Bridgestone T31: Unterwegs in Marokko

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Schöner fahren: Unterwegs in Marokko, Bridgestone T31-bereift.

Wir sind in Marokko, unsere 13-köpfige Gruppe fährt durchs Hinterland der Stadt Ouarzazate und die Qualität  der Strassen ist erstaunlich. Hier ist zwar rundum alles karg, felsig und verdächtig wüstenähnlich, aber der Asphalt ist von wenigen Ausnahmen abgesehen in gutem Zustand, glatt und griffig. Geradeaus- und Kurvenpassagen wechseln einander ab, und sobald es in hügelige oder sogar bergigere Gefilde geht, wird es richtig abwechslungsreich und kurvig. Damit ist schon erklärt, warum es Bridgestone zur Fahrpräsentation neuer Reifen nach Nordafrika zog. Nicht nur weil das Land seinen eigenen Charme und beeindruckende Landschafts-Perspektiven eröffnet, man kann tatsächlich auch noch schön Motorrad fahren.

Salatprynz, 1100er Multistrudel.

Vorne führt Tourguide Dave, und ich stecke mitten in der Gruppe, die Tim Röthig nach hinten abschirmt, der bei den Brückensteinen für Mediales der Ansprechpartner ist, aber auch Testaufgaben und Homologation mit erledigt. Tim war früher Redakteur bei motorrad, reisen & sport, fuhr nebenbei Motocross, Yamaha Cup, 600er DM und schließlich Langstrecken-WM. Er kann also am Kabel ziehen wie ein Henker, rollt nun aber brav dem Tintenkleckser-Clan hinterher. Wobei brav relativ ist: Immer wenn ich in den Rückspiegel schaue, fährt Tim, der auf einer RT1200 thront, in Geradeaus-Passagen auf dem Bankett neben der Straße und wirbelt hübsche Staubwolken auf. Klar, als Ex-Racer wird einem schnell fade, auch wenn die Gangart ganz normal angesetzt ist und die Tachoanzeige nur bei Zwischensprint bis auf 180 km/h ansteigt.

Ist 15 Jahre her, aber so war´s: Tim Röthig in der Endurance-WM 2003 auf dem 1000er Gixxer des Bridgestone Biker´s Profi Teams in Assen.

Der neue Bridgestone Battlax Sport Touring T31 ist der Nachfolger des T30 Evo (der weiter im Programm bleibt). Das Marksegment der Sportreifen ist das mit den größten Stückzahlen, die breitbandigeren Tourensport-Gummis holen aber auf und werden immer wichtiger. Deshalb hat Bridgestone mit dem T31 fleißig entwickelt und rundum nachgeschärft. Mit verbesserter Performance bei Nässe und optimiertem Kontaktgefühl zur Straße, wobei ein gutes Gefühl fürs Vorderrad den Japanern immer schon am Herzen lag. Der Fahrer soll sich wohl und noch sicherer fühlen, auch bei weniger gutem Wetter.

Superbe Auswahl!

Über 325 km führt die Ausfahrt mit dem T31, als wir am Morgen am Hotel aufbrechen. Die Auswahl und die Zahl der Testbikes ist mehr als üppig. Ich steige zuerst auf eine Ducati Multistrada 1200 S, die sich als gefällige Mischung mit präzise-stabilem Fahrwerk, sportlicher Leistungscharakteristik und aufrechter Sitzposition erweist. Blauer Himmel, die Sonne meint es gut, die Landschaft ist sehenswert, das Fahren fast wie bei einem entspannten Forumstreffen. Die ersten Check-Häkchen werden trotzdem gesetzt. Geradeauslauf: einwandfrei. Lenkerpendel-Anregen bei höherem Tempo: klingt sofort ab. Reinbremsen in Kurven: kein Aufstellen. Zielgenauigkeit: mühelos. Haftung: satt im grünen Bereich, weil das Tempo durch den Guide eh lässig ist. Feeling allgemein: alles gut.

Da ging es lang, rund um Ouarzazate. Grün ist die T31-Route, links herum.

Bridgestone setzt beim Vorderreifen eine Technologie ein (genannt NanoPro), die für einen erhöhten Silica-Anteil in der Gummimischung sorgt. Damit soll sich die Flexibilität verbessern, die Haftung auf diversen Oberflächen sowie auch bei Nässe und niedrigen Temperaturen steigen. Vorne wie hinten sind wie immer schon in der Mitte härtere und seitlich weichere Mischungen verbaut. Das Hinterrad glänzt dazu neu mit einer Cap- and Base-Struktur: Unter den weichen seitlichen Gummistreifen zieht sich der härtere Gummi (des Mittelstreifens) als Unterbau bis zu den Flanken durch. Die weichere Mischung erlaubt bessere Haftung, die härtere darunter ist stabiler und sorgt für optimierte Steifigkeit. Auch das Temperaturverhalten gewinnt; der Gummi funktioniert über ein breiteres Temperaturfenster und kühlt bei langsamerer Fahrt nicht so schnell aus.

Auch das Profil des T31 wurde neu entwickelt: Die länglichen, Schokobananen-ähnlichen Rillen am Hinterrad sind seitlich versetzt und asymmetrisch angeordnet. Der Laufstreifen, der so im mittleren Bereich entsteht, garantiert Abriebfestigkeit (gut für die Laufleistung) und Stabilität, besonders bei hohen Geschwindigkeiten. Auch an der Kontur wurde gefeilt; die Kontaktfläche ist laut Bridgestone bis zu 7 Prozent größer, was bei Kurvenfahrten ein Plus an Sicherheit bringt. Im Schulterbereich sorgt eine höhere Anzahl an Profilrillen dafür, dass das Wasser besser abgeleitet werden kann. Bridgestone verweist auf interne Tests, nach denen der T31 mit der neuen Mischung bei Nässe einen höheren Reibungskoeffizienten aufweist und 3 Prozent schnellere Rundenzeiten erlaubt. Zugleich soll die Lebensdauer dem Vorgänger in Nichts nachstehen.

Tim Röthig heute: Nicht täuschen lassen von der gemütlichen RT.

Nach der ersten Fotostelle folgt eine Teepause. Danach wechsele ich von der Ducati auf eine Suzuki GSX-S 1000 F. Kollege Frank Roedel, der täglich 70 km (one way!) in seine Redaktion in Unna abspult, meinte beim Umstieg: »Dazu passt der T31 schon mal gut, wir haben diese Suzi im Dauertest, das Kippeln mit der Originalbereifung ist weg.« Der tourige Gixxer glänzt mit Laufruhe und ordentlich Schub bereits im mittleren Bereich. Das leicht verkleidete Naked-Bike ist vollkommen anders austariert; der Schwerpunkt liegt deutlich tiefer, man sitzt mehr nach vorne geneigt, das Bike rollt mühelos wie eine Kugel durch Wechselkurven. Leichtfüßig angenehm, sehr spaßig, trotz eher zahnloser Bremse. Die Reifen? Stimmig. Sauber geradeaus, kein Aufrichten beim Ankern in Radien hinein, keine Linien-Korrektur, kein Nachdrücken in Schräglage, sicheres Gripp. Kurven anpeilen, einlenken und durchziehen. Harmonischer Fahrspaß.

Touristisch bunte Gruppe, City-Kulisse.

Kleiner Exkurs: Die Unternehmung Bridgestone gibt es erst seit 1931. Der Gründer hiess Ishibashi Shojiro. Aus der wörtlichen Übersetzung des Vornamens, im englischen »stone bridge« entstand der Firmenname. Nach dem zweiten Weltkrieg wurden erst Fahrräder und Motorräder gebaut. Letztere waren leichte und sportliche, richtig tolle Zweitaktbikes, sogar der Export nach Amerika war bereits angelaufen. Das gleichzeitig betriebene Reifengeschäft wuchs aber ungleich stärker, so dass 1970 der Entschluss fiel, die Fertigung der Bridgestone-Motorräder einzustellen. 1988 wurde die US-Company Firestone übernommen. Heute ist die Bridgestone Corporation mit Sitz in Tokio der weltweit größte Reifenhersteller für alles, was sich bewegt (PKW, Motorräder, Busse, LKW, Flugzeuge, Spezialfahrzeuge etc), beschäftigt weltweit über 140.000 Mitarbeiter und fertigt Reifen in 178 Produktionsstätten in 25 Ländern. Ein europäisches Entwicklungszentrum mit allen Testmöglichkeiten, inklusive 4 km-Oval, ist in Italien seit 2004 in der Nähe von Rom angesiedelt. Das Test-Areal findet sich bei der Ortschaft Aprilia – echt jetzt, kein Scherz.

Bridgestone baute einst Bikes: Hier eine 350 GTO mit Zweizylinder-Zweitakter und Drehschieber-Einlass.

Einkehren: Oase in der Wildnis.

Nach der Mittagspause geht es erst auf einer S 1000 XR weiter, danach folgt eine Honda VFR 800 und schließlich eine 1000er Versys-Kawasaki. Auf den Straßen, die in bergige Landschaft hinein immer kurvenreicher wurden, fuhr sich die BMW wie ein hochbeiniges Skalpell auf Autopilot, feinfühlig und präzise, mit viel Gefühl für´s Vorderrad – als sei der Vorderreifen kein 120/70, sondern eher ein oder zwei Daumen schmäler. Positiv auch das Feedback von Hinterrad im 190/55-Format, wozu mir erst später am Tag ein Licht aufgehen sollte. Dafür verlangte der Vierzylinder nach mehr Aufmerksamkeit: Power unten eher zart, oben stürmisch, dazwischen blinkte einen das Shiftlight ständig an, das irgendein Schlingel auf 7000/min eingestellt hatte.

Prost!

Keine Rücksicht auf das Leistungsgewicht!

Es fällt mir nicht schwer zu gestehen, dass ich ein wenig V4-verstrahlt bin, also bereitete mir auch die VFR, mit der ein bajuwarisch durchgefärbter Mittester überhaupt gar nix anfangen konnte, ehrlich Freude. Man muss halt auch mit soetwas umgehen können: V4 mit V-Tec ist speziell, die Sitzposition ist über den Tank leicht gestreckt, Fahrverhalten und Handling um die Hüfte etwas steif, ein bißchen wie früher eben.

Verstrahlter V4-Prynz.

Als ich die Honda steuerte, zeigte sich die Routenführung just von der absoluten Schokoladenseite. Kurve an Kurve durch gebirgiges Umfeld, der Guide vorne liess es beschwingt laufen. Kann sein, dass das Fahren mit jedem anderen Motorrad etwas leichter von der Hand gegangen wäre. Dafür lief die Honda wie auf Schienen, absolut sicher und mit vertrauenerweckendem Feedback. Ob ich dabei Spaß hatte? Jede Menge!

Wer denkt sich so einen Safety-Hinweis aus?

Schließlich noch die große Kawasaki Versys, deren schräger Plastik-Look nicht auf Anhieb jedermanns Geschmack trifft, die einen aber nach dem Aufsteigen supergeschmeidig in ihre grünen Arme nimmt. Turbinen-Vierzylinder mit fettem Durchzug, vertrauenerweckend satte Straßenlage, leichtes Einlenken, verblüffend müheloses Handling – auf das grüne Transformer-Schiff hätte man viel früher draufsteigen sollen. Würdiger Abschluss einer inspiriert erhellenden Ausfahrt.

Schöne Location.

Deko darf nicht fehlen.

Zurück im Hotel setzte ich mich mit Tim Röthig noch auf einen Cross-Check zusammen und fragte nach den Unterschieden des T31 zum Vorgänger T30 Evo. Tim sprudelte los: »Die Karkasse ist weiterhin eine Null-Grad-Stahlgürtel-Konstruktion, klar. Die Änderungen stecken mehr in Details, also Umschlag, Seitenwand und Füllmaterialien. Die Kontur wurde modifiziert, die Seitenwand weicher, vorne wie hinten. Die Gummimischungen am Hinterrad sind auf jeden Fall neu, in der Mitte wie an den Seiten auch. Wo der neue T31 besser ist als der Vorgänger? Überall! Mehr Trockengripp, Laufleistung im Prinzip gleich, dafür spürbar optimiertes Handling und deutlich mehr Nasshaftung.  Das sportliche Fahrgefühl, dieses Flip-Flop-Handling, dass Du trotz leichtem Handling noch dieses vertrauenerweckende Feeling zum Vorderrad hast, war das  Hauptziel bei der Entwicklung; plus die verbesserte Nasshaftung, weil da gab es Nachholbedarf.«

Touching: Weite Schwünge durch weites Land.

Alle fünf von mir gefahrenen Testbikes waren am Vorderrad mit dem T31 in 120/70er Dimension bereift. Hinten sah es unterschiedlicher aus: Ducati Multistrada 1200S – 190/55,  Suzuki GSX1000F – 190/50, Honda VFR800 – 180/55, BMW S 1000 XR – 190/55, Kawasaki Versys 1000 – 190/50. Ein 190er mit 55er Querschnitt ist eigentlich der modernere Hinterradreifen, weil er über eine höhere und rundere Kontur verfügt und so mehr Gummi auf die Strasse bringt. Ein 190er Hinterreifen mit 50er Querschnitt produziert weniger Auflagefläche in Kurven.

Härtere Mischung und asymmetrische Schokobananen-Profilrillen im mittleren Bereich, weicherer Gummi  seitlich plus stärkere Profilierung an Schultern.

Rainer Friedmann vom Fireblade-Forum steuerte von der letzten Honda-Präsentation die Antwort eines Honda-Entwicklers bei, warum die neue Blade hinten noch mit einen 190er Pneu mit 50er Querschnitt ausgeliefert wird und nicht mit einem eigentlich modernerem 55er. Nämlich: Weil der Unterschied bei der Auflagefläche bei Straßeneinsatz, für den die Blade zugeschnitten ist, nicht wirklich eine Rolle spiele. Und weil der 50er Querschnitt-Reifen um einiges leichter ausfalle, was für die angestrebte Gewichtsoptimierung der Fireblade am Ende der ausschlaggebende Faktor war.

Kennt sich aus: Honda Fireblade-Forums-Admin Rainer Friedmann.

Am Abend vor dem Testevent erzählten die Bridgestone-Manager fast beiläufig, dass man Marokko auch ausgesucht habe, weil die Bedingungen für Tourensportreifen eigentlich ideal seien, um das Wichtigste am Motorradfahren überhaupt zu erfahren, nämlich ein gutes Gefühl. Freiheit und Freude beim Fahren, das Erlebnis unter Gleichgesinnten und das gute, sichere Feeling, dass sich einfach bei jeder Gangart einstell – mal gelassen, mal beschwingt, mal sportlich. Genau das hat der Bridgestone T31 letztendlich geliefert.

Idylle.

Alle mit dem T31 bereiften Testbikes lenkten gutmütig und harmonisch ein, liefen zielgenau auf der angepeilten Linie, überzeugten mit mühelosem Handling, gaben sich punkto Grip und Haftung keinerlei Blöße, auch nicht auf der Bremse oder beim Abrollkomfort, liessen sich punkto Geradeauslauf selbst durch provoziertes Anregen am Lenker nicht aus der Balance bringen und vermittelten durchweg ein gutes, sicheres Gefühl.

Der neue Bridgestone Battlax Sport Touring T31 ist als Standard-Version in acht Größen für das Vorder- und in neun Größen für das Hinterrad erhältlich. Hinzu kommen zwei weitere Größen für das Vorder- sowie drei Größen für das Hinterrad in der verstärkten GT-Version.

Am zweiten Tag ging die Ausfahrt in Marokko mit dem neuen Bridgestone A41 für Adventure-Bikes weiter. Stay tuned, Fortsetzung folgt.

Genuss-Tour.

Farbenspiel.

Fotos: Bridgestone/Henny Stern & Jonathan Godin, Buenos Dias, Rainer Friedmann, Michael Bense, Frank »the crank« Ratering

Gummi-Gestik.

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Gerhard Rudolph, fährt Honda CB 1300 und am liebsten Jethelm mit dunklem Visier.

1 Kommentar

  1. Andi Faulstich on

    Ein schöner Bericht. Macht Lust auf Abenteuer mit Bridgestone Reifen und meiner Africa Twin.

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