Leon Haslam: BSB mit Kawasaki

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Leon Haslam, Kawasaki ZX10-R, JG Speedfit Team, BSB 2016.

Leon Haslam (33) wechselt nach 10 Jahren in der Superbike-WM zurück in die heimische British Superbike Championship (BSB), wo er für das JG Speedfit Team eine Kawasaki ZX10-R steuern wird, an der Seite von James Ellison und Peter Hickman.

Der Sohn von Ron »Rocket« Haslam war schon bei erstaunlich vielen Teams unter Vertrag: Renegade Ducati Koji, HM Plant Honda, Stiggy Racing Honda, Suzuki Alstare, BMW Motorsport, Pata Honda und Aprilia Red Devils. Eigentlich hatte er alle Hersteller durch, nur das Grün fehlte im Marken-Kaleidoskop, diese Lücke wird nun 2016 komplettiert.

Nach Ducati, Honda, Suzuki, BMW und Aprilia nun 2016 auch in Grün unterwegs.

Mit der Gixxer-Suzuki war Leon Vizeweltmeister, mit der BMW S1000RR wurde er Gesamt-Fünfter und –Achter, mit der Aprilia RSV schloß er heuer auf Schlußrang 4 die Saison ab. In der Statistik rangiert er mit 208 Rennen, 5 Siegen, 18 zweiten und 19 dritten Plätzen, 3 Poles und 7 schnellsten Rennrunden. Die Suzuka 8 Stunden hat er auch gewonnen, zweimal sogar, mit Honda, 2014 und 2014.

Racing-Familie: Olivia und Leon Haslam, Papa Ron.

Vor ein paar Jahren, in seiner BMW-Zeit, fuhr ich nach Misano für ein Interview mit Leon im »Motorradfahrer«, dem IMHO weltbesten Printmagazin überhaupt, was ich nach 20 Jahren sportlicher Mitarbeit einfach mal behaupte. »Pocket Rocket« war ein interessanter und angenehmer Gesprächspartner, die Seiten im Heft anschließend im Nu gefüllt.

Zwei Dinge habe ich davon noch in Erinnerung.

Als ich Leon fragte, was der Teufel und der Heiligenschein auf seiner Startnummer bedeuten, antwortete er: »Mein Sternzeichen ist Zwilling, ich verfüge also über eine gespaltene Persönlichkeit. Ein Teamchef stellte einmal fest, ich sei ein netter, freundlicher Bursche, nur im Sattel käme ein teuflischer Wesenszug zum Vorschein. Also habe ich das zuerst beim Helmdesign umgesetzt, mit einem Engel auf der einen und dem Teufel auf der anderen Seite. Später habe ich diese Symbolik in die 91 integriert, die meine umgängliche und meine angriffslustige Seite darstellt.«

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91 mit Teufel und Heiligenschein für die gespaltene Persönlichkeit.

Und: Haslam ist in Smalley zu Hause, ein Nest nicht weit von Donington, auf einem Bauernhof, wo die Wiese nebenan so groß ist, dass er mit seinem einmotorigen Eurostar-Flieger gleich neben der Haustür landen kann. Außerdem fährt Leon hier und da noch auf der Straße Motorrad, was einem irgendwie viel mehr taugt, als wenn Rennfahrer dafür überhaupt keinen Draht mehr haben.

A propos Fahren: Als ich nach Misano fuhr, nahm ich meine 13 und es regnete die ganze Zeit, über 1000 Kilometer. Als ich ankam, fühlte ich wie ein Fisch, nur die Schuppen fehlten. Ich hatte ein Zelt aufgeschnallt (ich campe gerne, leider viel zu selten; dazu gibt es dort einen paradiesischen Platz, zumindest außerhalb der Hochsommer-Reisezeit), aber am Tag darauf schien die Sonne, alles war schön. Ich putzte also an einer Tanke mein Motorrad, dreckige Bikes machen mich irgendwie wuschig, fuhr von der Küste zur Rennstrecke, führte das Interview und entkorkte am Abend in netter Gesellschaft einen Lambrusco.

Als ich aufwachte am nächsten Tag, fuhr ich nach Hause, der Superbike-WM-Lauf war mir egal, auf dem Motorrad kann man keine Fotoausrüstung mitnehmen, jedenfalls nicht das, was man auf Rennstrecken braucht. Der Plan, und das war ein guter, war, auf halbem Rückweg ins Gebirge abzubiegen und die Reifen wieder rund zu fahren. So schlurfte ich einen halben Tag bei 30 Grad und blauem Himmel über die öde Autobahn. Als endlich die Ausfahrt erreicht war, irgendwo bei Como, verfinsterte sich der Himmel, und als ich abbog zum ersten Pass, fing es punktgenau wieder an zu regnen und spülte meine schönen Pläne einfach weg in den Gulli, denn es sollte nicht mehr aufhören und die nächsten zwei Tage giessen wie aus Kannen.

Ich habe dieses Timing nie verstanden, es war ziemlich gemein, für ein 30-Minuten-Interview permanent über nassen Asphalt zu gurken, vor allem in den Alpen, auf die ich mich echt gefreut hatte. Es war auch niemand schuld, schon gar nicht Leon Haslam. Trotzdem muss ich manchmal an diesen Regen-Trip denken, wenn sein Name fällt. Humm, vielleicht sollte ich nächstes Jahr mal einen BSB-Trip ins Auge fassen, da war ich nämlich noch nie. Und wenn es dann nicht regen sollte, kann ich diese feuchte Misano-hin-und-zurück-Episode vielleicht endgültig abhaken.

 

Fotos: JG Speedfit Team / Bonnie Lane photography, Buenos Dias, BMW

 

 

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Gerhard Rudolph, fährt Honda CB 1300 und am liebsten Jethelm mit dunklem Visier.

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