CB1300 Jahrestreffen Tonenburg

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Bunte Bikes am Burghof: CB1300-Treffen auf der Tonenburg bei Höxter.

Das Kürzel ISFT steht für »Internationales Super Four Treffen«, was im CB1300-Forum mal erfunden wurde, weil es für ein jährliches Meeting einfach dramatischer klang, aber tatsächlich läuft alles ganz normal ab. Heuer fanden an die 54 Bikes und 79 Leute zur Tonenburg bei Höxter, um das zu machen, was bei Treffen eben gemacht wird: quasseln, fahren, quasseln, fahren, zwischendurch Nahrung zuführen und Getränke einfüllen, das Ganze über mehrere Tage, weil Hin- und Zurückfahren muss man natürlich auch.

Ich stopfte meine 13 nicht in den Salatbus, wie bei der regenbedrohten Frankeninvasion im Mai, sondern packte mein Zeug auf und brachte die radarfallengespickte Anfahrt durch Hessen bei affenartiger Hitze hinter mich so gut es halt ging. Ich kam später an als geplant, bekam am Büfett aber noch zu essen, der Koch füllte extranett nochmal auf, und als ich vor lauter Quasseln endlich dazu kam, mein Zelt auf der Wiese nebenan aufzubauen, war es längst dunkel.

 

Die Tonenburg ist ein Bikertreff auf einem historisch wertvollen Areal, einer mittelalterlichen Burganlage. Für die Übernachtung stehen in Nebengebäuden jede Menge Zimmer zur Verfügung, ein Angebot, das die meisten dankbar annahmen. In der Nacht kam ein Gewitter runter, es krachte und donnerte ordentlich, aber da mein Haus aus Stoff dicht ist und der Schlafsack gemütlich, döste ich einfach weiter, bis alles vorbei war und träumte den kommenden Kurven des Weserberglandes friedlich entgegen.

Am nächsten Tag fanden sich nach dem Frühstück diverse Gruppen zur Tagesausfahrt zusammen. Dafür galt es sich vorher auf Listen einzutragen. Im Prinzip läuft immer alles auf drei Fahrstile hinaus: »Zügig«, »mittel« oder »normal«, und die »Blümchenpflücker«. Am Ende fanden etwa zehn Gruppen in überschaubaren Größen zusammen, was immer gut ist für die Fahrdynamik.

 

Auf drei Viertel des Areals parkten dicke Vierzylinder-Hondas, den Rest stellten andere Flügeltiere und Fremdfabrikate: FJR, XJR, Super-Ténéré, Varadero, CBF1000 und Seven-Fifty, Suzuki B-King, Ducati-Diavel, Kühe, Z-Kawa, KTM Adventure. Diese Vielfalt ist nicht ungewöhnlich im CB1300-Forum, in dem die Leute in erster Linie den relaxt friedfertigen Umgang miteinander schätzen und auch bei der Stange bleiben, wenn der Umstieg auf etwas anderes erfolgt, weil Honda dieses Bike ja nicht mehr verkauft.

Die weiteste Anfahrt hatte Franz aus der Schweiz, der seit frühen Bol d´Or-Zeiten Honda fährt, heute gleich zwei 1300er sein Eigen nennt, eine mit 70.000 und eine mit 140.000 km auf der Uhr, eigentlich kaum ein Treffen auslässt und meist über Landstraßen an- und abreist.

 

Der Weiseste war Burkhart, inzwischen 75 Jahre jung, der nach vielen V4-Jahren seine CB schätzt und selbstverständlich (wie die meisten) den orginalen Thermoskannen-Auspuff gegen was Hübscheres mit melodiöserem Sound getauscht hat.

Jüngster Teilnehmer war die 8-jährige Lara, deren Mutter Sandra nach ein paar Jahren Pause wieder eine 13 lenkt und zu jener Sorte Rabeneltern gehört, die der Tochter das Mitfahren noch schmackhafter macht als ohnehin schon und an der Tanke Eis oder Milchreis spendiert.

 

Auch ein Vierbeiner war mit von der Partie: Dackel Ronnie reiste bei Herrchen »det« wie gewohnt im Tankrucksack auf der CB1300 an, den Kopf im Fahrtwind und die Augen hinter einer Brille geschützt; Forums-Mitglieder kennen das seit Jahren.

Meine Gruppe umfasste Guide Stefan, Burgi und Harald und meine Wenigkeit, später stiess »Römer« mit seiner Varadero noch dazu. Zusammen zersägten wir lustvoll das kurvenreiche Weserbergland in appetitliche Happen, unterbrochen von Zwischenstopps für Kaffee, Mittagessen, Kuchen und Eis.

 

Das Mittagessen ging im »Saloon« in Lauenförde über die Bühne, eine Lounge mit Grill am Weserufer, in der sandiger Boden und locker hingestreute Sitzgruppen für chillige Strandatmosphäre sorgen. Zum Nachmittags-Stopp kehrten wir in einer Lokalität neben einer Gierseil-Fähre ein, die ohne Motorkraft, lediglich quer angestellt und durch die Strömung angetrieben von einem Weser-Ufer zum anderen fährt.

Am späten Nachmittag kehrten wir zum Treff-Ausgangspunkt zurück, um mit allen anderen ein Spanferkel und allerlei Köstlichkeiten zu vertilgen, die die Tonenburg-Wirtsleute Pete und Gesine mitsamt ihrem Team auftischten.

 

Wie immer, wenn etwas wirklich gut organsiert ist oder geschmeidig klappt, merkt man davon eigentlich nichts, sondern behält lediglich tausend Kurven in toller Landschaft, kulinarische Köstlichkeiten, schöne Momente und gute Gespräche in Erinnerung.

Als sich am letzten Tage wieder alle in alle Winde zerstreuten, stand Ralph aka »Zausel«, der das Jahrestreffen nicht zum ersten Mal organisiert hatte (»…ach, ich habe doch nur ein bißchen koordiniert…«) mit einer Flügel-Flagge an der Ausfahrt des Areals und wünschte den Abfahrenden grinsend eine gute Heimfahrt. Das scheint geklappt zu haben: Wieder einmal endete ein ISFT ohne Ausfälle oder Überraschungen – alle erreichten sicher und happy ihr Zuhause.

 

Fotos: Buenos Dias

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Gerhard Rudolph, fährt Honda CB 1300 und am liebsten Jethelm mit dunklem Visier.

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