4 H Mofarennen Ingelheim 2015

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Spektakel nach dem Start: Die Wilden und Schnellen, Rad an Rad.

Mit Pokal, hurra: Salatprynz, flankiert von Lothar und Sven Dönsdorf.

Wenn man aus dem Kinosaal kommt und alles super war, läuft der Film im Kopf noch eine Weile weiter, die guten Szenen, die witzigen Dialoge, die Musik, überhaupt die Story und die ganze Stimmung, was Dich schwärmen lässt von cineastischen Vergnügen, Popcorn, Eis und der händchenhaltenden Holden neben Dir; das alles verschmilzt dann zu etwas Positivem, was im Kopf abgeheftet wird unter »Ganz grosses Kino« oder so ähnlich.

Nun sitze ich hier vor der Tastatur und mir tut alles weh, was kein Wunder ist nach einem 4 H Mofarennen auf einem Stoppelacker, obwohl ich natürlich nicht alleine unterwegs war mit der roten Gasgriffsalat-Honda, sondern mit Freund Lothar und dessen Sohn Sven. Aber wenn ich den Kopf hebe, sehe ich auf dem Tisch den Pokal für Platz 2 in unserer Klasse und Rang 6 insgesamt und komme aus dem Giggeln nicht mehr heraus.

 

Das Fahren mit einem Rennmofa ist ein lustig-rasantes Abenteuer. Aber auch die Vorbereitung bereitete Vergnügen, in der unser Eisen nach mehreren Jahren Beinahe-Serien-Zustand schließlich aufgerüstet wurde: Mit 80 Kubik Zylinder und Kolben, Zombie-Vergaser und Haifisch-Membrane, Killer-Auspuff und Henker-Luftfilter. Dazu ein spezielles Hinterradgetriebe und eine neu abgestimmte Variomatik. Auch Elektrik und Kabelbaum wurden ausgedünnt, die elektronische Zündung funzte am Ende sogar ohne Batterie.

Das Rennen um den Preis der Rotweinstadt Ingelheim, organisiert vom MSC Selztal, fand zum 5. Mal statt, wir starteten in der Klasse 2, der Tuning-Klasse, in der dicke Zylinder und Aufbohren bis zu Chassisumbauten erlaubt waren. In Klasse 1 starteten 50er Mofas mit und ohne technische Modifikationen.

 

Insgesamt 28 Teams hatten genannt. Nach dem Zeittraining gingen wir von Startplatz 12 ins Rennen. Gestartet wurde nicht per Le Mans-Start, sondern das Feld wurde in Dreierreihen mit stehendem Start und laufenden Motoren auf die Reise geschickt.

Startfahrer Sven nistete sich nach den ersten Runden auf Platz 10 ein, danach verlor ich den Überblick. Es gab zwar eine Smartphone-App, aber mein Handy war zu Hause, und der Weg zum Zeitnahme-Bulli am anderen Ende der Strecke mit einem Fußmarsch verbunden. Als die Boxenstopps begannen, übernahm erst ich, gefolgt von Lothar. Unsere Stints dauerten jeweils 20 bis 30 Minuten. Getankt wurde nach jedem dritten Stopp, gleichzeitig wechselten wir den Luftfilter mit, weil es nach heissen Tagen zuvor sehr trocken und staubig war.

 

Wie unser Rennmofa sich anfühlt? Auf jeden Fall spaßig und sehr unterhaltsam. Das Fahrwerk ist eine Mischung aus Kaugummi und Kartoffelsalat. Das Federbein ist die orginale Luftpumpe, die Gabel (mit Feder und Fettfüllung) war seit 28 Jahren (die PX-R 50 ist Baujahr 1987) nicht auseinander. Immerhin hatten wir mittelgrobe Stollenreifen montiert und der Motor funktionierte super: Durchzug gut, Topleistung ordentlich, am Ende der längsten Geraden, die zwei hübsche Wellen aufwies, galt es schon die Pobacken zukneifen, um ohne Lupfen durchzuziehen.

 

Manche Teams schlugen je nach Technikstand und Mutpegel ein zackiges Tempo an, andere nahmen es gemütlicher, wir lagen irgendwo dazwischen. Jedenfalls fuhren wir unseren Stiefel. Sven wurde einmal umgerempelt, konnte aber gleich weiterfahren. So zogen wir zuverlässig unsere Runden, während manche Konkurrenten für Reparaturen und Stopps die Boxen anliefen.

Nach zweieinhalb Stunden sagte jemand »Ihr seid Fünfte«, und unsere Augen wurden immer grösser. Eine Weile später rangierten wir auf Platz Sieben, ins Ziel knatterte Lothar schließlich als Gesamt-Sechster ­– mit zerrissener Jeans nach einer Kollision mit einem Konkurrenten; aber auch das war nicht weiter dramatisch.

 

Für Platz 2 in unserer Klasse gab es einen Pokal, überreicht von der Bürgermeisterin, dazu eine Flasche »Ingelheimer Blauer Spätburgunder, trocken«. Groß war die Freude, und Spass hatten wir eh im Überfluss. Die Liste der Ausfälle, vor allem der schnellen Konkurrenten, war beeindruckend. Aber wie lautet so schön die Langstrecken-Binsenweisheit: »To finish first, you must first finish.«

Anschließend haben wir uns noch bei anderen Startern umgehört:

Start-Nr. 110, Honda PX-R, Green Frog Team, Jörn Dönsdorf/Ausfall:

IMG_9991Wollten den Vorjahressieg wiederholen, aber das Mischungsverhältnis hat nicht gestimmt, acht Zündkerzen nach anfänglicher Führung verbraucht, nach zwei Stunden war alles mit Öl verklebt, keine Leistung mehr, deshalb Aufgabe.

Start-Nr. 102, Zündapp CS 25, Lumpi Waldeck Team/Ausfall:

IMG_9857Nach dem Qualifying Zweite, dann festgestellt, dass die obere Gabelbrücke gerissen war, deshalb auf Rennstart verzichtet.

Start-Nr. 5, Honda Camino, Haiwheels Factory Racing/Dritter Gesamt und Dritter in Klasse 1.

IMG_9968Fahrer Mario Hartmann: »Wir haben den Originalzylinder bearbeitet, dazu über Umstellen der Zündung die Steuerzeiten verändert, Leistung geschätzt 3,5 PS. Mit eher kurzer Übersetzung ging es geradeaus nicht so toll, aber dafür aus den Ecken raus besser. Eine Stunde vor Schluss war der Luftfilter verstopft; wir haben dann aus Sicherheitsgründen den Motor getauscht. Hatten viel Spaß, klar.«

Start-Nr. 155, Honda PX50-R, Biker Office HSR Racing 

IMG_9899Teamchef Peter Ubl (mit Hut): »Ausfall nach 1 Stunde 50 Minuten, nachdem uns einer den Luftfilter abgefahren hat, und wir es erst drei Runden später bemerkt haben. Der Kolben ist jetzt im Himmel. Aber schnell war die Honda. Die Gabel war von einer NSR125, der Motor war mit Piaggio-Leistungsteilen getunt und auf Gebläsekühlung umgebaut.«

Start-Nr. 109 + Nr. 17, Honda PX-R, Pauly Racing Team 1 + 2 

IMG_9915Teamchef Heinz-Peter Pauly: »Haben am Tuningbike einen Aluzylinder mit 70 Kubik verbaut, dazu einen 19er Vergaser, die Variomatik modifiziert, anderes Federbein und die Schwinge 10 cm verlängert; dazu Lenkererhöhung, anderer Tank plus Sitzbank. Das Rennen war gut, bis das Getriebe geplatzt ist nach eindreiviertel Stunde. Zahnräder gefressen, Loch im Gehäuse, Feierabend«.

IMG_0080»An der Nr. 17, eine Serien-PX-Honda, wurden Vergaser und Auspuff geändert. Damit sind wir durchgefahren auf Platz 6 in der Klasse. Drauf sassen zwei Junge, die erst vor 10 Tagen Mofafahren gelernt haben, das hier war ihre Feuertaufe. Nichts kaputt gemacht, nicht hingeflogen, das haben beide gut gemacht. Wir sind ein Familienteam, das hier ist für uns Urlaubsersatz und einfach ein großer Spass.«

Start-Nr. 104, Hercules Prima 5 S/BJ 1983, No Limits Racing

IMG_0221Teamchef und Fahrer Stefan Koplin: »Wir fahren in Klasse 2, haben viermal den Auspuff verloren und mehrfach schweissen lassen. Dazu hatten wir Stürze, ein abgebrochenes Federbein wurde mit Spannriemen wieder befestigt. Wir sind aber im Ziel und noch Neunte in der Klasse geworden, Gesamt 21.  Ich habe gestern noch die Kurbelwelle gewechselt, nachdem dass das Lager auf der Polradseite ausgeschlagen war. Das war eine lange Nacht. Im Rennen gab´s noch ein Kupplungsproblem, ich hatte keinen Vortrieb. Angreifen war so nicht wirklich möglich.«

Start-Nr. Nr. 115 / Hercules mit Eigenbau-Schwinge

IMG_9947Teamchef Thomas Palmer: »Wir fahren mit 80 Kubik plus Motorsägenvergaser (ohne Schwimmerkammer, was unerwünschtes Kraftstoffaufschäumen durch Vibrationen unterbinden soll). Es gab Probleme mit der Kette, der Auspuff ist abgefallen, dazu ist eine Motorhalterung gebrochen, das wurde mit Tüddeldraht hochgebunden. Wir sind nur auf Platz 17 gelandet, haben aber die schnellste Rennrunde geschafft. Das gibt Motivation für´s nächste Mal.«

Start-Nr. 101, Lalo Schoppepetzer-Team, Hercules GT, Zündung und Vergaser modifiziert.

IMG_0061Fahrer Niklas Leißner: »Im Rennen haben wir mehrmals den Auspuff verloren, dazu den Kupplungszug repariert und sind Dritte in Klasse 2 geworden. Schon okay.«

Start-Nr. 3, KTM Bora, bis auf Auspuff, Vergaser und Kotflügel serienmäßig.

IMG_0129Alexander Laufersweiler: »Eigentlich ist es gut gelaufen, nur die Gabel hat immer wieder blockiert, dazu ist einmal am Vorderrad und hinten der Schlauch gerissen. Warum ein Versicherungskennzeichen montiert ist? Damit man auch legal mal eine Probefahrt auf der Straße machen kann.«

Start-Nr. 1, RK Racing, KTM Bora mit 3 Gang Handschaltung

IMG_9944Fahrer Daniel Koch: »Wir fahren einen selbstgeschweißten Hecktank, um die Sitzposition zu optimieren. Das Bike hat gehalten bis zum Ende. Nur die Kontaktzündung musste neu eingestellt werden, das war alles. Wir haben die Gesamtwertung gewonnen, dazu unsere Klasse 1 und sind happy.«

Start-Nr. 9, Honda Camino mit 75 Kubik, Team Geschäftsreise

IMG_9950Fahrer Björn Noll: »Wir sind das zweite Mal mitgefahren und haben uns um drei Plätze auf jetzt Rang 22 verbessert; trotz zahlreicher Pannen, die aber alle behoben wurden. Die Kupplung hat nicht funktioniert, die Bremse ist ausgefallen und der Gaszug gerissen; dazu ist die Kette übergesprungen. Aber wir hatten Spaß. Darum geht´s doch. Wir hatten zwei Mechaniker dabei, eine Basisstation mit Essen und Trinken; es hat alles gepasst und war schön.«

Fotos: Buenos Dias

 

 

 

 

 

 

 

 

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Gerhard Rudolph, fährt Honda CB 1300 und am liebsten Jethelm mit dunklem Visier.

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