Preisgesenkt: Honda VFR1200X Crosstourer

0

Mal eben ans Meer ferntouren.

Erst rauf, dann wieder runter: Zum 1. Januar 2018 hob Honda beim VFR1200X Crosstourer den Preis von 15.000,- Euro auf 15.490,- Euro an, jetzt wird das Teil ins Wanted-Aktionsprogramm gesteckt und um 1100,- Euro günstiger angeboten – für 14.390 Euro inklusive Überführung. Das Adventure-Bike kam 2012 auf den Markt. Die Kreation mit 1200er V4-Triebwerk, dreistufiger Traktionskontrolle, Einarmschwinge und Kardanantrieb schüttelt ihre bullige Kraftentfaltung locker aus dem Ärmel und bietet üppigen Fahrkomfort, wozu auch lange Federwege und entspannte Sitzposition beitragen. Seit dem Modelljahrgang 2016 sind Windscheiben-Einhandverstellung und 12 Volt-Steckdose an Bord. Optional ist ein Doppelkupplungsgetriebe (DCT) erhältlich, der Aufpreis beträgt 1000,- Euro.

Oder ausgedehnt über Land.

Der V4-Motor ist eine Perle, die Durchzug, Laufkultur und Sound unter einen Hut bringt. Das Motorlayout ist ziemlich einmalig: Der Zylinderwinkel beträgt 76 Grad, Zylinder 1+4 zeigen außen nach vorne, 2+3 sind mittig nach hinten geneigt. Die Phase-Shift-Kurbelwelle ist mit 28 Grad versetzten Hubzapfen versehen, dazu verfügt der 16-Ventiler über Unicam Zylinderköpfe. Mit 129 PS werden aus 1237 Kubik Hubraum 44 PS weniger produziert als einst bei der VFR1200F, dafür gibt es massig mehr Drehmoment. Damit zieht dieses V4-Eisen durch wie in Ochse. Der optische Auftritt ist eher teutonisch robust, wobei mit der Grazie eines Einbaums die technisch wertvollen Innereien geschickt verborgen bleiben.

Das Aluminium-Chassis glänzt mit einer Upside-Down-Gabel, die Schwinge mit ProLink-Hebelumlenkung und Monofederbein. Der aufwändig konstruierte Kardan (mit mehreren Ruckdämpfern plus homokinetischem Gelenk) funktioniert vorbildlich unauffällig, der 21 Liter-Tank erlaubt ordentliche Reichweiten. Vorne verzögern Dreikolben-Bremszangen, die Combined-ABS-Bremse ist so ausgelegt, wie man es sich für die Praxis wünscht (Hand bremst nur vorne, Fuß hinten und vorne leicht mit). Die Speichenfelgen nehmen schlauchlose Reifen auf. Die Blinker sind selbstrückstellend, für die originalen Koffer (genial, aber teuer) bereits Halter integriert.

Adventure-Staub schlucken.

Die Honda ist leider schwer (vollgetankt 277 kg, mit DCT 287 kg) und klotzig, rangieren oder hin und her schieben kein Honigschlecken. Auch die Sitzhöhe mit 850 mm empfiehlt sich eher für hochgewachsene, kräftige Kerle. Dafür bleibt der Kniewinkel relaxt, auch der Beifahrer sitzt sehr kommod. Beim Fahren verflüchtigen sich etliche Kilos wundersamerweise, das Handling ist viel angenehmer als vermutet. Das liegt, lenkt, bremst, zieht und tönt wie ein souveränes Big-Bike, komfortabel und sicher. Speziell auf ausgedehnten Touren die reine Freude.

Honda´s VFR1200X Crosstourer fährt 2018 ins (verflixte?) siebte Jahr. Der avisierte Erfolg als Anti-GS erfüllte sich nie. Diese Aufgabe hat längst die CRF1000L Africa Twin übernommen. Dass das V4-Flaggschiff jetzt ins Wanted-Programm gesteckt wird, ist zwar wohlfeil für mögliche Interessenten, aber grundsätzlich kein gutes Zeichen, sondern eher der Anfang vom Abverkauf. Wahrscheinlich wird dieses Motorrad erst dann geliebt, von ein paar Enthusiasten wenigstens, die genau dieses handfeste, wuchtige, hochbeinige, brummige, bärigstarke Hightech-V4-Feeling wollen, wenn irgendwann dann tatsächlich die Endstation erreicht und sie nicht mehr zu haben ist.

Am Horizont die Sonne putzen.

Fotos: Buenos Dias, Honda

About Author

Gerhard Rudolph, fährt Honda CB 1300 und am liebsten Jethelm mit dunklem Visier.

Leave A Reply