Ulrich Schüllers Plan B

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Uli Schüller.

Kürzlich habe ich mit Ulrich Schüller telefoniert, der Yamaha-Händler ist in Jüchen bei Mönchengladbach und die letzten Jahre im R6-Cup etliche Fahrer mit Leib und Seele betreut hat, unter anderem auch Toby Münchinger, den Grenzbereich-besessenen Poeten einer unbekannten Gazette. Mein eigentliches Info-Begehren (die Preise der 2018er Tracer 900) war nach 10 Sekunden abgehakt, aber wir quatschten noch weiter, über die IDM, bzw. über die unsichere Lage und die ewige Malaise derselben. Interessenten, die fahren würden, gibt es offenbar viele. Aber seit Hockenheim im September herrscht das leider übliche Vakuum, alle Rennfahrer hängen in den Seilen, keiner weiss Bescheid, Termine sind eine Wunschvorstellung, Planungssicherheit ein Fremdwort. Keiner kann etwas vorbereiten oder daran denken, wenigstens halbwegs strukturiert etwas aufzubauen und Sponsoren zu umgarnen, um das ganze Theater, das die Rennerei nun mal darstellt, auf etwas anderes aufzubauen als nur auf Enthusiasmus und Begeisterung.

Toby M´s schrecklich nette Cup-Familie 2016 mit Helping Hand André, Monika am Topf und Uli am Drehmomentschlüssel, dem diese gelbe R6 jetzt gehört.

Uli ist 62 Jahre alt, treibt sich als Betreuer in IDM-Paddocks herum und geniesst es in vollen Zügen. Der ganze Brassel, die Aufregung, die Hektik, die Basteleien, die Erfolgserlebnisse, die kniffligen Momente, die Gemeinde der Angefressenen, die Großfamilien-Grillsessions, wenn alle zusammen kommen, das ganze Drumherum von morgens früh bis abends spät. Er braucht das, sagte er, um anschließend motiviert und voller Energie die nächsten Tage und Wochen im Geschäft anzugehen.

Es ist zwar schwer vorstellbar, dass der Yamaha-Cup nach 40 Jahren künftig nicht mehr stattfindet. Da im Moment, also hier und heute, überhaupt gar nichts feststeht, weder in die eine oder die andere Richtung, hat Uli jetzt angefangen, falls tatsächlich nichts weitergeht, Plan B in die Tat umzusetzen. Er hat Yamaha Deutschland Toby´s alte R6 abgekauft. Fitness-Studio-Sessions sind fix gebucht, nächste Woche geht´s los, Schwabenleder ist instruiert, nach einer besonders großen Kuhhaut Ausschau zu halten. Echt jetzt, wirklich wahr – Uli will selber rumfahren, keine Rennen nein, nur hier oder da ein paar Kreise drehen, mal wieder reinschnuppern – bei Trackdays vielleicht. »Wenn ich das jetzt nicht mache, ja wann denn dann?« schallten seine Gedanken durch die Leitung.

Dortmund 2017: Da diente die gelbe R6 nochmal als Exponat, mit Original-Burnoutresten vom letzten Rennen. Später in der Cup-Saison kam ja die neue R6 zum Einsatz. Dieses Gerät also wird Uli 2018 einer sinnvollen Verwendung zuführen, wenn Plan B in die Tat umgesetzt wird.

Bevor Uli sich vor 30 Jahren mit seinem Motorradgeschäft selbstständig machte, hatte er eine 750er Honda, danach eine 900er Bakker mit Bol d´Or Motor und trieb es offenbar ziemlich wild. Danach war er meist nur noch sporadisch oder dienstlich mit Kunden- und Testbikes unterwegs. Jetzt also juckt es wieder und er schmiedet Pläne für eigene Aktivitäten, was ja das Beste ist, was es überhaupt gibt. Auch auf der Strasse will er mehr unterwegs sein. Ich habe ihm zugehört, immer wieder genickt und ihn bestärkt und gedacht »Super, was für ein wilder Hund, genauso soll es sein« und ihn am Ende gebeten, Bescheid zu geben, wenn er das erste Renntraining-Event mit der R6 für sich gebucht hat. Die Umsetzung von Plan B mitzuerleben, könnte interessant werden.

Naturgesetz: R-Sechsen wollen würdig bewegt werden.

Fotos: Buenos Dias

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Gerhard Rudolph, fährt Honda CB 1300 und am liebsten Jethelm mit dunklem Visier.

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