RIP Christoph Driesen

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CD und die Multipla-Rückleuchten: Auf SV1000-Testfahrt, Marbella 2003.

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Die email kam heute aus dem Nitschke-Verlag: »Christoph Driesen ist letzte Woche verstorben. Wir sind alle sehr traurig.« Es war bereits eine Weile klar, dass es keinen Ausweg geben würde. Und dennoch. Verdammt.

Christoph konnte alles, Straße wie Offroad und war lange Jahre Redakteur beim Motorradfahrer und beim Tourenfahrer. Ein verflucht guter Schreiber, routiniert, gelassen, immer verschmitzt. Professionalität hin oder her, alle in der Motorrad-Szene, die ich kenne, machen ihren Job gerne – er war da keine Ausnahme. Schließlich geht es um Motorräder, nicht um Badezimmerfliesen oder Tiefkühltruhen.

Ich erinnere mich besonders an eine Fahrpräsentation in Spanien. Die neue SV1000 in Marbella. Ich fotografierte für Suzuki die deutsche Tester-Abordnung, fuhr mit einem Fiat Multipla vorne weg. In einer ziemlich schnellen Kurve erspähte ich weiter vorne eine mögliche Fotostelle und eine Bucht zum anhalten.

Ich tippte extrasachte das Bremspedal an, weil hinten folgte ja die Gruppe, mit Driesen als Erstem. Nun hatte der Multipla ziemlich überdimensionale Rücklichter. Vielleicht waren Christophs Gedanken somehow über den Wolken oder er blickte sonstwohin; als er nach vorne schaute, sah er nur diese RIESIGEN Multipla-Rückleuchten rotleuchtend vor sich, griff mit vollem Alarm in die ABS-lose Bremse vorn und ging augenblicklich zu Boden. Er rutschte und rutschte hinter mir her. Ich sah alles im Rückspiegel und gab extra noch Gas, damit die scheppernd dahinkratzende Suzi und er mir nicht ins Heck rutschten.

Die silberne SV war abgeraspelt, Christoph hatte beide Unterarme ordentlich aufgeschürft, weil das Leder zwei oder drei Nummern zu groß war und es die Ärmel beim Rutschen nach oben gezogen hatte. Wieso er sich Klamotten aus der Kleiderkammer geholt hatte, die eigentlich nicht optimal passten? Weil sie farblich mit der Maschine harmonierten – ganz einfach.

Irgendwie schafften wir es bis zur nächsten Zwischenstation der empfohlenen Strecke, dort wurden beide Arme verbunden, der italienische Suzuki-Doktor verabreichte ein paar Zauberpillen, gab ihm ein freundliches »In-ä oann-ä wiik yuu-e cän livv ä normell laiffe ägähn« mit auf den Weg. Gute Güte, was haben wir an dem Tag und später über die ganze Aktion und diesen Spruch noch gelacht.

Die Suzuki-Leute rückten ein anderes Motorrad raus und natürlich fuhr Christoph weiter und machte seinen Tester-Job. Wenn weiße Seiten gefüllt werden wollen, wird durchgehalten und eisern weiter gemacht, was denn sonst? Nur beim Essen später musste man ihm helfen, das Fleisch in Stücke zu schneiden, was mit den lädierten Armen irgendwie nicht mehr ging aus eigener Kraft. RIP Christoph

Fotos: Buenos Dias

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Gerhard Rudolph, fährt Honda CB 1300 und am liebsten Jethelm mit dunklem Visier.

1 Kommentar

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    Eine lustige Geschichte mit der Kombi. :0) Ich erinnere mich, wie er mit verbundenen Armen von der Präsentation zurück kam. Über den Spruch des Docs vor Ort haben alle gerne gelacht.
    Wir vermissen Christoph!!!!

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