Ein Stück Suzuki RG500 Historie

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Wer vom 17. bis 25. November 2018 noch nichts vor hat, könnte einen Besuch bei der Motor Cycle Live Show in Birmingham (NEC) ins Auge fassen. Erstens, weil Messen immer interessant sind und zweitens, weil die Classic-Abteilung mit dem Vintage Parts Programm von Suzuki GB wieder einmal eine besondere Aktion serviert. Am Messestand wird vor Publikum eine 500er GP-Maschine von 1973/74 restauriert, und zwar eine G54.

G54 ist die kaum bekannte Bezeichnung für eine spätere Halbliter-Square-Four, also quasi der erste Prototyp oder Vorläufer der RG500-Werksmaschinen und späteren Production Racer.

G54, so lautete die geheimnisvolle Bezeichnung für die erste 500er Square-Four-Suzuki 1973.

Das Konzept zur G54 wurde im Mai 1973 ausgebrütet, fünf Jahre nachdem sich Suzuki aus dem GP-Sport zurückgezogen hatte. Die Japaner waren in den kleineren 50er, 125er und 250er Klassen unterwegs. Als man sich zur Rückkehr entschied, sollte es aber bei den Big Boys in der 500er Klasse, vorwärts gehen.

Für die Modellbezeichnung ist ein Sakeglas voll Phantasie gefordert. Das G soll angeblich als Kürzel für GP stehen. Und 54 für das Jahr 1974. Das muss man jetzt nicht unbedingt verstehen, auch wenn es vom Classic Suzuki Team in einer Media-Info so erläutert wird.

Jedenfalls hießen die Köpfe hinter dem neuen Projekt Makoto Hase und Makoto Suzuki, die zuvor bereits die Modelle GT 250, GT 500 und GT 750 zu den Rennmaschinen TR250, TR500 und TR750 umgestrickt hatten. Gleichzeitig wurden die Techniker und Mechaniker reaktiviert, die zuvor an den Suzuki-GP-Racebikes der Frühzeit arbeiteten – also an 50er Twins und Triples, 125er Twins und sogar V4, plus an einem 250er Square Four-Juwel.

Gut zu sehen, der Rahmen ohne Unterzug. Barry Sheene probierte die G54 im November 1973 aus.

Barry Sheene testete das neue 500er Bike erstmals im November 1973, dass kurioserweise einen unten offenen Rohrrahmen aufwies (ohne Schleife unter dem Motor), um Gewicht zu sparen. Beim ersten Grand Prix 1974 im April in Clermont-Ferrand erreichte Sheene zwar Platz 2, ab Juni erhielt der Square Four-Renner dann aber einen kompletten Doppelschleifen-Rohrrahmen. Sheene, Paul Smart und Jack Findlay steuerten damals die Square-Four-Renn-Suzis, die in der Öffentlichkeit eigentlich immer RG 500 genannt wurden, oder nach dem Werks-Kürzel XR14.

Herrlicher 500er Square-Four. Gut zu sehen: Provisorisch verstrebter Rahmen-Oberzug. Rechts Paul Smart.

Barry Sheene brauste mit Suzukis RG 500 1976 und 1977 zum Halbliter-WM-Titel und katapultierte sich zum Weltstar.

1976 folgten die käuflichen Production Renner der RG 500. Die Bikes wurden im GP-Sport und auch in nationalen Meisterschaften eingesetzt. Wenn ich mich recht erinnere, kreuzte Günther Höhl beim DM-Lauf in Kassel-Calden 1977 erstmals in Deutschland mit der bärenstarken Square Four-Granate auf.

Die superseltene G54 also wird an den Messetagen in Birmingham nun in aller Öffentlichkeit restauriert und erstmals am 19. November angestartet. Das ganze Start-up-Prozedere wird dann ein zweites Mal am 25. November zelebriert. Wer sich das anschauen will: Es gibt also zwei Gelegenheiten, dem historisch wertvollen Zweitakt-Happening beizuwohnen.

Restauration und Wiederaufbau werden von Nigel Everett durchgeführt, der als GP-Techniker in den 70er und 80er Jahren für Stars wie Sheene, Mick Grant, Kevin Schwantz, James Whitham, Roger Marshall, and John Reynolds gearbeitet hat, später dann in der Superbike-WM (1995 bis 1997).  Ebenfalls vor Ort aufkreuzen werden Suzuki-Technikus Martyn Ogborne und Ex-Pilot Paul Smart.

Suzukis G54, aus der später die legendäre RG 500 wurde.

Fotos: Suzuki

 

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Gerhard Rudolph, fährt Honda CB 1300 und am liebsten Jethelm mit dunklem Visier.

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