Bimota DB5R – Liebe auf Rädern

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RK-Racing in Butzbach: Rainer Kopp und seine Bimota DB5R.

Jede Bimota ist edel und ein Schmuckstück. Aber die DB5R ist noch einen Tacken drüber. Ein Kunstwerk bis ins Detail, Liebe auf Rädern. Die bildschöne Maschine, die vollverkleidet ist, aber trotzdem den Blick auf die Mechanik zulässt, wurde nur ein Jahr gebaut, 2006. Sie ist mit Öhlins-Gabel und Federbein ausgerüstet, hat den luftgekühlten 1100er Ducati-Zweiventil-Motor, ausgestattet mit Anti-Hopping-Kupplung, dazu Magnesium-Räder und ein Zard-Abgassystem, das nach oben steigt mit zwei Schalldämpfern. Der Rahmen ist eine aufwändige Kombi aus Gitterrohrrahmen und Aluminium-Frästeilen.

Rainer Kopp aus Butzbach in Hessen ist vieles: Er betreibt eine Werkstatt (www.rk-racing.de), ist Motorrad- und Rollerhändler, war viele Jahre als Rennfahrer unterwegs und ist deshalb in der Szene bekannt wie ein bunter Hund, nicht zuletzt auch wegen seiner erstaunliche Qualitäten als Alleinunterhalter und weil er diverse Umbauten durchgezogen hat. Vor allem aber ist er ein glühender Motorrad-Enthusiast; und wenn ihn, was ab und zu vorkommen kann, wieder mal ein Projekt übermannt, ist meist irgendeine Diva aus Bologna im Spiel.

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Genial: Design für die Ewigkeit.

Rainer hat die DB5R noch nicht lange, aber ihm geht das Herz über, wenn man ihn danach befragt. »Mein Pech war, dass ich Benny Wilbers kenne, der nach einem Jahr Bimota-Import aufgehört und seinen Bestand aufgelöst hat. Als das Angebot hereinflatterte, dass er an alle Händler schickte, und ich gesehen habe, das eine DB5R dabei war, wie ich immer eine haben wollte, war ich auf den ersten Blick verliebt. Mein Problem ist, dass ich mit Motorrädern eine emotionale Beziehung eingehe. Ursprünglich wollte ich sie holen, alles Notwendige richten und wieder verkaufen. Genau das ist passiert, aber ich kann und will mich davon nicht trennen, jedenfalls jetzt noch nicht.«

»Die Vorbesitzerin war im Straßenbetrieb 6.000 km gefahren. Das Ganze sah aus wie Grütze, ich habe erstmal gründlich geputzt, das hat ja ausgesehen wie das Handschuhfach im Frauenauto. Außerdem hat der Motor geruckelt und gezuckt, mit dem Kat stimmte etwas nicht und der Luftfilter steckte halb im Ansaugtrichter. Also habe ich eine große Inspektion gemacht, auch die Gabel war undicht und das Federbein musste komplett überholt werden. Als alles gerichtet war, bin ich durch den Vogelsberg gefahren. Das läuft jetzt perfekt wie eine Nähmaschine. Und reisst an wie Schrottplatzköter. Weil das wiegt ja nix; um 170 Kilo mit dreiviertel Tank voll. Das Fahrwerk ist echt große Klasse, fährt sich leicht und wendig. Macht jedenfalls einen Riesenspass.«

»Das Öhlins-Zeug ist ein Traum. Es gibt hier diese enge Bergab-Rechtskurve mit brüchigem Asphalt, da ist jedes Motorrad über die Gabel problematisch. Alle eiern da herum, bleiben fast stehen. Ich bin mit der DB5R drüber gefahren, das schluckte einfach alles weg, es war nix zu merken.«

»Der Motor leistet 95 PS bei 9.600 Touren, aber man schaltet bei 6 bis 7 Tausend und reitet flockig auf der Drehmomentwelle dahin. Wie das läuft, tönt und am Gas hängt, das ist sowas von genial. Und diese gefrästen Alu-Teile, überall sind Bimota-Logos drin. Alles ist fein und schön, nur die Carbonteile sind pseudo, das ist nicht wirklich leicht, sondern sieht nur so aus. Die Verkleidung ist stellenweise richtig dick. Dafür ist der Tank komplett aus Kunststoff gefertigt.«

»Behalten oder weiter verkaufen? Ich weiss nicht. Das ist jetzt mein Lieblingsmoped. Wenn man auf so etwas abfährt, hat das Ding schon gewonnen. Die DB5R hat neu 26.500 Euro gekostet. Wieviel gebaut wurden, weiss nicht mal Bimota selbst. Geschätzt vielleicht zwischen 50 und 100 Stück, mehr auf keinen Fall. Wie viel ich dafür verlangen würde? Ab 14.000 Euro werde ich wohl nachdenklich, ob ich sie hergeben soll. Aber ich bin noch nicht so weit, mich trennen zu können. Echt nicht.«

Fotos: Buenos Dias

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Gerhard Rudolph, fährt Honda CB 1300 und am liebsten Jethelm mit dunklem Visier.

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