Ausprobiert: Klim Latitude Textilanzug

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Klim Latitude Goretex-Textilanzug, Blau-Schwarz.

Textilanzüge lassen sich in der Regel das ganze Jahr über nutzen. Wenn der Hersteller an alles gedacht hat, schützt eine eingearbeitete Membrane vor Regen und Nässe, diverse Belüftungen sorgen auch bei Sonnenschein für erträgliches Klima, Protektoren schützen bei Zwischenfällen, die sich niemand wünscht.

Klim´s Latitude ist eine Textilklamotte mit Goretex-Membran, bestehend aus Jacke und Hose. Die Teile kommen ohne separates Futter zum Ein- oder Auszippen aus, worüber man geteilter Meinung sein kann. Ich fand es  positiv, weil es mir reicht, wenn eine Jacke für den Sommer und die Übergangszeiten passt. Im Vergleich mit Textilangeboten, die eher wie Kartoffelsäcke geschnitten sind, fällt die Latitude durchaus schlank und elegant aus, was ein Aspekt ist, wenn der optische Auftritt bei der Kaufentscheidung mit ein Kriterium sein soll.

Als das blau-schwarze Klim-Testmuster vor einem Jahr eintraf, lag die Preisgestaltung der Jacke bei 599,- Euro und die der Hose bei 559,- Euro. Für Übergrößen und Überlängen wurden 20 Euro Aufpreis verlangt. Weitere Jacken-Farbkombinationen waren Grau-Schwarz, HI-VIS- (Fluogelb) Schwarz sowie eine Rot-Schwarz-Variante mit besticktem Honda- und Africa-Twin-Branding. Bei der Hose liess sich zwischen Grau/Schwarz und Schwarz auswählen. Inzwischen bietet Klim ein überarbeitetes Latitude-Nachfolgemodell an, dazu folgen am Ende dieses Beitrags einige Anmerkungen.

 

Die Anmutung der getesteten Latitude ist hochwertig, die Material-Kombi aus teils feinerem, teils robusterem Cordura sowie Goretex-Laminat greift und fühlt sich gut an. Die Belüftung lässt sich über vier wasserdichte Reißverschlüsse seitlich auf der Brust und an den Oberarmen regulieren, dazu kommt eine große Entlüftungsöffnung mit RV am Rücken. Ordentlich geräumige, über wasserdichte RV´s schließbare Taschen gibt´s auf der Frontseite vier: zwei unten und zwei oben, diese sind nicht aufgesetzt, sondern integriert und mit seitlichen Eingriffen versehen. Auch deshalb wirkt das Design der Jacke glattflächiger, weniger rustikal.

 

Innen finden sich weitere vier Netztaschen, die unteren mit Klett zum Verschliessen, die oberen mit RV. Die Innentasche über der linken Brust verfügt über einen Durchlass für Kopfhörerkabel. Für aktiven Schutz sorgen inkludierte D30-Protektoren an Schulter, Ellbogen, Hüfte und Knie sowie ein großflächiger Rückenprotektor. Scotchlite-Reflexzonen an Armen, Schulter und im Rücken verhelfen zu mehr Sichtbarkeit, vor allem bei schlechten Sichtverhältnissen und in der Nacht.

Der Kragen glänzt mit anschmiegsamem Stoff, die Kragenweite lässt sich über einen Gummizug einstellen; der Kragenriegel verfügt über einen Druckknopf plus Klett. Die Ärmel sind am Ende mit einem Klettriegel ausgestattet, auch am Unterarm kann die Weite nochmal eingestellt werden. Die Unterseiten der Arme sind mit verstärktem Cordura versehen, am linken Ärmel harrt nochmal eine kleine Tasche mit wasserdichtem RV darauf, Mautzettel und andere Kleinigkeiten aufzunehmen.

 

Zur Latitude-Hose: Zum geschickten Wechsel aus teils feinerem, teils robusterem (über den Knien, am Gesäss) Cordura sowie Goretex-Laminat kommt hier noch praxisgerechter Lederbesatz mit ins Spiel, an den Innenseiten beider Knie. Auch die Hose verfügt über je zwei Be- und Entlüftungsöffnungen vorne und hinten am Oberschenkel. Am Bund unterstützt ein Stretch im Rückteil die Passform, dazu erlauben zwei Klettriegel rechts und links, die Bundweite anzupassen. Wer Jacke und Hose verbinden möchte, findet die entsprechenden Reißverschlüsse an beiden Teilen vor. Lange Reißverschlüsse an den Beinen erleichtern das Überziehen über hohe Stiefel, die Weite lässt sich hernach über 3 Druckknöpfe einstellen. Auch an den Beinen gehören Reflexstreifen (nach hinten gerichtet) dazu. D30-Protektoren schützen seitlich an den Hüften und die Kniepartien.

Klim ist eine amerikanische Marke, genäht wird der Latitude Anzug in Vietnam. Materialauswahl, Anmutung und Verarbeitung verdienen das Prädikat hochwertig. Die Jacke trägt sich angenehm, trägt vor allem nicht so dick auf und plustert sich mit dem eher schlanken Schnitt nicht so auf im Fahrwind, sondern schneidet eher mühelos hindurch, was man um so mehr schätzen lernt, wenn man sonst eigentlich eher Lederbekleidung bevorzugt. Ich habe mich damit über Weihnachten bei winterlichen Temperaturen am Feldberg genauso wohl und bestens angezogen gefühlt wie auf marokkanischen Offroad-Pisten bei sengender Sonne neulich beim Bridgestone A41-Reifentest.

Bei den Konfektionsgrößen fällt Klims Latitude eher groß aus. Ich landete schließlich bei einer Konfektiongröße eine Nummer kleiner als normal. Zur Hose ist anzumerken, dass der Bereich zwischen Hüfte und Schritt recht kurz bemessen ist, was Komfort- und Passgefühl nicht gerade optimiert. Die Jacke auf der Rückseite reicht dafür weit nach unten. Ich würde bei Klim-Klamotten schon eine Anprobe im Fachgeschäft empfehlen statt eines Online-Kaufs, um etwaigem Retour- und Austausch-Aktionen auf der Suche nach der passenden Größe aus dem Weg zu gehen.

Klim hat die Konfektionsgrößen für 2018 auf ein neues europäisches System umgestellt und außerdem Latitude-Jacke und Hose überarbeitet. Bei der 2018er Jacke sind jetzt Kragen und Ärmel-Unterteile mit Leder besetzt und die Reflexstreifen anders gestaltet. Der zuvor durchgehende Gürtel am Rücken ist entfallen, dafür lässt sich die Taille rechts und links separat einstellen, die Unterärmel sind deutlich breiter geschnitten und das Rückenteil deutlich kürzer. Und statt einer großen Rückenentlüftung gibt es jetzt rechts und links zwei Öffnungen mit Reißverschlüssen. Bei den Farben gibt es nurmehr Schwarz, Grau-Schwarz und HI-Vis (Fluogelb)-Schwarz – eine Variante mit Blau zählt nicht mehr zum Programm.

Bei der 2018er Hose ist der Stretchteil am Bund im Rücken entfallen, neu kam eine zusätzliche Weitenverstellung unterhalb der Knie hinzu, dazu präsentieren sich die Reflexpartien wie auch der Zuschnitt am Gesäss umdesignt. Angepasst hat Klim auch die Preise: Die Latitude-Jacke kostet jetzt 799,- Euro, für die Hose werden 619,- bis 639,- Euro fällig. Ob man Klim´s Neuerungen am Latitude-Textilanzug gutheissen kann? Die neuen Lederapplikationen sind okay, die breiteren Unterarme und die kürzere Rückenpartie eine Verschlimmbesserung. die restlichen Kleinigkeiten nicht wirklich weltbewegend. Unterm Strich gefallen mir die 2017er Ausführungen besser. Wer ähnlich denkt und im Handel noch welche findet, fährt damit gewiss nicht schlechter und günstiger außerdem dazu.

Fotos: Buenos Dias

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Gerhard Rudolph, fährt Honda CB 1300 und am liebsten Jethelm mit dunklem Visier.

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