Shortstory: Voodoo in Kürbishausen

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Vor geraumer Zeit fuhr ich zu KTM. Nach ein paar hundert Landstrassen-Kilometern mit meiner Honda war es dunkel, als ich endlich ankam. Kurz vor dem Ziel, als ich durch den Stadtkern von Mattighofen rollte, ging einer der Microflooter-Zusatzscheinwerfer aus, die ich nachträglich auf dem Wasserkühler montiert habe. Rechts brannte, links war dunkel. Nanu? Ich stieg ab und wackelte am Kabel. Ohne Erfolg. Na ja, dachte ich, ist halt die H3-Birne durchgebrannt; kann passieren, nach ein paar Jahren Gebrauch, auch wenn die Dinger eigentlich eher selten angeknipst werden.

Honda Cb1300/light onAm nächsten Tag im Werk lief ich wie geplant irgendeiner Geschichte hinterher, und natürlich verpasste man mir dabei die übliche orange Injektion. Ich meine, es ist unmöglich, KTM zu besuchen und nicht angefixt zu werden. Egal um was es geht, alle Leute sind auf wundersame Weise engagiert, begeistert und hilfsbereit. Und die Motorräder, die dort vom Band purzeln, sind durch die Bank klasse gemacht und schrauben Dir mühelos alle Sicherungen raus. Ich habe schon einige ausprobiert; würde ich jetzt von Dynamik und Fahrspaß anfangen, käme ich schon ins Schwärmen.

Jedenfalls schaute meine CB am Besucherparkplatz schon ein wenig irritiert, als ich am späten Nachmittag endlich zurückkehrte, um den Nachhauseweg in Angriff zu nehmen. »Keine Sorge«, flötete ich, »wenn eine KTM bei uns in die Garage fährt, dann nur als Testmaschine – oder allerhöchstens als Zweitbike. Du bleibst bis zum jüngsten Tag.«

Kürbi-feld_xEine Stunde hinter der Grenze, Höhe München, wurde es bereits dunkel und ich legte eine Pause ein. Mehr aus Reflex schaltete ich probeweise die Zusatzscheinwerfer an. Und siehe da: Das scheinbar durchgebrannte Leuchtmittel funzte wieder ganz normal. Ich wusste sofort, dass meine Honda, die treue Seele, keine miesen Tricks abzieht. Auch ein Wackelkontakt kam nicht in Frage. Nein, es war sonnenklar, diese Nummer ging auf das Konto irgendwelcher verwunschenen Geister, die in und um Mattighofen ihr Unwesen treiben und sich unbelehrbare Fremdfabrikatfahrer vorknöpfen. Oranger Voodoo, quasi.

Fotos: Buenos Dias

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Gerhard Rudolph, fährt Honda CB 1300 und am liebsten Jethelm mit dunklem Visier.

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