Vergaser-Reiniger von Motorex

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CBF600Vergaser waren etwas Schönes. Nicht nur fürs Auge. Man konnte sich um sie kümmern, hin und wieder jedenfalls, sie ausbauen und reinigen, die Düsen durchpusten. Oder synchronisieren und sauber einstellen. Es gab Leerlaufdüsen und Hauptdüsen, dazu Schwimmernadelventile und kunstvolle Schwimmer-Konstruktionen, die auf Gängigkeit zu prüfen waren. Düsennadeln liessen sich höher und tiefer hängen, Gaszüge aushängen. Ein Choke war immer dabei, Drosselklappen kamen erst später hinzu. Je nach Vergasertyp und Zugänglichkeit fischte man extrakurze Schraubendreher aus der Werkzeugkiste, oder extralange, um Gemisch und Leerlauf zu regulieren. Leute mit spezieller Kunstfertigkeit, die einen oder zwei Vergaser nach Gefühl perfekt abstimmen und einstellen konnten, galten als handwerkliche Künstler. Bei vier Vergasern hielten dann die Unterdruckuhren zur Synchronisation Einzug.

Fireblade-Vergaser

Was im Vergaser-Labyrinth passierte, war zwar geheimnisvoll, grenzte aber nicht an Zauberei. Nach dem ersten Zerlegen kapierte man das Wichtigste. Welcher Weg dem Sprit zugedacht war, wo die Luft herkam, und wo alles zusammen hinführte und wie wichtig im Gesamtsystem neben der Bedüsung außerdem Sauberkeit, dicht schließende Ansaugstutzen und das Luftfilterelement waren.

 

Gleichmäßiger Leerlauf, sauberes Ansprechen, satter Durchzug. Der richtige Vergaser brachte alles unter einen Hut. Speziell als die Einspritztechnik aufkam und noch in den Kinderschuhen steckten. Kamen »große Vergaser« ins Spiel oder auf den Anbetungsaltar, wusste sowieso jeder Bescheid. Später wurde es nur wenig komplizierter. Auch bei Flachschieber-Vergasern, Unterdruck-Vergasern und Fallstrom-Anordnung verlor man nicht gleich den Überblick.

CB500F

Ich habe mal eine CB 500 Four nach etlichen Jahren Standzeit restauriert. In den Schwimmerkammern fand sich eine ausgetrocknete Pampe, die sich als extrem hartnäckig erwies. Ich habe mir damals mit der Vergaser-Reinigungsflüssigkeit ME-2 von Yamaha geholfen (ein Mittel, dass es seit vielen Jahren nicht mehr gibt). Das Zeug funktionierte effizient, war aber teuer und ziemlich giftig.

Inzwischen haben sich elektronisch gesteuerte Kraftstoff-Einspritzanlagen auf breiter Front durchgesetzt. Aber natürlich gibt es im Motorrad­bestand noch jede Menge Vergaser-Motorräder – Veteranen, Youngtimer, wenige Jahre alte Modelle.

Motorex CARBURETOR_CLEANDazu erreichte uns nun eine Information von Motorex, dass es zwar schon länger »Carburetor Clean« in der Spraydose gibt, dieses Produkt nun aber auch in konzentrierter Form als Fluid wieder angeboten wird, und zwar in der 1-Liter-Blechdose. Die Begründung dazu liest sich so:

»Überlange Standzeiten können bei Maschinen mit Vergasern Probleme bewirken. Moderne Kraftstoffe haben viele leicht flüchtige Bestandteile, dass sie bei langen Standzeiten an Zündfähigkeit verlieren und zur Schlammbildung neigen. Dies führt zur Verunreinigung der Vergaser, zu Start­problemen, unrundem Motorlauf, und an eine korrekte Vergaser­abstimmung ist nicht zu denken. Eine aufwändige Vergaserreinigung mit kompletten Zerlegen steht an.«

»Für den Gebrauch kann der neue Vergaserreiniger im Verhältnis bis zu 1:4 mit Benzin verdünnt werden. In vielen Fällen reicht es bereits, die Schwimmerkammer mit dem verdünnten Reiniger zu befüllen und das Gemisch nach zwei Stunden Einwirkzeit wieder abzulassen – eine Zeitersparnis gerade für Werkstätten, die eingelagerte Kundenmotorräder zum Leben erwecken wollen. Nur in hartnäckigen Fällen muss der Vergaser zerlegt werden, um die Einzelteile im Reiniger über ein paar Stunden einzuweichen und hernach in Benzin zu waschen.«

Also: Wer ein Vergasermotorrad sein Eigen nennt und nach längerer Standzeit mit unrundem Motorlauf kämpft, weiss nun, welches Vergaserreinigungsmittel sich zur Abhilfe anbietet, wenn man nicht gleich eine Reinigung im Ultraschallbad als Alternative in Betracht ziehen möchte.

Bleibt noch die Preisfrage: Motorex Carburetor Clean (Konzentrat) in der 1-Liter-Dose kostet 39,80 Euro, in der 500-ml-Spraydose kostet der Vergaserreiniger (unkonzentriert) 12,95 Euro.

Fotos: Buenos Dias

 

 

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Gerhard Rudolph, fährt Honda CB 1300 und am liebsten Jethelm mit dunklem Visier.

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