Jubiläum: 50 Jahre Honda CB 750, Teil 1

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Das Foto des Ausstellungsstücks der Tokio Motor Show ist fast ein Finde-den-Fehler-Suchspiel: Zum späteren Serienanlauf wurden das rundliche Emblem auf dem Seitendeckel, die Aufnahme der Scheibenbremse, die Auspuff-Hitzeschilder und etliche Details an Sitzbank, Krümmerverlauf, Motordeckeln, Gabelbrücke und den Seitenkästen-Lufteinlässen noch geändert. Aber der grundsätzlich große Wurf der CB 750 Four stand.

Heute vor 50 Jahren stellte Honda die damals sensationelle CB 750 Four auf der Internationalen Tokio Motor Show vor, die am 26.10.1968 eröffnete. Auch wenn der Verkauf erst Mitte 1969 startete, ist heute also der historisch wertvolle Geburtstag dieser Maschine, die die Motorradwelt und den Lauf der Dinge wohl mehr beeinflusst hat als jede andere.

Die Honda CB 750 Four stellte alles auf den Kopf, war Donner und Doria und Maximum und Nonplusultra in einem: Quer eingebauter, luftgekühlter Vierzylinder mit 736 Kubik, 67 PS Leistung bei 8.000 Touren, 200 km/h Spitze, Beschleunigung von 0 auf 100 km/h unter 6 Sekunden, 5-Gang-Getriebe, hydraulische Scheibenbremse, Elektrostarter, vier Auspuffrohre, vier Vergaser, göttliche Optik und eine Ausstrahlung, die jeden elektrisierte, der sich für Motorräder interessierte oder sich deshalb dafür zu interessieren begann.

Das große Staunen: Weltpremiere auf der Tokio Motor Show am 26.10.1968.

Honda hatte seit 1965 die zweizylindrige CB 450 im Programm, die sich am für hubraumstarke Bikes wichtigen US-Markt nicht wirklich durchsetzen konnte gegen die Twins aus England und die Eisen aus Milwaukee. Also forderten die Leute von American Honda von der japanischen Mutter-Company eine Maschine mit mehr Hubraum, the bigger the better.

So sah 1965 die Honda CB450 (Kosename »Black Bomber«) noch aus. Um so riesiger ist der Designfortschritt zur CB 750 Four einzuordnen, gesamthaft wie in vielen Details.

650 Kubik Hubraum galten weithin als natürliche Obergrenze. Dann kamen zwei Dinge zusammen: Soichiro Honda kehrte erleuchtet von Reisen aus Amerika und Europa zurück, mit der Erkenntnis, dass die Menschen dort sichtlich größer und kräftiger waren als durchschnittliche Japaner. Also auch körperlich imstande sein sollten, schwerere Motorräder überhaupt zu beherrschen. Dazu sickerte aus England durch, dass dort ein 750er High-Perf-Dreizylinder in der Entwicklungs-Pipeline steckte.

Atemberaubende Technik, auch optisch ein Knaller: die serienreife erste CB 750 Four mit eckigem Seitendeckel.

Also beschloss Honda, ein Big-Bike aufzulegen, dass alles Bisherige den Schatten stellt und konzipierte eine 750er Vierzylinder-Maschine. Das Know-how für die Multi-Zylindertechnik wurde aus dem jahrelangen GP-Engagement mit hochdrehenden Twins, Fours, Fives und Sixes geschöpft. Im Oktober 1967 stand das grobe Konzept der 750er Four, im Februar 1968 wurde das Projekt offiziell durchgestartet, das Entwicklerteam umfasste 20 Personen. Yoshiro Harada hiess der Projektleiter, der zuständige Designer Hitoshi Ikeda.

Honda war bereits der größte Motorradhersteller der Welt. Die Konkurrenten am Big-Bike-Markt hiessen Triumph, BSA, BMW und Harley. Was Honda vorschwebte, sollte mehr Leistung haben und besser und zuverlässiger funktionieren als alles bisherige. Die Maschine musste neue Maßstäbe setzen, aufregend und faszinierend sein, technisch, optisch und überhaupt. Vier Zylinder und vier Auspuffrohre waren rasch festgeschrieben, weil es dergleichen sonst nirgendwo gab und man natürlich ahnte, dass vor allem die Amis darauf voll abfahren würden; das Bike sollte dazu High-Performance, Prestige, Zuverlässigkeit und Komfort vereinen, auch qualitativ überzeugen, und über längere Strecken mühelos ein Tempo von 140 bis 160 km/h durchhalten können.

Brüller: Tacho und Drehzahlmesser mit schräg angestellten, transluziden Covern.

Bis kurz vor der Messe standen eine übliche Duplex-Trommelbremse oder die komplett neuartige Scheibenbremse zur Diskussion, deren Produktion in größeren Stückzahlen für den geplanten Serienanlauf noch nicht gesichert war. Natürlich entschied sich Honda am Ende für die modernere Technik. Die CB 750 Four debütierte darauf als erste Großserien-Maschine mit einer Scheibenbremse im Vorderrad.

Im Januar 1969 wurde die CB 750 Four in Amerika vorgestellt, von Soichiro Honda persönlich, in Las Vegas auf einer Händlertagung, vor 2.000 Dealern, die vor Begeisterung schier ausflippten. Tumulte und donnernder Applaus brachen aus, als der Preis von 1.495 Dollar verkündet wurde. Big-Bikes der Konkurrenz kosteten damals 2.800 bis 4.000 Dollar. Honda wurde förmlich überschwemmt mit Kaufanträgen, worauf die Produktion überhaupt nicht ausgelegt war. Folglich konnten die US-Dealer die ersten lieferbaren Vierzylinder mit einem Aufschlag zu Preisen zwischen 1.800 und 2000 Dollar an den Mann bringen.

Vierzylinder-Urknall: Mit einer Architektur zum Niederknien und gegen alle Erwartungen zuverlässig.

Honda war als Massenhersteller beachtliche Stückzahlen längst gewohnt. Dennoch waren die Erwartungen für die CB 750 Four eher tief angesetzt. Woher sollte man auch wissen, dass dieses Ding aus Stahl, Aluminium, Gummi und Chrom ein Weltwunder auf zwei Rädern werden sollte, eine gänzlich neue Dimension.

Ursprünglich geplant war, pro Tag fünf Maschinen zu fertigen, was auf eine ungefähre Jahresfertigung von 1.500 Bikes hinausgelaufen wäre. Als die Nachfrage alle Erwartungen übertraf, hat Honda sich dann gewaltig angestrengt, die Produktion hochzufahren, erst auf 25 Maschinen täglich und dann auf 100 pro Tag. 1969 wurde zuerst der US-Markt beliefert.

Technische Daten gefällig? Bitte sehr.

Wie es weiter geht mit der Produktion der CB 750 in Japan, die Umstellung von Sand- auf Kokillenguss beim Motorgehäuse, wie die Auslieferung in Deutschland anlief in der Erinnerung von Verkaufsleiter Wolfgang Murrmann, die ersten Sporterfolge in Suzuka, in Daytona und beim Bol d´Or, woran sich Designer Ikeda beim Blick in den Rückspiegel erinnert und vieles mehr zur CB 750-Historie wird in einer mehrteiligen CB 750-Fortsetzungserie auf www.gasgriffsalat.com nach und nach erzählt. Teil 2 folgt in einer Woche, am Samstag den 3. November. Wieder reinklicken nicht vergessen.

Für heute bleibt nur noch der Glückwunsch: »Happy Birthday, Honda CB 750 Four«.

Bilderbuch-Ansicht: Honda CB 750, die zu Recht Legendenstatus geniesst.

Fotos: Honda

 

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Gerhard Rudolph, fährt Honda CB 1300 und am liebsten Jethelm mit dunklem Visier.

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