Buch: Mythos Michel BMW

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Nicht selten bestimmen Zufälle den Lauf der Dinge. Christian Wiechel-Kramüller, BMW R 45-Fahrer und beruflich im Verlagsgeschäft mit Eisenbahnthemen befasst, hatte sich einen 700-Kubik-Tuning-Zylindersatz gekauft, der sich als gefälschter Michel-Nachbau entpuppte und dessen Fertigungsqualität arg zu wünschen übrig liess. In der Not wandte er sich an Günter Michel, den Bruder des 1995 verstorbenen Willi Michel. Günter konnte nicht nur helfen; aus etlichen Kontakten und Gesprächen, die Einblick in die Historie des Boxer-begeisterten Tuning-Duos eröffneten, entwickelte sich schließlich die Idee eines Buches.

Dieses Buch über den Mythos Michel ist nun fertig und ausgedruckt. Auf 144 Seiten wird die ganze Geschichte der Michel-Brüder in den Siebziger- und Achtziger-Jahren erzählt: Einstieg im Geländesport, aktive Rennfahrerei, beeindruckende Tuning-Arbeiten, auch an anderen Fabrikaten, Motorrad-Werkstatt, die Konzentration auf 2-Ventil-Boxer, BMW-Händler in Wiesbaden und schließlich die unglaubliche Vielzahl an Boxer-Tuningprojekten im Auftrag oder für das private Rennteam: für Strassen- und Offroad-Wettbewerbe, Weltrekord- und Zuverlässigkeitsfahrten, für die Formel 750-Klasse, im Endurance-Sport und etliche Disziplinen mehr.

In einem Beitrag über den Mini-Boxer von 1982, der später in Barcelona gestohlen wurde, schrieb der Gasgriffsalat einmal: »Willi Michel war ein Maniac der Mechanik. Einer mit goldenen Händen, der alles selber machen konnte. Er bohrte, drehte und fräste nach eigenen Plänen. Nockenwellen-Steuerzeiten errechnete er selbst. Verkleidung, Auspuff, Motorinnereien bis hin zur erleichterten Ventil-Einstellschraube – alles selbstkonstruiert. Sogar die Rohre für die Rahmen bog er eigenhändig. Die handwerkliche Ausführung seiner Bikes war immer über jeden Zweifel erhaben.«

Michels Mini-Boxer von 1982 (nachträglich R 100 RR genannt), der später in Spanien gestohlen wurde.

Nicht nur die Handwerkskunst, auch das Faible für Boxer, Leichtbau und genial perfektionierte Technik scheint bei der Buchlektüre lebendig durch, mit der Willi Michel und sein Bruder zu Werke gingen, um die rot-gelben Flat-Twins zu dynamisieren. Geschickt eingestreute Interview-Passagen gestalten den Lesespaß abwechslungsreich, mit Fotos wird nicht gespart, erfreulicherweise auch von interessanten anderen Bikes und Fahrern jener Zeit, zu denen es Zusammenhänge gibt.

Dazu werden köstliche Anekdoten erzählt: Wie Pops Yoshimura verärgert in Daytona beim Ausfall seines Fahrers eine Delle ins Dach des Miet-Vans der Michels trat, von dem aus er das Rennen im Infield verfolgte und sich mit einem Abendessen entschuldigte. Wie die Brüder bei Prinz Charles im Kensington-Palast auf einen Tee vorbeischauen durften. Wie Honda-Mechaniker beim Bol d´Or halfen, den sturzhavarierten Michel-Boxer wieder flott zu machen.

Das Buch pflegt die Michel-Legende, die bisher lediglich auf Artikeln getunter Boxer in Fachgazetten fußte, auf umspannend lesenswerte, informative, interessante und würdige Weise. Boxer-Freaks werden dieses gedruckte Werk genussvoll verschlingen und auch Nicht-Boxer-Freaks können es geniessen. Weil es sportlich ehrenvolle Zeitgeschichte verknüpft mit Technik, Faszination, Enthusiasmus und Leidenschaft, lauter Dinge also, die jeder Motorradfahrer verstehen und nachvollziehen kann, egal, welche Marke er fährt.

»Mythos Michel BMW«, Autor Christian Wiechel-Kramüller, Bahn-Media Verlag/Wiekra-Edition, 144 Seiten, über 100 Abbildungen, Abmessung 246 x 215 x 17 mm, ISBN: 9783940189189, Preis 24,80 Euro

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Gerhard Rudolph, fährt Honda CB 1300 und am liebsten Jethelm mit dunklem Visier.

1 Kommentar

  1. Mythos Michel

    Da ich das große Glück hatte, den Willi Michel seinerzeit kennen gelernt zuhaben, und auch mit Günter Michel eine Freundschaft pflege, ist dieses Buch eine absolut tolle Sache. Dieses Buch gibt nur nackte Tatsachen wieder und ist die große Wertschätzung für die Gebrüder Michel. Im Rennsport gibt es immer Höhen und Tiefen und aus diesem Grund sollte dieses Buch für jeden BMW Motorsport Liebhaber einen Platz im Bücherregal haben.