Ausprobiert: Michelin Road 5 Trail

0

Kranker Gripp für die Straße: Der neue Michelin Road 5 Trail für Großenduros und Adventure-Bikes.

Nachdem Michelin im Frühjahr den Road 5 für den Sport-Touringbereich auf den Markt brachte, folgt nun der Road 5 Trail für große Enduros und Adventure-Bikes in den entsprechenden Dimensionen mit 19 Zoll-Vorderrad und 17 Zoll-Hinterrad.. Zur Vorstellung lud Michelin nach Karlsruhe ein, in Kombination mit einer Testfahrt durch kurvenreiches Geläuf im deutschfranzösischen Grenzgebiet.

Meistverkaufte Großenduros sind bekanntlich BMW R 1200 GS und KTM´s Adventure-Bikes. Deshalb hat Michelin diese Gummis mit genau diesen Bikes entwickelt. Etliche Fahrer sind von Sportbikes oder leistungsstarken Nakeds auf die rustikalen Allrounder umgestiegen und erwarten auch bei den Reifen eine sportliche Performance. Aus diesem Grund wurde als Entwicklungsziel festgelegt, dass der neue Road 5 Trail nicht nur universell einsetzbar sein, sondern speziell auch bei sportlicher Fahrweise glänzen sollte, neben der bei Michelin üblichen guten Nässe-Performance.

Schwere Geschütze zur Auswahl.

Der Road 5 Trail ist ausschließlich auf Asphaltbetrieb ausgelegt, was die Angebotspalette für Großenduro-Fahrer sinnvoll aufspreizt auf Anakee 3, Anakee Wild und jetzt den Road 5 Trail, der auf den Road 4 Trail folgt.

Enduro-Palette aufgespreizt für Straßenfahrer, Alleswoller und Abenteurer.

Der Anakee 3 ist ein typischer Enduro-Reifen, der neben der Nutzung auf Asphalt auch Offroad-Einsätze ermöglicht. Mit etwas gröberem Profil und höheren Profilrillenanteil, für gute Traktion und ordentliche Selbstreinigung auf losem Untergrund. Die Pneus sind ausgelegt für hohe Stabilität, auch unter beladenem Zustand, sowie hohe Kilometerleistung. Also alles, was ein GS-Fahrer erwartet, wenn er weit wegfahren und große Touren in Angriff nehmen will; oder wenn viel zu Zweit und mit Gepäck gefahren wird.

Der grobstollige Anakee Wild stellt Kunden zufrieden, die häufig auf unbefestigtes Terrain abbiegen oder Fernreisen in Länder unternehmen, in denen auch unbefestigte Straßen befahren werden. Dafür gibt es ein Stollenprofil für gute Offroad-Performance und reichlich Traktion. Damit die Gummis auch bei Straßeneinsatz überzeugen, erlauben die Mischungen einen praxisgerechten Kompromiss punkto Nasshaftung und Verschleißverhalten.

Der neue Road 5 Trail wurde für leistungsstarke Enduros im Straßeneinsatz entwickelt. »Trail« ist in Frankreich die Bezeichnung für Enduros, dennoch sind die Pneu-Paarungen komplett auf Onroad-Performance ausgerichtet. Ausflüge über Feldwege gehören nicht zum Repertoire, auch Kilometerfressen steht nicht im Vordergrund. Dafür positioniert Michelin den Road 5 Trail als »Fahrspassreifen« mit sehr hohem Gripp, der seine Dickschifffahrer auf trockenen und nassen Straßen entzückt, dazu mit leichtem Handling und hoher Lenkpräzision. Der neue Gummi-Compound des Road 5 Trail soll laut Michelin sogar für noch mehr Gripp sorgen als beim Road 5.

Schlanker Fuß: Der 170er kommt auf der 4,5 Zoll Felge der GS effektiv auf 164mm Breite.

Das Profilbild ist identisch mit dem des Road 5. Die Lauffläche zeigt grobe, wie mit dem Vogelschnabel ausgehackte Profilaussparungen und dazu längliche Profilrillen, unter denen sich die evolutionären Lamellen (XST Evo) verbergen, die sich mit abnehmender Profiltiefe verbreitern, um die Wasserverdrängung und guten Regengripp aufrecht zu erhalten.

Der Road 5 Trail wartet mit unterschiedlichen Mischungen auf. In der Mitte verschleißfester und bremsstabiler, außen weicher für mehr Gripp in Schräglage. Vorne in 2CT mit Silica-angereicherten Gummimischungen und hinten in 2CT+. Das bedeutet eine in der Mitte härtere Silica-Gummimischung, die seitlich als Unterbau weitergeführt wird. Darüber kommt für die Flanken eine weichere und Rußgummi-verstärkte Mischung, die mehr Trockengripp mit höherer Verschleißfestigkeit kombiniert.

2CT steht hier nicht für das akademische »cum tempere«, gell?

Zur Erklärung: 2CT steht für ”Two Compound Technology“, diese Bauweise mit zwei Mischungen wurde bereits 2006 beim Pilot Power 2CT eingeführt. Beim Vorgänger Road 4 Trail waren Vorder- und Hinterrad in 2CT-Bauweise ausgeführt. Der weiter entwickelte Road 5 Trail bekam am Hinterrad die spezielle CT2+ Bauweise (wie bei Road 5 sowie Power RS) verpasst. Der Unterbau mit dem härteren Gummi für die weiche Mischung an den Flanken generiert mehr Stabilität im Schulterbereich, was der Trockenperformance zu Gute kommt, wenn maximaler Gripp gefragt ist.

Auch die Road 5 Trail-Varianten sind Nullgrad-Gürtelreifen, wobei als Gürtellage Aramid verwendet wird, das im Vergleich zu einem Stahlgeflecht stabiler und leichter, aber auch teurer ist. Die Karkasse unterscheidet sich zum Road 5 und wurde speziell für die großen KTM´s und die GS-BMW´s entwickelt und angepasst. Anders ist, dass der Unterbau beim Road 5 Trail seitlich nicht umgeschlagen und wieder hochgeführt wird, um der Seitenwand zur notwendigen Stabilität zu verhelfen, dafür werden andere konstruktive Tricks eingesetzt.

Die lieferbaren Größen des Michelin Road 5 Trail:

Die 110er/150er Combo ist bereits seit dem Frühjahr im Handel, die Entwicklung der 120/170er Paarung als ZR-Variante (zulässig für über 240 km/h) nahm mehr Zeit in Anspruch, diese Pneus sind seit August lieferbar.

KTM 1090 Adventure

Auf der Praxisrunde über abwechslungsreiche 236 km ging es zuerst über ein Stück Autobahn und dann zwischen dem Elsaß und der Pfalz über herrlich kurvenreiche Straßen mit Wäldern und viel Grün drumherum. Stationen waren Soultz-sous-Foret, Lembach, Schönau, Fischbach, Salzwoog, Lemberg, Eppenbrunn, sogar ein Paß, der Col de Pigeonnier, war mit dabei. Ich nenne die Namen dieser Orte und Passagen – die schönsten wurden gleich zweimal in beide Richtungen durchströmt – nur für den Fall, falls Sie einmal für einen Ausflug eine Gegend suchen, die nicht jeder kennt, aber beim Motorradfahren tierisch Vergnügen bereitet. Testmotorräder waren aktuelle BMW R 1200 GS, zwei BMW R 1200 GS Adventure, luftgekühlte GS 1200 GS, KTM 1290 Super Adventure, KTM 1090 Adventure, Triumph Tiger 800 XRT und Ducati Multistrada 950.

Unsere Gruppe umfasste 8 Tester, zwischendurch wurden immer wieder die Bikes getauscht. Als gemeinsamer Nenner für die Road 5 Trail-Gummis lässt sich festhalten: makelloser Geradeauslauf, müheloses Einlenken, geschmeidig-leichtfüßiges Handling, auch mit den ganz dicken Brummern, kein Aufstellen beim Reinbremsen, präzises Halten der Line beim Durchrollen wie beim Gasaufziehen und jede Menge Gripp.

Die üblichen Verdächtigen.

Gripp ist, wenn man sich wohlfühlt. Beim Einbiegen und überhaupt. Sich richtig anlehnen können und durchziehen, enge Kehren, Wechselkurven, schnelle Radien. Alles fällt leichter und macht mehr Spaß, wenn der Gripplevel hoch ist. Natürlich spielt auch der Asphalt immer mit hinein, ist er weniger griffig, lässt man manches lieber bleiben. Auffällig dazu, wie weich sich der Gummi beim Fühlen mit dem Fingernagel anfühlt, seitlich noch mehr als in der Mitte. Vielleicht war auch das mit ein Grund dafür, dass man beim Fahren das Gefühl nicht los wurde, dass der Reifen sich regelrecht mit dem Asphalt verzahnt. Jedenfalls lag das Grippgefühl immer hoch und entsprechend auch der Fahrspaßfaktor.

Mit den BMWs und den Telelever-Aufhängungen, die ja mehr entkoppeln als Vorderrad-Feeling vermitteln, liess sich zielgenau und voller Vertrauen um die Ecken bügeln. Es gab keine verhauten Linien, dafür sauberer Führung auf dem angepeilten Strich. Es gab auch kein Herumeiern auf Asphalt-Flickwerk oder Bitumen-Flicken, man bügelte einfach drüber.

Die große KTM hatte das mit dem guten Vorderradfeeling besser drauf und baute dazu derart kranken Gripp am Hinterrad auf, dass sogar ich beim sportlichen Beschleunigen aus Kurven ein gelupftes Vorderrad erlebte, worauf ich zuerst Michelin und auch mir selbst gratulierte.

KTM 1290 Super Adventure

Die 800er Triumph Tiger, die tiefergelegt war, liess sich dreizylindrig melodiös mit stoischer Ruhe um die Ecke bügeln, setzte dabei halt öfter mit den Fußrasten auf. Ein Kollege, ein grimmiger, mit Boxernase, befand entrüstet: »Das ist ja wie beim Chopperfahren«, wobei mir erst später dämmerte, dass man Gripp und Vertrauen in Schräglage so natürlich auch positiv umschreiben kann.

Der Road 5 Trail ist darauf ausgelegt, dass er vorne und hinten etwa gleich verschlissen ist, wenn 1,6 mm Restprofil erreicht sind. Dafür hat er recht unterschiedliche Profiltiefen im Neuzustand, hinten 6 mm in der Mitte und vorne knapp 4 mm. Die Kilometerlaufleistung liegt laut Michelin eher unter der des Anakee 3, weil es wie gesagt ein Fahrspaßreifen ist, der auf maximale Haftung im Trockenen wie im Nassen ausgelegt ist. Unter eher sportlichen Fahrern kann man von 5.000 bis 6.000 km Laufleistung ausgehen, etwas weniger rasante Fahrer werden im Schnitt 7.000 km weit kommen und Leute, die ganz normal Motorrad fahren, werden auch 5-stellige Laufleistungen erzielen können.

Die Felgen der großen ADV-KTM´s messen vorne 3,5 Zoll und hinten 5 Zoll Maulbreite. Die 1200er GS ist hinten mit 4,5 Zoll bestückt. Damit wird der Reifen in montiertem Zustand etwas zusammengezogen, auf effektive 164 mm Breite, wenn man mit der Schieblehre misst (die großen KTM kommen auf 170 mm Breite). Gut möglich, dass dem einen oder anderen dieser schmalere Look optisch weniger gefällt; auf die Funktion hat dies aber keine Auswirkung.

Die 1090er KTM konnte sogar mit zwei Bereifungen ausprobiert werden. Hintergrund: Das 125 PS starke Adventure-Bike hat vorne 3 Zoll und hinten 4,5 Zoll breite Felgen. Wer die originalen Reifen in 110/80 R 19 und 150/70 R 17 mit der entsprechenden Road 5 Trail-Paarung ersetzen möchte, kann dies tun, um ein weiterhin stimmiges Fahrverhalten zu erhalten. Oder als Geheimtipp in Erwägung ziehen, vorne den Road 5 Trail in 120/70 ZR 19 und hinten in 170/60 ZR 17 aufzuziehen, wofür seitens Michelin eine Freigabe bereits erteilt wurde. Das 170er Hinterrad nimmt auf der 4,5 Zoll Folge eine schönere Kontur an und erreicht nicht so früh die Laufflächenkante wie der 150er Pneu, dazu passt auch der 120er vorne auf der 3 Zoll-Felge gut. Die 120er/170er Combo bewirkt auf der 1090er KTM ein angenehm ausgewogenes Fahrverhalten. Der Input beim Kurveneinlenken fällt einen Tick höher aus, dafür geht das Bike harmonischer aus leichter in mittlere und tiefe Schräglagen über, was prima zu den sportlichen Qualitäten dieser KTM passt.

Großenduros sind auf Grund von Konstruktion, Geometrie, Gewicht und ihrer Beschaffenheit schon spezielle Fahrzeuge. Michelin hat den Road 5 Trail auf den großen KTM Adventures und der BMW R 1200 GS entwickelt, dabei wurden beim ZR-Reifen, der auf über 240 km/h ausgelegt ist, Handlichkeit und Geradeauslauf bestmöglich unter einen Hut gebracht. Deshalb gibt es auch für die KTM keine Variante mit Sonderkennung (wie etwa bei Pirelli und Conti eine K-Sonderkennung). Die Reifen passen auch auf Großenduros wie Triumph Explorer oder Ducati Multistrada.

BMW R 1200 GS LC, aka Pepsi.

Für die Offroad-freudigeren KTM Adventure R-Modelle mit 21/18 Zoll sind keine Michelin Road 5 Trail geplant. Dafür bietet die Anakee Wild-Range die passenden Dimensionen. Dito gilt für die Honda CRF 1000 L Africa Twin mit den Dimensionen 90/90-21 und 150/70-18 (als Schlauchausführung). Für den überwiegenden Africa-Twin-Straßenfahrer hat Michelin derzeit kein Angebot, allerdings steckt etwas in der Einwicklungs-Pipeline.

Achim Penisch, Ex-Rennfahrer und seit 21 Jahren bei Michelin in Deutschland für die Produkttechnik der Motorradreifen zuständig, sagte bei der Präsentation: »Mit Großenduros wie BMW R 1200 GS und KTM Adventure Reifen kann man nicht nur viele Kilometer machen, sondern es auch richtig krachen lassen. Kennzeichnend für diese Bikes sind viel Leistung, Super Fahrwerk, viel Drehmoment. Der Road 4 Trail war bereits ein sehr guter Reifen. Also haben wir bei der Entwicklung des Road 5 Trail die Technologien des Road 5 reingesteckt und noch eine Portion Fahrspaß obendrauf gepackt. Gut zu spüren als Verbesserung sind: Der Reifen ist sehr handlich, sehr präzise und hat sehr guten Gripp.« Das so stehen zu lassen, fällt leicht.

Achim Penisch, Motorradmann bei der Bibendum-Company in Deutschland.

Fotos: Silke Voss/Michelin, Michael Bense, Buenos Dias

About Author

Gerhard Rudolph, fährt Honda CB 1300 und am liebsten Jethelm mit dunklem Visier.

Leave A Reply