Frankensteins Enkel: Kawasaki Z900RS

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Good old times: Neue Kawasaki Z900RS. Die Farbe heisst Candytone Brown.

Kawasaki hat die neue Z900RS vorgestellt, ein nacktes Vierzylinder-Retrobike, das Erinnerungen an die seelige 900er Z1 der Siebziger Jahre wecken soll – die einst von Testerlegende Franz-Josef Schermer nach einem Test auf der Nürburgring-Nordschleife den legendären Titel »Frankensteins Tochter« verpasst bekam. Teardrop-Tank und Heckbürzel sind sehr nahe dran am einstigen Original designt. Der flüssigkeitsgekühlte Inline-Four stammt aus der aktuellen Z900, wurde aber von den Technikern userfreundlich auf mehr Durchzugskraft getrimmt. Die Leistungsangaben: 111 PS bei 8.500 Touren und 98,5 Nm Drehmoment bei 6.500/min. Sechsganggetriebe und Assist/Slipper-Kupplung  gehören mit dazu. Die verchromte 4-in-1-Auspuffanlage mit doppelwandigen Krümmern mündet rechtsseitig ins Freie.

Kann sich sehen lassen, überall.

Auf vorwählbare Fahrprogramme wurde verzichtet, eine zweistufig vorwählbare Traktionskontrolle ist aber an Bord, damit auch Interessenten eines genussorientierten, aber gleichwohl fahraktiven Motorrades nicht vor dem Kauf zurückzucken, die sich bei forscher Schräglagen und engagiertem Gasaufziehen doch einen elektronischen Rettungsfallschirm wünschen.

Beeindruckendes Rahmenkonstrukt, Upside-Down-Gabel, mächtiges Federbein plus Umlenkhebel.

Das Rohrrahmen-Konstrukt kommt ohne Unterzüge aus. Von zwei Seitenplatten führen die Hauptrohre hoch nach vorne und dünnere Rohre zum Heck. Der Lenkkopf ist mehrfach versteift, das mittragende Triebwerk ist hinten oben/unten und am Zylinderkopf vorne/hinten verschraubt, eine weitere Halterung führt hinten vom Zylinder weg. Im Rahmendreieck steckt ein großer Mono-Stoßdämpfer fast waagrecht, der über eine Umlenkung die Aluminiumgussschwinge federt. Eine 41 mm-Upside-Downgabel führt das Vorderrad, auf filigrane Doppelspeichen-Gussräder sind Reifen der Dimension 120/70-ZR17 und 180/55-ZR17 aufgezogen. Das Gewicht der Z900RS beträgt 217 Kilo, 17 Liter Tankinhalt sind hinzuzurechnen.

 

Die Ausstattung umfasst ein Cockpit mit analogen Rundinstrumenten, dazwischen werden weitere Infos über ein LCD-Display serviert. Ziemlich grimmige Nissin-Radial-Zangen greifen vorne auf gelochte 300er Doppelscheiben zu, der Fahrer darf den Druck über eine Radial-Handpumpe dosieren. ABS (von Zulieferer Nissin) gehört mit dazu. Der Rundscheinwerfer ist mit LED-Lichttechnik bestückt, auch das runde (ähnlich wie früher gestaltete) Rücklicht darf mit Leuchtdioden Rotlicht produzieren.

Kawasaki lässt die alten Zeiten auf ansehnliche Weise wieder aufleben.

Insgesamt scheint die Kawasaki Z900RS ein gelungener, ansehnlicher Mix aus Vierzylinder-Herrlichkeit, Anmutung alter Schule und zeitgemäß modernen Technik-Features. Dass die Grünen ihre Legende (Frankensteins Enkel, quasi) auf diese Art und Weise wieder aufleben lassen, kann man eigentlich nur gut finden, also – Kompliment!

 

Fotos: Kawasaki

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Gerhard Rudolph, fährt Honda CB 1300 und am liebsten Jethelm mit dunklem Visier.

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