Ausprobiert: Bridgestone Adventure A41

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Adventure in Marokko? Ja bitte.

Wie bei Motorrädern steht die Entwicklung auch bei Reifen niemals still. Mit dem neuen Battlax Adventure A41 will Bridgestone die steigende Zahl der abenteuerlustigen Fahrer und Fahrerinnen noch sicherer und zufriedener ins Ziel bringen, die den Großteil ihrer Kilometer auf Asphalt abspulen und nur hin und wieder auf unbefestigte Untergründe abbiegen. Deswegen trachtete die Gummi-Company beim neuen A41 danach, speziell das Handling und die Nasshaftung zu verbessern, wobei die Kilometerleistung des A40 aber erhalten bleiben sollte. Dazu umfasst die Produktion mehr Größen und Dimensionen beim Line-up des A41, um die diesbezüglichen Beschränkungen bei der Lieferfähigkeit des Vorgängers auszumerzen.

Die A41 Profilierung, zackiger und grober und im Schulterbereich mit höherem Negativ-Anteil, soll Wasser besser ableiten. Das Blockdesign liefert Kurvenstabilität sowie die notwendige Steifigkeit für höheres Tempo, wobei weniger Profil fürs Geradeausfahren die Lebensdauer verlängern hilft. Offroad-Robustheit gehört ebenfalls dazu.

In Afrika einen neuen Adventure-Reifen ausprobieren, eine solche Einladung nimmt man natürlich freudestrahlend an, auch wenn die persönliche Offroad-Affinität eher schüchtern ausgeprägt ist. Versuch macht kluch, sagte ich mir, als ich die Textilklamotte zusätzlich zur schlumpffarbenen Lederjoppe einpackte, weil zusätzlich stand bei der Fahrpräsentation in der Zungenbrecher-Stadt Ouarzazate ja noch am Vortag der ebenfalls neue Tourensportreifen T31 auf dem Programm.

Umwerfend überüppige Auswahl bei der Testflotte.

Für den ersten Teil des Adventure A41-Fahrtages in Marokko servierten die Brückensteiner zuerst eine 60 km-Etappe über eine Schotterpiste. Jede KTM freut sich, wenn es querbeet gehen soll, dachte ich – also suchte ich mir aus der überüppigen Motorradauswahl eine 1090 Adventure aus, die mir von früheren Ausfahr-Gelegenheiten noch in bester Erinnerung war. Kaum aus der Stadt heraus, bog die Tester-Truppe links ab in eine karge Steinwüste, die landschaftlich trotzdem spektakulär anmutete, in der Ferne flimmerten sogar schneebedeckte Bergzüge, wie im Kino bei Abenteuer-Schmonzetten mit Beduinen- oder Berberstämmen.

Salatprynz offroad: Dahinrumpeln, so gut es halt ging.

Verwegene Truppe beim Expeditionsstopp.

So strömten wir in den Rasten stehend in einer Staubwolke von Feinsten dahin, ich rumpelte mit, so gut es halt ging, die A41-Kombination furchte unbeeindruckt durch unbefestigten Grund und Kies mit Löchern, Rillen und überschaubaren Gemeinheiten, die die Piste zu bieten hatte. Dabei gab ich mir als Salatprynz und Dirt Donk erster Klasse alle Mühe, Bridgestones Media-Mann Tim Röthig, der die Gruppe fürsorglich nach hinten abschirmte, mit zarten Powerdrifts über das Hinterrad mit einer Extraportion Staub zu bewerfen, was nur verhalten gelang, gemessen am schrägen Grinsen, dass ich am Ende der Schotter-Sektion erntete. Bei einer Pause bewunderten übrigens etliche, wie robust und klaglos die A41-Gummis die Strapazen auf gemein scharkantigem, spitzem Geröll wegsteckten, auf der Lauffläche also beschädigungsfrei blieben, auf so eine Feststellung wäre ich von selbst nie gekommen.

Teepause: Vorne die 1090er KTM, hinten die gelbe 1000er V-Strom-Suse.

In der nächsten Ortschaft kehrten wir auf ein Getränk ein. Bei einem marokkanischen Tee freute ich mich auf die folgenden 200 Kilometer Asphalt. Im Prinzip war das Entwicklungsziel ähnlich wie beim tourensportlichen T31, den wir am Vortag ausprobieren konnten. Die Aufgabe bestand auch beim Adventure-Gummi darin, zu mehr Nasshaftung bei gleicher Laufleistung vor allem ein schönes Fahrgefühl hinzukriegen, mit gutem Gefühl fürs Vorderrad, damit Abenteuerlustige, die es auch gerne sportlich laufen lassen, keine Probleme bekommen und über möglichst gut spürbares Feedback immer wissen, was das Vorderrad macht.

Flankengummi vorne weicher als mittig, hinten mit Base & Cap-Tech dazu härter bis in die Flanken unterfüttert.

Um das zu erreichen, haben die A41-Entwickler erstmals im ADV-Segment auch dem Vorderreifen eine Lauffläche aus unterschiedlichen Gummilagen verordnet, in der Mitte härter, seitlich rechts und links weicher. Beim Hinterrad, bei dem diese Bauweise mit unterschiedlichen Mischungen bereits Usus war, kam neu ein spezieller Cap & Base-Aufbau hinzu. Dabei zieht sich der härtere Gummi des Mittelstreifens bei den weicheren Flanken unterfütternd bis in den Schulterbereich durch, mit dem Ziel die Kurvenstabilität wie auch das Temperaturverhalten zu verbessern. Neu entwickelte Gummi-Zaubermischungen sollen bei niedrigen Temperaturen und nasser Fahrbahn mehr Gripp bieten. Kombiniert mit der ebenfalls neuen Profilierung, die zackiger und grober ausfällt und im Schulterbereich einen höheren Negativ-Anteil aufweist, kann Wasser besser abgeleitet werden. Das große Blockdesign liefert dabei Kurvenstabilität sowie die notwendige Steifigkeit für höherem Tempo auf der Geraden, wobei weniger Profilanteil auf der Lauffläche bei Geradeausfahrt die Lebensdauer verlängern hilft.

A41-Asphalt-Laufbild auf der Africa Twin hinten astrein.

Vorne ebenfalls.

Die 200 km auf Asphaltstrassen entpuppten sich als Mix aus Überland und kurvenreichen Passagen, zunächst auf der KTM ADV 1090 (bereift mit den Größen 110/90-21 und 150/70-18) und anschließend mit einer Suzuki V-Strom 1000 (besohlt mit den Größen 110/80-19 und 150/70-17). Beide verdauten den neuen A41 auf höchst angenehme Weise: harmonisches, zielgenaues Einlenken, makelloser Geradeauslauf, Gripp bis auf die Kante. Das Feeling in Schräglage war gut und sicher.

Als drittes ADV-Bike kletterte ich schließlich auf eine Africa Twin CRF1000L mit DCT-Doppelkupplung. Die komfortable, vollbekofferte, vollausgestattete Honda wirkte weniger sehnig, erlaubte mit den A41 aber eine souveräne Schippe Fahrvergnügen. Die milde Fuhre lieferte korrekte Rückmeldung, lenkte problemlos ein und blieb stabil auf Kurs, auch wenn die (zu) hohe Zubehör-Windscheibe es nicht gerade einfach machte, immer und überall die richtige Linie anzupeilen. Die Reifendimension für die Honda Afrika Twin (90/90-21 sowie 150/70-18, mit Schlauch!) gehört übrigens mit zu den neuen Größen, die Bridgestone mit dem A41 anbietet.

Kurz einhalten an einer Fotolocation.

Wenn ich ehrlich bin, und das bin ich immer, habe ich die Offroad-Einlage mehr genossen als vorher erwartet. Die Kombination aus KTM- und A41-Performance spannte gnädig einen Schutzschirm über mein eifriges Bemühen, mich erblindet im Staub nicht abenteuerlich ins Geröll zu hauen. Gleichzeitig war ich froh über den Staub. Denn wären Nässe und Matsch dazu gekommen, hätte es mit Traktion und Spurtreue und allgemeiner Contenance wohl alles etwas anders ausgesehen. Aber das braucht man Offroad-Kennern eh nicht auftischen; wer überwiegend grobes Gelände oder Sand ansteuert und auch mal Schlechtwetter und Matsch mit einkalkuliert, der zieht sowieso kompromißlose Grobstoll-Bereifung auf.

Die eigentliche Erleuchtung folgte dann auf Asphalt, gerade weil die Straßenqualität der befahrenen Route zeitweise doch abfiel gegenüber jener erstaunlich guten, die am Vortag mit dem A41 serviert worden war. Mit allen ADV-Bikes überwog die Freude am Fahren. Entspannt dem kurvigen Straßenverlauf folgen, anpeilen, einlenken und wieder aufziehen, lustvoll und ohne weitere tiefschürfende Gedanken. Reifen die Sensibilität und Harmonie verbinden, so ein gutes Feeling ermöglichen und im Unterbewusstsein Vertrauen einflössen, sind die besten und da zählt der neue A41 von Bridgestone mit dazu.

Der neue Bridgestone Battlax Adventure A41 ist in folgenden Größen lieferbar:

 

Vorderrad:

90/90 V 21 M/C      (54V)           TL*

100/90 – 19 M/C     57V               TL*

110/80 R 19 M/C    59V               TL

120/70 ZR 17 M/C  (58W)          TL

120/70 R 19 M/C    60V               TL

120/70 ZR 19 M/C  60WTL

110/80 R 18 M/C    58HTL

 

Hinterrad:

130/80 R 17 M/C    65H             TL*

140/80 R 17 M/C   69V             TL*

150/70 R 17 M/C.   69V              TL*

150/70 ZR 18 M/C  70W.           TL

160/60 ZR 17 M/C (69W)         TL

170/60 R 17  M/C  72V               TL

170/60 ZR 17 M/C  72W            TL

180/55 ZR 17 M/C. (73W)          TL

190/55 ZR 17 M/C  (75W)          TL

 

* auf Tube-Type-Felgen auch mit Schlauch montierbar

Fotos/Illus: Bridgestone/Henny B. Stern & Jonathan Godin, Buenos Dias, Rainer Friedmann, Michael Bense.

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Gerhard Rudolph, fährt Honda CB 1300 und am liebsten Jethelm mit dunklem Visier.

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