Gradinger-Kolumne: Australien-Thailand

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Nach dem Deutschen Meistertitel wagt sich Thomas Gradinger 2018 ins 600er Supersport-WM-Abenteuer. Hier schildert der Österreicher, wie es ihm bei den ersten Rennen in Phillip Island und auf dem Chang Circuit am anderen Ende der Welt erging.

»Ich habs ja fast überhaupt nimmer ausgehalten, endlich rausfahren zu dürfen. «

»Wennst das erste Mal nach Australien reist, ist das etwas Besonderes, klar. Ich habe mich gefreut, mit dem NRT-Team von Vafi Khan und der R6-Yamaha überhaupt das erste Mal zu fahren und war richtig heiss auf die Strecke, über die man soviel Positives schon gehört hat. Weil der Preseason-Test in der Woche vor dem Rennen war, bin ich mit meinem besten Freund Tobias Gattermaier schon ein paar Tage früher angereist. Wir haben Melbourne besichtigen können und den Wildlife-Park mit den Kangurus. Hat mir alles super getaugt. Australien ist ein sehr geiles Land mit coolen Leuten, also da könnte ich sofort hinziehen.«

»Natürlich hat sich am Ende alles darum gedreht, das erste Mal heuer einheizen zu können. Ich habs ja fast überhaupt nimmer ausgehalten, endlich rausfahren zu dürfen. Wie es dann soweit war, war ich ziemlich baff und habe einen fetten Grinser unterm Helm gehabt. Wie flüssig Philipp Island zu fahren ist, ist extrem cool. Gleichzeitig aber auch trickreich und schwierig zum Schnellfahren. Speziell mit dem Wind, der dort vom Meer gleich daneben herüberpustet.« 

Unser Freund, der Guru. Mit Crew-Chief Thomas Kubiak und Kumpel Toby (r.) im Wildlife-Park.

»Der Plan war, sich erstmal an alles zu gewöhnen, ans Team, ans Bike, an die Strecke; ein Basis-Setup zu erarbeiten, weil wir vorher nicht testen konnten. Es ist auch nicht schlecht gelaufen, aber natürlich wusste ich, dass fürs Rennen noch mehr kommen muss. Das Freitagtraining fing ganz gut an, obwohl wir bei den Reifen gleich anfingen zu sparen. Im zweiten Training war es nass, deswegen hat es nicht in die Superpole 1 gereicht, das hat mich aber nur zusätzlich motiviert, es dann im Qualifying nachzuholen, was auch geklappt hat. Superpole 1 hat auch gut angefangen, dann war ich in meiner letzten Runde auf Bestzeit-Kurs, sprich aufm Hotspot zur Superpole 2, bin aber von einem Langsameren aufgehalten worden und habe es nicht geschafft. Egal, Startplatz 13 als WM-Rookie beim ersten Rennen auf unbekannter Strecke, da kann man sich nicht beschweren.«

»Ich war dann mächtig motiviert, ein geiles Rennen zu zeigen. Die Situation war etwas speziell, weil Pirelli allen vorschrieb, aus Sicherheitsgründen einen Pitstop einzulegen und das Hinterrad zu wechseln, zwischen Runde 5 und 8. Aber das ist eh nix geworden, weil das Rennen nach 4 Runden unterbrochen und neu gestartet werden musste. Ich war beim Abbruch auf Position 10 oder 11 und hatte einen ordentlichen Rhythmus drauf, das hat schon gepasst. Nach dem Restart ging das Rennen über 9 Runden. Ich habe in der ersten Runde dann wohl gemeint, ich müsste in der Honda-Corner gleich das Rennen gewinnen, habe mich arg verbremst, einen Kollegen einibrennt und musste in die Auslaufzone, war dann Letzter, um P19 bis 20, habe mich dann wieder vorarbeiten können auf P10 und war im Endeffekt nur um 0,7 Sekunden hinterm 7. Platz meines Teamkollegen Jules Cluzel. Ob ich mit der Pace zufrieden war? Ja. Auch das Team war ziemlich glücklich.«

»Ich muss Spass haben, das ist das Wichtigste für mich.«

»Die Zeit nach Australien habe ich mir mit Testen für KTM vertrieben, ich war für 2 Wochen in Spanien, konnte auch offroad Endurofahren trainieren, dann war schon wieder Kofferpacken angesagt und es ging nach Thailand. Wieder ein neues Land und eine neue Strecke. Ich bin mit Toby wieder 5 Tage vorm Rennen angereist, um mich ans Klima zu gewöhnen, das ist derart heiss und schwül dort, die Luftfeuchtigkeit ist ein Wahnsinn. Wir haben ein bisserl relaxt und Bangkok angeschaut, das Team kam am Dienstag, dann sind wir 5 Stunden mit dem Auto zum Chang International Circuit nach Buriram gefahren. Am nächsten Tag habe ich geholfen, die Box mit aufzubauen, weil ich gerne beim Team bin und mitbekomme, wie alles abläuft. Danach habe ich die Strecke abgelaufen mit Crewchief Thomas Kubiak und geschaut, wo welche Gänge gefahren werden. Ich habe auch mit Cluzel getratscht, wie man am besten schnell fährt, weil er dort immer stark unterwegs war, jedenfalls wenn nix dazwischen kam.«

Sightseeing als Tourist.

»Im ersten Training habe ich einen weichen Hinterreifen aufgezogen, habe mich zu wohl gefühlt und gleich einen harmlosen Sturz fabriziert. Zweites Training war nicht so schlecht, ich bin vereinzelt gute Sektorenzeiten gefahren, habe es aber nie aneinandergereiht auf den Punkt gebracht. Also wieder nix mit der Superpole 2, da war ich schon bisserl unrund. Im FP 3 probierten wir eine Rennsimulation, ich konnte gute Zeiten fahren, nur 0,4 Sekunden hinter P5, war aber nur 13ter oder 14ter, habe mir für die Superpole dann wohl selbst zu viel Druck gemacht, war im Qualifying richtig schlecht, auf Platz 19. Warm up ist wieder super gelaufen, fürs Rennen habe ich gewusst, ich muss Spass haben, das ist das Wichtigste für mich. Habe dann einfach Gas gegeben und versucht, das Rennen zu geniessen. Ich habe viele überholt, nach 17 anstrengenden, heissen Runden war ich dann Elfter im Ziel. War schon zufrieden, meine beste Runde war nur o,6 sec langsamer als der neugefahrene Rundenrekord. Ich muss halt versuchen, das nächste Mal im Qualifying besser abzuschneiden, am besten gleich in den Top Ten mitmischen, wenns gut läuft.«

»Wir haben noch die Nacht in Buriram verbracht, sind mit einer Propellermaschine nach Bangkok geflogen, dann weiter nach Abu Dhabi gejettet und schließlich am Dienstag zurück in München gelandet. Alles in allem waren es zwei coole Rennen, ich habe es schon sehr genossen, viel gelernt und hoffe, dass es in Aragon positiv weiter geht, denn das ist die erste Strecke der 600er WM, die ich kenne. Ich freue mich schon, wenn ich dorthin aufbrechen kann. Mal schauen, was bei rauskommt, hoffentlich ein Ergebnis unter den ersten Zehn. Drückt mit die Daumen. Danke und Servus!«

Thomas #36 Gradinger

Fotos: NRT-Racing-Team, Gradinger

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Thomas Gradinger

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