Ausprobiert: TomTom Vio

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Das TomTom Vio ist ein Smartphone-gesteuertes Navi, das eigentlich für Motorroller konzipiert wurde. Deswegen ist es klein, bunt, witzig und kostet auch nicht die Welt.

Das CB1300-Forumstreffen, bei dem ich als Guide vorweg zu fahren gedachte, drängte zum Ausprobieren als gute Gelegenheit quasi auf. Daraus wurde aber nichts. Weil vorab am Computer generierte Routen am Vio nur mit Android-Handys genutzt werden können, nicht mit iOS-Geräten. Als Apple-User fällt diese Option also flach. Nicht weiter schlimm. Fortan nutzte ich das Vio, um auf längeren Strecken von A nach B zu gelangen. Zielort eingeben und sich hinführen lassen, oder sich von Etappe zu Etappe hanteln, das funktioniert einwandfrei.

Ich mag das kompakte, Eishockey-Puck-große Format und dass die Navigation über das Handy abläuft, dass man eh immer dabei hat. Oft kennt man sich ja aus auf dem größten Teil einer Route und benötigt die schlaue Navigations-Funktion nur am Ende zum Auffinden einer Adresse. Meistens also führte ich das Vio zum iPhone im Rucksack oder einer Tasche mit steckte es erst an, wenn ich es wirklich benötigte.

Mir gefällt, dass die Halterung am Spiegelarm verschraubt wird und das Cockpit clean bleibt. An diese Halterung angesteckt und über eine Viertelumdrehung verriegelt wird das runde 2,4 Zoll-Display. Zur Steuerung downloadet man TomToms Vio-App auf´s Handy und installiert die gewünschten Karten dazu (bis zu 48 Länder, mit lebenslangen Updates, inklusive Verkehrsinfos und Blitzerwarnern). Drahtlos gekoppelt werden Display und Handy über Bluetooth.

Das ganze Brimborium mit Kabelage zur Stromversorgung und einem klobigen Halter, der die Hälfte der Instrumente verdeckt, entfällt. Auf längeren Fahrten führe ich immer eine USB-Powerstation im Rucksack mit. Damit lässt sich nicht nur das iPhone zwischendurch aufladen, sondern auch das Vio selbst, wenn der integrierte Akku leergesaugt ist, nach 4 bis 5 Stunden Nutzung.

Die Ablesbarkeit bei Sonnenlicht ist nicht überragend, aber noch abzeptabel. Bei bedecktem Wetter wird die Ablesbarkeit erstaunlicherweise schlechter, dito gilt bei Verwendung eines dunklen Visiers. Auf Nachtdarstellung (wiederum prima ablesbar) wird bei Dunkelheit automatisch umgeschaltet. Positiv ebenfalls: Das Gerät ist wetterfest und der Touchscreen kann auch mit Handschuhen bedient werden.

Das Display-Gehäuse ist hinten schwarz. Wer es lieber bunter mag, kann über die Rückseite zukaufbare bunte Silikonhüllen ziehen – in Blau, Grün, Weiss, Pink, Rot und Gelb. Auch bei der Bildschirmdarstellung ist an colorigen Optionen kein Mangel. Aus 8 Kartenfarben und 7 Routenfarben lassen sich etliche Kombinationen erstellen.

Wer will (ich nie) kann neben den sichtbaren Navigationsanweisungen auch Ansagen über ein Bluetooth-Audiosystem im Helm oder Kopfhörer des Smartphones abhören. Eingehende Anrufe werden angezeigt und es obliegt dem User, ob er das Gespräch entgegen nehmen möchte, während die Richtungsanzeigen weiter auf dem Vio angezeigt werden.

Hätte ich einen Wunsch frei, würde ich mir einen solideren Verriegelungs-Mechanismus wünschen, der jetzige aus Kunststoff ist arg filigran gefertigt und lässt sich (zu) leicht überdrehen.

Als das Vio Ende 2016 vorgestellt wurde, kostete es 169,- Euro. Inzwischen hat sich die Kalku offenbar entspannt, hier und da bekommt man das Teil bereits um wohlfeile 100,- Euro.

Wer sich an viermal teurere Vollwert-Motorrad-Navis inklusive Expeditions-tauglicher Halterung plus kunstvoller Stromversorgung gewöhnt hat, mit zusätzlichen Status-Infos auf dem Display, Kurvensuch-Funktionen und anderem nützlichem Pipapo, wird TomToms Roller-Rundling nicht viel abgewinnen können. Wer mit Basis-Infos auskommt, die auch zum Ziel führen, dazu smarte Abmessungen und unkompliziertes Handling schätzt, wird das pfiffige Vio ins Herz schliessen. Was ich jetzt mache? Ich retourniere TomToms Test-Vio so wie geplant – und kaufe mir anschließend ein eigenes!

Fotos: Buenos Dias

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Gerhard Rudolph, fährt Honda CB 1300 und am liebsten Jethelm mit dunklem Visier.

1 Kommentar

  1. Mit dem Vio hatte ich ja auch mal geliebäugelt, schwöre mittlerweile aber auf die Quadlock-Halterung, mit der ich das Handy an den Lenker oder den Spiegel montieren kann und jede beliebige Naviapp nutzen kann.

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