Ausprobiert: Bridgestone SC2 + SC2 Rain

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Roller Dir einen: Salatprynz bei der Horizont-Erweiterung.

Großroller sind eine eher spezielle Zweirad-Spezies. Ordentlich Dampf, nicht wenig Gewicht, mehr oder weniger vollschlanke Karosse, kein Knieschluss und ein eher vages Gefühl fürs Vorderrad. Pendler und Freizeitfahrer, die dieser Formel verfallen, wollen eigentlich das gleiche wie Motorrad-Enthusiasten, nämlich Mobilität und Fahrspaß, nur bequemer, also ohne Schalten und mit Automatik, plus eine Schippe Komfort und Wetterschutz.

Für diese Klientel der Maxi-Scooter-Fahrer offeriert Bridgestone für 2018 gleich zwei neue Gummis: Den Battlax Scooter SC 2, eine Sportreifen-Paarung und den Scooter SC 2 Rain, einen Touringreifen für den Alltag, der als Bonus auch bei Nässe ein besonders sicheres Gefühl erlauben soll. Als die Einladung in die Gasgriffsalat-Redaktion schneite, die neuen Gummis auf einer Fahrpräsentation in Portugal auszuprobieren, fiel dem Salatprynz als bekennendem Honda Zoomer 50-Honk die Zusage leicht.

Stattlicher Testfuhrpark.

Dass Bridgestone einen neuen Maxi-Scooter-Reifen auf zwei unterschiedliche Typen aufspreizt, folgt einer Logik, die auch die Hersteller bereits verfolgen: Yamaha zum Beispiel offeriert den großen T-Max in zwei Versionen (als DX oder als SX Sport), BMW den C 650 als Sport oder GT. Letztlich geht es darum, den Kunden eine Auswahl anzubieten für verschiedene Präferenzen und Einsatzfelder, in der Hoffnung, die Zufriedenheit in der Praxis und nach dem Kauf zu steigern.

Radial-Hinterradreifen sind in der Maxi-Scooter-Welt längst angekommen. Der erste Großroller mit einem Radial-Hinterreifen war 2002 Suzukis Burgman 650, mit dem damaligen Bridgestone TH01. Die später nachfolgende SC-Palette (für SC wie Scooter) bestand aus Diagonal- und Radialreifen mit nur einer Gummimischung. Der jetzt neue Battlax Scooter SC2 der japanischen Gummibäcker ist vorne wie hinten eine komplette Radial-Neukonstruktion und ersetzt in den angebotenen Größen seine jeweiligen SC-Vorgänger.

Wenn Petrus auch mal dunkle Wolken in Petto hält, empfiehlt Herr Brückenstein den SC2 Rain.

Schönwetterfahr-Dynamiker statten Yamahas T-Max Sport mit dem SC2 aus.

SC2 und SC2 Rain sind punkto rundlicher Kontur und Karkassen-Unterbau identisch, der jeweilige Charakter wird über unterschiedliche Gummimischungen sowie die unterschiedliche Form, Länge und Anordnung der Profilrillen erreicht. Wichtig zu wissen ist, das beide Maxiscooter-Hinterradreifen mit jeweils unterschiedlichen Gummimischungen auf der Lauffläche und an den Seiten aufwarten, wie bei Motorrädern längst immer mehr üblich.

Battlax Scooter SC2: Maximaler Fahrspaß für sportliche Naturen

 

Der Battlax Scooter SC2 wurde für dynamische Fahrweise auf überwiegend trockenen Straßen entwickelt. Haftvermögen und präzises Handling sollen sportlichen Fahrern ein Maximum an Fahrspaß gestatten. Der Radialreifen ist konstruktiv wie der Battlax Hypersport S21 aufgebaut. Vorne wie hinten ist ein Gürtel aus Stahlgeflecht aufgespult. Neu dazu ist die dreilagige Gummimischung (3LC genannt) am Hinterrad, rechts und links weicher, in der Mitte härter, um maximale Haftung im Schulterbereich mit Verschleißfestigkeit der Laufflächenmitte zu verbinden. Am ebenfalls radial aufgebauten Vorderrad reicht eine Gummimixtur. Dazu wurde das Profildesign auf Stabilität, Oberflächenkontakt und Gripp optimiert.

Battlax Scooter SC2 Rain: Top-Performance plus sicheres Gefühl bei Nässe

 

Battlax Scooter SC2.

Battlax Scooter SC2 Rain.

Der SC2 Rain soll Roller-Fahrer im Alltag zufrieden stellen und mit sicherer Haftung bei Nässe unterstützen. Das Profil vom neuen Tourensport-Battlax T31 kombiniert Stabilität mit präzisem Lenkverhalten, wobei die höhere Anzahl der Profilrillen die Performance auf nasser Fahrbahn optimiert. Dazu wurden neue Mischungen mit hohem Silica-Anteil entwickelt, um verbesserten Gripp auf kalten und nassen Oberflächen zu bieten. Auch der SC 2 Rain glänzt mit unterschiedlichen Mischungen in der Mitte und auf den Flanken, um Top-Haftung in Schräglage sowie Verschleißfestigkeit auf der Lauffläche zu ermöglichen.

Testausfahrt mit Yamaha, Suzuki, BMW

Guide Nina: Man(n) folge dem Zopf und alles wird gut.

Für die Testausfahrt standen Maxi-Scooter von Yamaha, Suzuki und BMW zur Auswahl, die Route führte von Lissabon über 120 km Fahrstrecke und sah abwechslungsreich alles vor, was einem im normalen Scooter-Alltag auch blüht: Innerstädtische Betriebsamkeit mit Hauen, Stechen und Durchschlängeln, heimtückischen Kreisverkehren und rumpligen Kopfsteinpflaster-Passagen. Wir brausten über Lissabons unglaublich kunstvolle Brücken über türkisen Wasserflächen, Autobahn-ähnliche Schnellstraßen und Landstraßen mit wechselnden Belägen sowie kurvenreiche Bergpassagen mit erstklassigem Asphalt. Ex-Rennfahrerin Nina Prinz agierte als Guide und gab der Testergruppe ebenso kunstfertig wie gefühlvoll eine immer angemessene Gangart vor.

 

Ich probierte den Battlax SC2 Rain auf T-Max DX, Burgman und C 650 Sport und den Battlax SC2 auf T-Max SX Sport und nochmal C 650 Sport. Beide Reifen lieferten eine überzeugende Vorstellung ab: sauberer Geradeauslauf auf Schnellstraßen bis hinauf auf 160 km, auch bewusste Unruhe-Einleiten über den Lenker klingt sofort wieder ab. Harmonisches Einlenken und gutes Feeling in Schräglage in schnellen wie langsamen Kurven, kein Aufstellen beim gefühlvollen Bremsen in Schräglage. Empfindlichkeit auf Längsrillen auf Asphalt bei der kompakten BMW etwas ausgeprägter, bei Yamaha und Suzuki vollkommen problemlos, wie überhaupt der Abrollkomfort auch bei Rumpelasphalt überzeugte.

Yamaha T-Max SX Sport

Spürt man den Unterschied der Reifen beim Fahren? Ja, wenn auch nur marginal und beim direkten Umsteigen von einem Typ auf den anderen, wie es an der Foto-Location möglich war. Geringere Verformung und damit mehr Stabilität unter Belastung und die haftfreudigere Mischung bewirken beim sportlichen SC2 ein etwas präziseres Gefühl beim Einlenken in Kurven. Das Handling ist damit einen Tick knackiger. Wobei sich punkto Haftung auf trockenen Ashalt auch mit dem SC2 Rain flott um Ecken biegen lässt, ohne sich über Haftgrenzen sorgen zu müssen. Wie die Unterschiede bei nasser Fahrbahn ausfallen, liess sich bei Sommerwetter und 25 Grad nicht herausfinden. Die Haltbarkeit ist laut Bridgestone auf gleich hohem Niveau des SC-Vorgängers geblieben.

Suzuki Burgmann 650.

Auf einer kurvenreichen Berg-Passage sass ich auf dem SC2 Rain-besohlten Suzuki Burgman. Wäre ich mit dem SC2 dort schneller oder schräger oder noch lustvoller hinauf geflitzt? Denke ich nicht. Höchstens außerhalb der Komfortzone. Welchen Reifen ich kaufen würde, wäre ich Maxi-Scooter-Eigner? Als Schwetterwetterfahrer, der am Rande der Alpen wohnt oder häufig kurviges Geläuf durchströmt, den Battlax SC. Weil das Handling schön direkt und ein Stück präziser spürbar wird, sich besser anfühlt, auch wenn man nicht permanent wie angestochen überall am Limit entlang braust. Wäre ich als Groß-Scooterist beinahe täglich oder zumindest häufig auf Achse, in der Stadt oder über Land, auch immer mal wieder wenn Petrus grollt oder auf eher durchschnittlichen Straßen, würde ich zum SC2 Rain greifen, nicht um undynamsicher im Alltag unterwegs zu sein, sondern um bei weniger optimalen Bedingungen ein besseres Feeling zu haben, ohne bei trockenen Straßen ernsthaft irgendetwas zu vermissen.

BMW C 650 Sport

Auf Nachfrage wurde die Haltbarkeit von einem Bridgestone-Mitarbeiter mit 5.000 bis 15.000 km umrissen, was im ersten Moment zwar weit gefasst anmutet, eigentlich aber die einzig wahre Antwort darstellt. Maxi-Scooter leisten grob zwischen 40 und 60 PS. Je mehr am Quirl gedreht wird, um Beschleunigung und Tempi jenseits von 140 auszunutzen, desto mehr Gummi bleibt auf der Strecke. Je weniger Gas gegeben wird, desto länger die Lebensdauer. Kurzum: Den Reifenverschleiss und die Lebendauer hat jeder selbst in der Hand. Wer den eigenen Fahrstil als Maßstab nimmt, kann den Verschleiß innerhalb der umrissenen Spanne sicherlich am besten selbst einschätzen.

Die Brücke des 25. April in Lissabon über den Tejo, die drittlängste Hängebrücke der Welt. Eine der jeweils drei Spuren in jede Richtung ist aus Metallplatten (statt Beton) gefertigt, nur da besser nicht mit Scootern oder Motorrädern drüberströmen, egal mit welchen Reifen – ist nämlich nicht gestattet.

Ein Wort noch zu den Maxi-Scootern: Der Yamaha T-Max machte am meisten Spaß: etwas üppig punkto Masse, aber tolle Beschleunigung, sportlich und einfach zu fahren, auch qualitativ hochwertig und rundum begeisternd, wenn man davon absieht, dass die Füße nicht weit genug nach hinten platziert werden können. Der Suzuki komfortabel mit supersanftem, aber kraftvollem Motorcharakter, besonders im Power-Modus. Der Burgmann 650, der seine Power nicht über einen Riemen, sondern über eine Zahnradkaskade unter dem Antriebsdeckel ans Hinterrad schickt und schon etliche Jahre gebaut wird, versprühte ebenfalls viel Fahrspaß. Der BMW (in der Sport-Variante) enttäuschte: Zwar schön kompakt und mit trefflicher Sitzposition, aber eher durchschnittlicher Antriebsquelle, rumplig im Fahrverhalten und 08/15-Cockpit, von Premium war da nicht viel zu spüren.

Suzukis Burgman 650 und Bridgestone SC2 Rain passen gut zusammen, auch wenn die Sonne scheint.

Der Bridgestone Battlax SC2 ist in zwei Größen für Vorder- und Hinterrad erhältlich, beim Battlax SC2 Rain umfasst die Palette eine Größe für das Vorder- und drei Größen für das Hinterrad. Und zum Schluss: Bislang gab es bei Bridgestone keinen Vorderradpneu für den überall beliebten Honda SH300i. Diese Lücke wurde mit dem SC2 Rain in der Dimension 110/70 – 16 52S TL aus der Welt geschafft, der zwar eine diagonale Konstruktion darstellt, die sich aber mit dem radialen SC 2 Rain-Pendant auf dem Hinterrad kombinieren lässt.

 

Der Bridgestone Battlax SC2 ist lieferbar in den Größen

Vorderrad

120/70 R 14 M/C 55H TL

120/70 R 15 M/C 56H TL

Hinterrad

160/60 R 14 M7C 65H TL

160/60 R 15 M/C 67H TL

 

 

Der Bridgestone Battlax SC 2 Rain ist lieferbar in den Größen:

Vorderrad

120/70 R 15 M/C 56H TL

Hinterrad

160/60 R 14 M7C 65H TL

160/60 R 15 M/C 67H TL

130/70 R 16 M/C 61S TL

 

Vorderrad (diagonal)

110/70 -16 M/C 52S TL

 

Fotos: Bridgestone, Buenos Dias

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Gerhard Rudolph, fährt Honda CB 1300 und am liebsten Jethelm mit dunklem Visier.

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