Eifel-Ausflug mit der CB1300

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Keine 10 Pferde hielten mich an diesem Tag am Schreibtisch. Es war angenehm warm, wenn auch nicht so sonnig, wie seit langem vorhergesagt, also sattelte ich die 13 und peilte die Eifel an. Vor Koblenz meldete sich die Tankuhr, was ich fast übersah, weil das improvisiert befestigte Navi bei mir das Cockpit halb verdeckt, aber natürlich reichte der letzte Tropfen bis zu einer Tanke in Dieblich an der Mosel. Ein gutes Pferd lässt seinen Reiter nicht im Stich – niemals.

Super für die 13, Kalorien für den Chauffeur.

Von Wehr rüber zum Nürburgring ist die Straße gesperrt, schon das ganze Jahr über. Also folgt man der verwunschenen Umleitung über 25 Käffer und typische Winz-Eifel-Sträßchen. In einer langen Kurve ausgangs einer Ortschaft kam mir auf meiner Spur ein Kleintransporter entgegen, der unbedingt ins Blinde noch einen Trecker überholen musste, ein Stückchen weiter rollte vor mir ein alter Benz mit noch älterem Chauffeur auf der Mitte der Straße daher; kam einer entgegen, fuhr er normal rechts auf die Spur, danach zog er wieder zurück genau über den Mittelstreifen. Ich hätte mich aufregen und wie Rumpelstilzchen umherhüpfen können. Aber da die CB, die bald sechsstellig Kilometer intus haben wird, so schön beruhigend schnurrte, geduldete ich mich einfach bis zur nächsten Umleitungs-Abzweigung ein Stückchen weiter vorne, wo sich das Problem der seltsamen Dosenschikane in Luft auflöste.

Bunte, plakative Aussicht am Café Fahrtwind.

Am Café Fahrtwind in Hönningen an der B257  bestellte ich zum leckersten gedeckten Apfelkuchen mit Sahne weit und breit einen Milchkaffee und zeigte meiner Honda das wunderbar plakative Gasgriffsalat-Schild im Außenbereich, danach kurvte ich weiter nach Euskirchen zum Nitschke-Verlag, um die Motorradfahrer-Redakteure Guido und Jürgen einen Moment plaudernd von der Arbeit abzuhalten, Grafikkünstler Martin zu beehren und natürlich die nagelneue Africa Twin mit DCT von Tausendsassa Manni zu bewundern.

Danach ging es ein paar Ortschaften weiter zu Egon, einem motorradbegeisterten Dreher im Ruhestand, der sich gerade den Traum einer besonderen Classic-Rennmaschine erfüllt hat, eine Honda CB350 mit Eigenbau-Zentralrohrahmen. Ein zweites Exemplar für die Tochter ist in der Komplettierungsphase, danach entstehen nochmal zwei Bikes für den ehemaligen CB450-Twin mit Drehstabfeder-Ventiltrieb.

Egons Classic Honda CB350, alles selbst gebaut…

Egon fertigte alles Notwendige wie Rahmenlehre und etliche Werkzeuge für Drehbank und Fräse daheim an, so entstanden Rahmen, Schwinge, Tank, Auspuff, Achsen und alle benötigten Kleinteile in Eigenregie. Handwerklich akkurat und sorgfältig bis in letzte Detail. Motorenrevisionen und Verbesserungen erledigt er ebenfalls selbst. Was für mechanische Kunstwerke in Kellerwerkstätten entstehen können, wenn der Wille und die Fähigkeiten dafür vorhanden sind, ist einfach unglaublich.

Superber Eigenbau-Zentralrohr-Rahmen für Honda Oldie-Twins.

Letztes Wochenende in Oschersleben war die Jungfernfahrt mit der ersten 350er. Nächstes Jahr, wenn die übrigen Maschinen fertiggestellt sind, werden diese auf einer Rennstrecke ausgeführt, dann werde ich das für einen Beitrag begleiten. Ich freue mich jetzt schon darauf.

Schließlich stand noch gschwind ein Besuch zu Hause beim internetten Social-Media-Manager eines unbekannten Importeurs auf dem Programm, der lässig den jüngst eingetroffenen Nachwuchs in den Schlaf wiegte, dabei die Erstgeborene nicht vernachlässigte, die Espressomaschine bediente und nebenbei ein paar nützliche Tips zur Salat-Produktion servierte.

Als ich heimwärts säuselte, war es dunkel. Bei Brohltal-West machte ich eine Pause und stellte beim Blick aufs Smartphone fest, das es Freitag der 13. war. Na, dachte ich, an solchen Tagen soll einem Schlimmeres passieren als Motorrad zu fahren und angenehme Zeitgenossen zu treffen.

Fotos: Buenos Dias

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Gerhard Rudolph, fährt Honda CB 1300 und am liebsten Jethelm mit dunklem Visier.

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