Gesucht: Liebhaber für eine Mondial 175

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Neulich trudelte eine nette mail einer Leserin aus der Schweiz ein, sie würde es gerne sehen, wenn die FB Mondial ihres Vaters nach etlichen Jahren Standzeit in gute Hände fände, ob der Salat dabei helfen könne. Die Antwort: Wir können es ja mal probieren.

Hier also einige Bilder der FB Mondial 175 Superturismo, Baujahr 1958. Wer sich dafür interessiert und vorstellen kann, den roten Oldie zu erstehen und wieder zum Leben zu erwecken, wende sich bitte per mail an office@gasgriffsalat.com. Das Ganze wird dann weiter geleitet. Die Preisvorstellung beträgt um 2000,- Euro.

Das Motorrad steht in Italien im Großraum Vendig. Papiere gibt es offenbar keine mehr. Der Vater hatte die Mondial einst neu gekauft und fuhr damit ein paar Jahre in die Arbeit, bevor er in die Schweiz auswanderte. Seit 1968 wurde es nicht mehr gefahren, stand trocken und dunkel in einer Garage des Elternhauses. Der Tacho zeigt 30.413 km.

Die legendäre Marke FB Mondial wurde 1929 von den Boselli-Brüdern Luigi, Carlo, Ettore und Ada in Bologna gegründet. FB steht für Fratelli (Brüder) Boselli. Papa Giuseppe Boselli gehörte die Motorradmarke GD. Nach den Kriegsjahren legte FB Mondial richtig los und machte sich im GP-Rennsport einen Namen mit extrem schnellen und erfolgreichen Maschine. Fünf WM-Titel wurden erobert.

Die Serienbikes von Mondial galten als etwas Besonderes, hochwertige High-Perf-Bikes kleiner Hubraumklassen, die in Handarbeit in vergleichsweise geringen Stückzahlen – 1000 bis 2000 per anno – gebaut wurden. Ducatis später berühmter Konstrukteur Fabio Taglioni arbeitete bei Mondial, bevor er 1954 zu Ducati wechselte.

Im Rennsport war Mondial eine Macht. Sogar in die Historie von Honda hinein gibt es eine Querverbindung, weil die Italiener 1957 auf Anfrage von Soichiro Honda eine GP-Rennmaschine zu Studienzwecken herausrückten, nachdem von NSU nur eine Absage kam; dieses Bike steht noch heute im Honda-Collection Hall-Museum in Motegi.

Nach dem Ausstieg aus dem Rennsport ging es mit Mondial wirtschaftlich relativ rasch bergab, 1960 wurde die letzte echte Mondial produziert. Danach wurden nurmehr kostengünstige Modelle mit Einbau-Motoren anderer Hersteller gebaut, immerhin hielt man sich damit noch 19 Jahre über Wasser. 1979 war Schluss.

Zwanzig Jahre später begann die zweite Mondial-Phase. Der Zeitungs-Unternehmer Roberto Ziletti wiederbelebte die Marke mit einem Superbike und baute die Piega 1000 mit dem Zweizylinder-Motor der Honda VTR1000. Das war das erste Mal, dass Honda einen anderen Hersteller mit Motoren belieferte, die japanischen Manager würdigten damit die spezielle Connection zur italienischen Marke. Das zweite Leben von Mondial währte von 1999 bis 2004, nach 5 Jahren war schon Ende.

Inzwischen fertigt Mondial in einer dritten Phase (seit 2014/15) wieder Motorräder, sehr schöne und clever konzipierte 125er und 250er im Café-Racer-Design bzw. als Offroad-Bikes. Dahinter stehen Nachkomme Pierluigi Boselli und Césare Galli, ehemaliger technischer Direktor der Marke Fantic, der später erfolgreich diverse Offroad-Kawasakis nach Italien importierte. Diese aktuellen Mondials werden von Piaggio in China gebaut.

Zurück zur hier gezeigten 175er Mondial Superturismo in Italien. Der Motor leistet 10 PS und ist eine einfache, seitengesteuerte Version mit Stößelstangen. Es gab wohl auch einmal eine technisch anspruchsvolle, obengesteuerte Motorversion. Die Gabel hatte nur eine Fett- und keine Ölfüllung und gilt als relativ anfällig auf Leckagen nach längerer Standzeit. Das Motorrad ist komplett und hat einfach nur lange gestanden, sollte also eine gute Restaurationsbasis sein.

Ein befragter Kenner für italienische Oldtimer merkte zu den Bildern an: »Lampenring, Auspuff und Krümmer sind als Nachbau neu erhältlich, die Sitzbank scheint original, hat nur einen zusätzlichen Gummiüberzug. Vermutlich ist der originale Bezug defekt. Nach einer gründlichen Reinigung könnte eine Teilrestauration ausreichend sein.«

Alte Maschinen solchen Kalibers stellen zum Glück mehr da als nur ein Konstrukt aus Stahl, Aluminium und Gummi und verdienen ein neues Leben in den Händen eines Besitzers, der ihr Dasein und vielleicht auch ihre Seele zu schätzen weiss. Wer sich dafür erwärmen kann, darf sich gerne melden.

Fotos: JM

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Gerhard Rudolph, fährt Honda CB 1300 und am liebsten Jethelm mit dunklem Visier.

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