Ducati Scrambler Desert Sled, Wintertest Teil 1

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Als ich ankam in Köln bei Ducati, wurde meine Wintergespielin schon aus der Werkstatt nach vorne geschoben. Scrambler Desert Sled, rot, mit Baja-Kit. Heisst: Hochgelegter Termignoni, gezackte Rasten, Deckelchen hier, Dingsbumms da. Desert Sled heisst übersetzt »Wüstenschlitten«. Ich schlich einmal drumherum, sie verdrehte mir sofort den Kopf. Um irgendwas Nettes zur Begrüßung anzubringen, sagte ich laut »Ciao Bella«, aber die Hübsche aus Bologna reagierte frostig, nämlich überhaupt nicht. Oha, dachte ich, eine stolze Italo-Diva, die wahrscheinlich beleidigt ist, weil ich mit ihr durch den Winter fahren will. Also wenn es passt zumindest, bei ein paar Grad über Null, und wenn kein Salz gestreut ist. Kai aus der Werkstatt rettete die Situation und warf ein lockeres »Wirst sehen, das Teil macht unheimlich Spaß« ein und half mir beim Einladen in den Salatbus.

Abholung der roten Italo-Diva im Salatbus: Ducati Scrambler Desert Sled mit Baja-Kit.

Es ist ein gutes Feeling, mit einer hochbeinigen Ducatine hinterm Rücken im Schneeregen über die Autobahn nach Hause zu dieseln. Ich konnte die vergitterte Lampe und den Lenker im Rückspiegel sehen, dazu rote Tankpartien rechts und links. Ich nahm tapfer einen neuen Anlauf, ließ das Radio die jüngsten Pop & Rock-Hits dudeln, sang erstmal laut mit (Musik kommt immer gut) und erzählte schließlich von der Monster 821-Testfahrt unter italienischer Sonne und vom Besuch im Ducati-Werksmuseum neulich, von meinem Freund Udo, einem der größten Ducati-Freaks unter der Sonne, von der Ex-Honda-Pressedame, die heute eine Ducati Scrambler fährt und ihrem Mann, der ebenfalls Verräter-like übergelaufen ist, von der sagenhaften Bimota-Ducati von Rainer K., vom letzten WDW in Misano mit einer 1200er Monster S, und dem wunderbaren Centopassi-Event mit der ersten Multistrada, eine Woche über 100 Pässe durch die Alpen, die beste Tour meines Lebens, auch wenn das bereits ein paar Jahre her ist. Ich gab mir also wirklich Mühe. Reaktionen? Irgend ein Auftauen? Keine. Nix. Die Desert Sled blieb spröde und stumm.

Erst als ich die Scrambler zu Hause ausgeladen hatte, es war schon lange dunkel, und erstmal in die Garage schob, auf den blauen Teppichboden und zwischen den Honda Zoomer und die CB1300 im Winterschlaf, glaubte ich so etwas wie »Oh, nette Gesellschaft« gehört zu haben, desmodromisch vernuschelt zwar, aber immerhin. Uff. Ich hatte eigentlich gedacht, etwas von Motorrädern zu verstehen. Es besteht also Hoffnung. Wird schon hinhauen mit uns; bin aufgeregt und  – ja – gespannt, wie es weiter geht.

Der Lenkerschutz ist Teil des Baja-Kits, der blaue Kleber nicht.

Foto: Buenos Dias

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Gerhard Rudolph, fährt Honda CB 1300 und am liebsten Jethelm mit dunklem Visier.

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