Unter der Lupe: Segura-Stiefel William

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Segura William: Halbhoher Stiefel mit drei Klettriemen.

Schuhe sind ein schönes Thema. Nicht wegen der Schreie, die manche beim Kauf derselben angeblich immer ausstoßen, sondern weil der Zugang und Umgang zumindest für mich (wie für so viele andere) total einfach ist, also bei Motorradschuhen, weil meine Wahl nicht immer, aber meistens auf Daytonas fällt. Die passen, funktionieren durchdacht, es gibt einen Top-Reparaturservice und die Qualität ist vortrefflich. Ich trage am liebsten meine Evo Sports GTX Motorradstiefel mit Goretex und verwindungsfestem Innenschuh, die mir ein angenehm gutes Gefühl auf längeren Ausfahrten vermitteln, weil die Fußgelenke optimal gegen Verletzungen geschützt sind.

Martin Wimmer beim Austria-GP vor 30 Jahren auf 250er Werks-Yamaha: Aus einem klobigen, aber pfiffigen Spezialschuh von Daytona sollte einer der sichersten Motorradstiefel entstehen, mit verdrehfestem Innenschuh.

Martin Wimmer, Salzburg-GP 1987, Daytona-Spezialschuh.

Die Idee dazu entstand übrigens vor 30 Jahren, als Martin Wimmer beim Hockenheim-GP 1987 im Training den linken Fuß brach, zwei Wochen später am Salzburgring aber unbedingt wieder fahren wollte, um seine Chancen auf den 250er WM-Titel zu wahren. Also schneiderten ihm die Frey-Daytona-Brüder einen speziellen Stiefel mit schützendem Innenschuh. Wimmer wurde damals für verrückt erklärt von einer Boulevard-Gazette, weil er sich nach so kurzer Zeit erneutem Verletzungsrisiko aussetzte. Die Idee eines verdrehfesten Innenschuhs mit äußerer Lederhaut entpuppte sich aber als genialer Geistesblitz, aus dem später die käuflichen Security- und Evo-Daytona-Stiefel  entstehen sollten, deren Innenteile ein Umknicken verunmöglichten und als Folge unzählige Knöchelverletzungen vermeiden halfen, zuerst in der Rennszene und danach auch im normalen Straßenverkehr.

Ich fahre noch normale, halbhohe Daytona-Stiefel, die sich schnell zu Jeans überstreifen lassen, wenn es flugs hier oder dorthin gehen soll. Die sind zwar nicht so stabil wie die Innenstiefel-Exemplare, aber gewiss besser und sicherer als Turn- oder normale Halbschuhe.

Für Test- und Fotofahrten wollte ich nun etwas fashionableres als die schlichten halbhohen Daytonas. Und was fand ich? Eben diese William-Stiefel von Segura, in Braun, halbhoch und mit drei Klettriegeln. Ich hing sofort am Haken, die oder keine – sowas soll es ja geben –  und bestellte ein Paar in meiner Größe bei www.xlmoto.de. Der normale Preis betrug 219,99 Euro, weil gerade eine Promotion lief, bezahlte ich 100 Euro weniger. Die Lieferung erfolgte prompt, leider fielen die Teile etwas kleiner aus, also tauschte ich um gegen eine Nummer größer, was nach einer Woche erledigt war.

Segura William: Schick, wasserdicht, erstaunlich stabil.

Nun also habe ich meine braunen Seguras und könnte schreien vor Glück, obwohl ich noch keinen Meter damit gefahren bin, meine CB befindet sich im Saisonkennzeichen-Schlaf und die gewünschte Wintertest-Maschine ist noch nicht durch die Bewilligungs-Schleife beim Importeur, ich gebe die Hoffnung aber nicht auf. Also nehme ich die Schuhe jetzt einfach unter die Lupe.

Segura ist, zusammen mit Furygan, die bekannteste französische Ledermarke (deren Geschichte Adidas-ähnlich ist: zwei Brüder der Segura-Familie zerstreiten sich und konkurrenzieren sich dann am Markt). Die Verarbeitung dieses William-Modells ist makellos, das Leder ist ungefähr doppelt so dick wie man auf Grund der Fotos meinen könnte. Der Schuh fällt seitlich erstaunlich steif aus, was mir taugt, wenn ich an den Schutz der Gelenke denke; auch die Sohle und der ganze Bereich um die Ferse fallen stabil aus. Der Schuh ist zweifelsohne mehr fürs Fahren gemacht als fürs Laufen. Die ersten Schritte erfordern schon Geduld und Eingewöhnung, ich gehe aber davon aus, dass es sich mit der Zeit etwas geschmeidiger läuft damit.

Steifer Fersenbereich, Reflexmaterial.

Der Segura William bietet gefälligen Retro Stil und ist wasserdicht, mit dem Leder ist eine atmungsaktive Membran verarbeitet. Der Knöchelbereich ist zusätzlich verstärkt, im hinteren Bereich ist reflektierendes Material eingearbeitet. Das verarbeitete Klettmaterial ist lang und breit genug bemessen. Vorne und hinten sind zusätzliche Lagen Wildleder aufgenäht, im mittleren Bereich ist Glattleder verarbeitet. Die Polsterung fällt üppig aus,     das Fußbett innen passt prima.

Importeur für Segura ist Shark Deutschland; dort erfuhr ich, dass der nur in Braun erhältliche William ein Auslaufmodell ist, als Nachfolger steckt der halbhohe Schnürschuh »Spark« in Schwarz in der Pipeline, der meinen Geschmack jetzt aber nicht so trifft.

Ich bin jedenfalls happy, dass ich noch diese braunen Segura William ergattern konnte. Falls jemand ähnlich denkt: Auf Nachfrage teilte mir XLmoto.de mit, dass davon noch Exemplare in etlichen Größen vorrätig sind, derzeit beträgt der Verkaufspreis 159,90 Euro, also 60,- Euro bzw. 27 % günstiger als der normale UVP.

Retro-Look: Sieht nicht aus wie ein Auslaufmodell, ist aber eins. Egal.

Fotos: Buenos Dias

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Gerhard Rudolph, fährt Honda CB 1300 und am liebsten Jethelm mit dunklem Visier.

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