Fliehkräfte am Bike rumzerren wie nirgends sonst.

IMG_9259

Die Nordschleife ist keine normale Rennstrecke, sondern führt durch den Wald. Rechts-links-rechts-rauf-runter-rauf, es nimmt kein Ende. Mal schnell, mal langsam, über Kuppen und Hügel, viele Passagen sind unübersichtlich, manche blind. Wer das erste Mal hier fährt, traut seinen Augen kaum. Es ist nur ein altes Stück Asphalt, inzwischen etwas über 20 km lang, das sich durch die Eifellandschaft kringelt, aber ziemlich einmalig, faszinierend schön und absurd zugleich. Die Umschreibung »Grüne Hölle«, die von Jackie Stewart stammt, hat bisher niemand trefflicher formuliert und wird wohl gelten bis zum jüngsten Tag.

Der Nürburgring hat mehr Geschichte zu bieten als jedes Museum und ist weltweit ein Begriff. Klar reicht die Aura bis Italien, wie Andrea Perfetti von der Website moto.it versichert, der mir am Vorabend zu einem Motorradtraining am Nürburgring gegenüber sitzt in der Cockpit-Bar des Dorint-Hotels, aber so richtig genau wisse er natürlich nicht Bescheid. Also tischen Frank Hofmann, unser Gastgeber, und ich ihm ein paar Kamellen auf und registrieren bald, dass Perfettis Augen und die seines Begleiters Christian Rafaelli, einem Polizisten, der ein Teilnahme-Gewinnspiel gewonnen hat, größer werden als Mozart-Kugeln.

Volle Hütte und reichlich Vielfalt, auf der Nordschleife nicht ungewöhnlich.

Hecke auf, Hecke zu, in ganz alten Zeiten. Lagerfeuer im Wald beim 1000 km-Rennen. Elefantentreffen nicht zu vergessen. Die alte Betonschleife bei Start und Ziel. Verrückte Autofahrer. Touristenfahrten mit Bussen auf der Ideallinie. Sonne hier, ein paar Kilometer weiter Regen. Streiks von GP-Fahrern weil es schneite. Sheene gegen Roberts, Mang gegen Ekerold, Wimmer auf der Cup-XS 360. Etliche Crashs auf zwei und vier Rädern, vor allem am Adenauer Forst. Der Lauda-Unfall, der Winkelhock-Überschlag. Die Zeit der 8-Stunden-Rennen, als Helmut Dähne und die Eckert-Truppe sich gegen die Werke stemmten. Mike Baldwins Schlüsselbein im Hatzenbach auf der Endurance-Werks-Honda mit angeklebtem Nummernschild beim privaten Training in der ersten Runde. Senna im 16-V-Baby Benz nach dem Umbau. Die Rallye-Wettbewerbe für Motorradfahrer, Dähnes ewiger Rundenrekord mit der RC30, die Faszination der 24 H-Rennen mit Zuschauern, die überall die Strecke vollpinseln, die extreme Steilstrecke vor dem Karussel.

Teilnehmer, bunt gemischt.

Dreimal im Jahr nur finden Trainings auf der Nordschleife statt. Einmal bei Doc Scholl, zweimal mit dem Action-Team. Wir sind bei Letzterem bei BMW-Zubehörspezialist Wunderlich mit von der Partie, der als Event-Sponsor immer ein gewisses Kontingent Plätze erhält. Dreh- und Angelpunkt des Events ist der Parkplatz zur Nordschleifen-Einfahrt. Instruktoren gibt es über zwei Dutzend. Alles alte Hasen und erfahrene Leute, einige Ex-Racer. Um mal ein paar Namen zu nennen: Frank Heidger, Roland Senf, Georg Jelicic, Detlef Karthin, Holger Aue, Helmut Dähne. Werner Daemen ist auch da, aber als Teilnehmer, er fährt in einer Gruppe von BMW-Händler Kohl aus Aachen mit und hat offensichtlich einen Heidenspaß dabei.

Gäste aus Italien, Vorfahrer Frank.

Die Gruppen sind klein, vier bis sechs Leute meistens. Die Instruktoren fahren vor, aber sie wissen immer genau, was hinter ihnen los ist. Wer gut mitkommt, wer irgendwas besser machen könnte. Wie das genau geht, ist nicht so einfach zu verstehen. Aber es funktioniert. Das gilt auch für Frank Hofmann, der für die beiden Italiener und mich den Instruktor gibt. Der Wunderlich-Geschäftsführer hat viele Jahre Rennerfahrung, hat dazu als ehemaliger Testfahrer für Bridgestone und Marshall bei Touristenfahrten unzählige Runden auf der Nordschleife gedreht und kennt sich bestens aus.

Wunderliche Parade.

Zur Auswahl standen eine ganze Batterie optimierter BMW: S1000RR, R1200GS, eine Streetfighter S1000RR mit Superbike-Lenker namens ”Piranha“, eine luftgekühlte R1150 R Classic Roadster und die R1200R LC. Ich suchte mir Letztgenannte aus. Gerader Lenker und dicker Motor ist immer gut.

IMG_9320

Der Betrieb auf dem Parkplatz war beachtlich. Alle Marken, alle Typen, viel Sportliches und jede Menge Touriges, auch 10 bis 20 Jahre alte Bikes. Auf jeden Fall gut durchgemischt. Die Nacht über hatte es geregnet. Der Hälfte der Nordschleife war noch nass, ein guter Grund, es umsichtig angehen zu lassen. Erstmal schauen, wo es lang geht. Mein Boxer-Brummbär segelte unbekümmert dahin. Ich genoss den Vorteil, dass der Streckenverlauf nicht komplett neu war für mich. Ich bin hier früher mal ein paar Runden im Kreis gefahren, ist aber ewig her.

Hinter der Schranke fährt man inzwischen die Döttinger Höhe-Endgerade fertig, durch ein Geschlängel und rechts rum an einer Tribüne inklusive Mini-Boxengasse vorbei, die zum Bau der heutigen GP-Strecke dort hingepflanzt wurde, aber eigentlich kaum benutzt wird. Die Hatzenbach-Kurven-Arie fährt sich noch schöner als sie von außen aussieht; vor allem das Ende durch eine Senke, die zwischen Eingangs-Rechts und Links-Ausgang wegtaucht, ist super. Zum Flugplatz hin geht es in weiten Bögen richtig schnell dahin, auf zwei Kuppen wird das Vorderrad leicht. Die Aremberg-Rechts ist tricky, auch die Bremszone vorher, und geht schneller, als man glaubt. Die Fuchsröhre (bergab voll, dann bergauf) ist der Hammer, der Adenauer Forst halb so wild, zumindest wenn man weiss, wie es nach der blinden Anfahrt weiter geht.

IMG_9324

Kallenhardt und die folgende Abfahrt zur Spitzkehre sind technisch knifflig, weil die enge Links nach einer langen, schnellen Dreifach-Rechts angebremst werden muss. Unten in Breitscheid die Brücke geht so la-la, danach folgt aus einer Senke eine verflixte Bergauf-Rechts. Nach dem Lauda-Gedächtnis-Linksknick kommt die tolle Bergwerk-Rechts, gefolgt von einer ewigen Steigung, die einfach ist, wenn man nur rumlümmelt, aber mit allem, was geht, wird es delikat, vor allem in der letzten Wechselkurve mit Sprunghügel dazwischen, jedenfalls wird das Vorderrad ziemlich leicht.

Die Klostertal-Rechts sieht simpel aus, ist es aber nicht. Dann folgt der lange Aufstieg mit leichtem Sprunghügel; hier habe ich vor Urzeiten mal ein Formel 1-Rennen bewundert, das Gebrüll der Acht- und Zwölfzylinder war sensationell. Dann das Karussell. Aus Betonplatten, abgeschrägt zur Steilwand, Kurios, ratterig, und absolut einmalig auf der Welt. Der Aufstieg zur Hohen Acht verlangt nach Präzision und Kenntnis der richtigen Linie (geht mir ab, klar), im Wippermann-Geschlängel fehlt mir der Mut, weil die Leitplanken noch näher zu stehen scheinen als überall sonst.

IMG_9321

Danach geht es unvergleichlich in weiten Bögen rauf und runter durch Kurven, die ineinander übergehen, über Kuppen und Sprunghügel: Eschbach, Brünnchen, Eiskurve, Pflanzgarten. Danach kann man eigentlich durchladen und mehrere Schlängel schnurstracks durchpfeilen, wenn man bereit ist zu akzeptieren, dass giggelnde Fliehkraft-Geister aus dem Nichts die Gabel auskeilen lassen, bis zu einer Rechts, die sich seltsam entrückt anfühlt und schließlich zum zweiten, kleinen Karussell führt, die doofste Kurve von allen, ein unharmonischer Betonplatten-Rhythmusbrecher. Dafür wartet dahinter der Galgenkopf, eine göttliche Doppelrechts, die ordentlich Speed und Schräglage zulässt. Der Rest führt dann geradeaus zurück über die Döttinger Höhe-Gerade.

Instruktor Frank Heidger mit seiner Gruppe.

Ab der dritten Runde war die Strecke rundum trocken und die Fahrerei machte richtig Spaß, was natürlich mit dem Instruktor zusammen hing. Ein guter Instruktor hat ein Gespür für das Tempo, dass er anschlägt, hat ziemlich genau im Auge ob und wie seine Leute mitfahren oder auch nicht, fühlt, wann rechtzeitige Pausen sinnvoll sind, hat dazu langsamere Gruppen ebenso im Auge wie schnellere, die von hinten auflaufen.

Werner Daemen.

Frank schlug erst ein rücksichtsvolles Tempo an, das dann Stück für Stück gesteigert wurde. Weil das ItaIo-Duo schneller furchtloser als ich aufgeigte, nahm er nach der Mittagspause im Restaurant, das bezeichnender Weise »Devil´s Diner« heisst, die beiden alleine für zwei Runden ins Schlepptau. Als sich danach der Regen zurückmeldete, stiefelte ich zu Holger Aue und Helmut Dähne für ein paar kurze Interviews.

Lebende Legende: Dähne, Honda RC30.

Als es wieder abgetrocknet war, bekam ich noch drei Runden hin. Es lief ganz okay, obwohl es etliche knifflige Stellen gab, an denen ich mir die letzten Haare hätte ausraufen können: Die Bergauf-Rechts nach Breitscheid war jedesmal eine Katastrophe, am Wippermann verliess mich permanent der Mut, beim zweiten Karussell war ich nie wirklich zu Hause. Und an etlichen Stellen bin ich auch nur rumgeeiert. Na, die Nordschleife hat 33 Links und 40 Rechtskurven, und jeder erzählt einem, das man sich hier eigentlich nie auskennt, sondern mit jeder Runde etwas dazu lernt.

Normalerweise, wenn man auf der Strasse unterwegs ist, fährt man (also ich) immer so in die Kurven rein, das man auch weiss, dass man wieder raus kommt. Besser werden bedeutet also bei mir in erster Linie, schneller in die Kurven reinzufahren, Scheitelpunkt und Rausbeschleunigen klappen dann automatisch besser. Schneller reinfahren, also in Bereiche vordringen, denen man sonst fern bleibt, ist bei mir mit Überwindung verbunden, nicht so, das alle Glocken Alarm-Alarm schrillen, aber ein Tick mehr Körperspannung plus Luftanhalten beim Einbiegen gehört dann schon dazu.

Immerhin hatte ich das Feeling, am Ende des ersten Tages besser klar zu kommen als zu Beginn, woran meine Wunderliche nicht ganz unschuldig war. Mein Boxer zog breitbandig durch wie ein Ochse und lag wie ein Brett. Auch Sitzposition und Federung haben super gepasst, das Feedback war schön direkt, nicht zu hart. Das Getriebe war ok, den Kardan habe ich kaum gespürt. Ein Schaltautomat steckte auch drin, trotzdem habe ich immer mit Kupplung geschaltet, rauf wie runter, wohl aus Gewohnheit.

Mein Motorrad sah vielleicht aus wie ein gutmütiges Nilpferd, lenkte sich aber wie eine Gazelle und schlug Haken wie ein Hase auf Baldrianpillen. Serienmäßig war an der Wunderlich R 1200 R LC nicht mehr viel. Federelemente vorne und hinten komplett überarbeitet, ESA ausgebaut. Setup laut Hofmann gezielt »für den sportlichen Straßenbetrieb« ausgerichtet. Dazu Motor, Einspritzung und Remus-Topf mit Powercommander neu abgestimmt, 12 bis 15 PS mehr im mittleren Bereich. Außerdem noch Fatbar-Lenker und einstellbare Hebeleien, Fußrasten zurückversetzt über Adapterplatten; und zur Abrundung noch Ergo-Sitz, kleine Lampenverkleidung und Metzeler Sportec M7 RR-Bereifung.

Brünnchen.

Als die Strecke für uns zugesperrt wurde, schlossen sich noch Touristenfahrten an. Da die beiden Italiener danach gierten, die Strecke von außen zu inspizieren, fuhren wir vor einem gemütlichen Grillabend, den das action-Team auf dem Parkplatz neben der Rennstrecke auf die Beine stellte, noch kurz zum Brünnchen und in die Hatzenbach. Motorräder zirkulierten keine mehr, aber ein paar übermotorisierte, laute Sportwagen, die man lange heranfauchen hörte, bevor sie ins Blickfeld gelangen. Geisterqualitäten hatten die zwar nicht, aber beeindruckend waren sie auf jeden Fall.

Den nächsten Tag eröffnete ein Bananen-Smoothie am Frühstücks-Büffet im Dorint, entsprechend geschmeidig gelangen die ersten Runden am zweiten Fahrtag bei Traumwetter unter blauen Eifelhimmel. Ich gelangte zu der Erkenntnis, dass der Grundstein zu einer halbwegs flüssigen Runde mit beherztem Durchströmen der Hatzenbach beginnt; ungefähr wie in der Musik oder beim Tanzen, wenn »the rhythm inside« einmal passt, gelingt auch der Rest.

Für meine Verhältnisse lief es also ganz okay; vor allem in der zweiten Runde, als ich direkt hinter Instruktor Frank ziemlich konzentriert mein Herz in beide Hände nahm und öfter als je zuvor beim Einbiegen die Luft anhielt, vor allem in den schnelleren Ecken, runter zum Wehrseifen etwa, auch der ganze einmalig fluide Bergauf-Bergab-Teil hinter der Hohen Acht bis weit hinter den Pflanzgarten flutschte wie geschmiert.

In der Pause danach war ich euphorisiert und so geil aufs Fahren, dass ich stank. Ich lief wie angestochen über den Parkplatz und wäre am liebsten gleich wieder losgebraust. Dann lief mir Helmut Dähne über den Weg und fragte freundlich: »Willst nicht mal eine Runde mitfahren?«

IMG_9304

Ich zuckte zusammen, weil ich kenne Helmut schon ein paar Jahre, aber das zu fragen hätte ich mich nie getraut. Also sagte ich: »Liebend gerne, aber willst Dir das wirklich antun, so wie ich da rumeiere?«

Helmut grinste: »Das passt schon. Der Udo von KTM möchte eine Runde mit mir fahren, hängst dich einfach dran.«

Zur Erklärung: KTM hatte einen Truck mit Probefahrt-Bikes vorbei geschickt; wer von den Teilnehmern eine Orange auf der Nordschleife ausprobieren wollte, konnte dies also tun.

Am Vortag war Dähne noch mit der Fireblade unterwegs, jetzt sass er auf seiner RC30. Quasi die Legende im Doppelpack. Wir fuhren also los: Dähne mit dem V4-Juwel, Udo auf einer Adventure 1190, ich auf dem wunderlichen Boxer. Helmut legte ein barmherziges Tempo vor, Udo folgte ganz normal, ich schirmte entzückt von hinten ab. Entzückt, weil es natürlich etwas Besonderes war, so eine Berühmtheit da vorne auf der Ideallinie vor Augen zu haben.

Was ich nicht wusste: Für Udo war es die erste Runde überhaupt auf der Nordschleife. Wäre mir auch nie in den Sinn gekommen, weil er kurvte beschwingt dahin und hielt nur etwas Abstand zu Helmut, der ein paarmal Handzeichen gab, näher an seinem Hinterrad zu folgen, so wie es etliche Instruktoren machen, weil das Hinterherfahren im Gänsemarsch einfacher wird; außerdem ist es für den Instruktor leichter, im Rückspiegel die Anvertrauten im Blick zu halten.

Wie auch immer, wir kurvten dahin, es war ein Genuss und superinteressant, auch weil Dähne an einigen Stellen eine andere Linie fuhr, eher traditionell von Apex zu Apex, während Frank zuvor schon mal zwei Kurven lang die Radien neben die Schulbuchlinie legte, um am Ausgang der Dritten Kurven ideal positioniert zu sein, um das Gas früh aufzuziehen. Besonders gestaunt habe ich am Adenauer Forst, als Helmut einfach innen in die Links reinstach, anstatt wie alle weit auszuholen und erst im letzten Moment einzubiegen. Danach drehte er die Honda einfach um und feuerte aus der anschließenden Rechts raus.

Helmut Dähne, Frank Hofmann.

Als die wunderbare Runde zu Ende war, fuhr die lebende Legende rechts ran, stieg ab und kam zu mir. »Du kannst schon noch schneller, oder?« Mir hatte die Runde extrem getaugt, ich wollte keine blöde Antwort geben, druckste also herum, worauf Helmut bestimmte: »Wir fahren noch eine Runde und diesmal fährst Du hinter mir.« Ich hatte plötzlich weiche Knie, aber da schon der erste Schlenker auf der Döttinger Höhe und die Rechts an der Tribüne ziemlich gut passten, holte ich schon in der Hatzenbach ein paar Mal tief Luft und spürte den Rhythm inside, danach lief alles wie von selbst.

Ich habe Dähne über so viele Jahre als Rennfahrer in Aktion gesehen, von außen, jetzt fuhr er in Cinemascope vor mir her. Eigentlich war es nicht viel anders als vorher, nur noch besser, er strömte souverän dahin, nutzte überall die ganze Straßenbreite aus, ich folgte euphorisiert und mit großen Augen so gut es halt ging. Am Adenauer Forst packte der ehrwürdige Fuchs wieder frech die Diretisssima aus.

In den Passagen zwischen Hohe Acht und Pflanzgarten war die Poesie der idealen Linie kaum mehr auszuhalten, aber jedesmal wenn ich abbiss, genügte ein Dreh mit rechts und der üppige Bumms der Kuh schleuderte mich wieder an ihn heran. Wir bogen schließlich zusammen in die letzte schnelle Doppelrechts ein, den Galgenkopf, ich blieb so nah wie möglich an seinem Hinterrad, liess mich weit heraustragen, schaltete in die Fünfte hoch, legte für den zweiten Teil um und zog das Gas auf. Ich sah in schöner Schräglage den roten Kombi und die weissen Dähne-Lettern auf dem Rücken vor mir, unten flitzten die Curbs vorbei und obendrüber der blaue Himmel, und ich dachte eine Millisekunde lang, wennst jetzt abhebst wie ein Hubschrauber, dann war es das wert; aber natürlich ging alles glatt, auch wenn die Traction Control, die ich vollkommen vergessen hatte, mich nicht retten musste.

In den Stunden danach wurde es immer heisser und es galt aufzupassen mit der Kondition. Frank, die Italiener und ich drehten noch eine Runde zum Abkühlen, dann noch eine zweite, bei der wir wie Touristen mit einer Sondergenehmigung unterwegs in der Klostertalkurve anhielten, um die sagenhafte Steilstrecke zu inspizieren, die früher einmal für Tests der Autoindustrie genutzt wurde, und dann nochmal oben am Karussell.

Wie die Touristen in der Klostertalkurve.

Ich hätte mich beim wunderlichen Eifel-Abenteuer gerne mal gezwickt zwischendurch, was aber schwierig war durch das Leder, außerdem braucht man am Nürburgring ja immer beide Hände am Lenker.

Fotos: Buenos Dias

About Author

Avatar

Gerhard Rudolph, fährt Honda CB 1300 und am liebsten Jethelm mit dunklem Visier.

Leave A Reply