BMW Retro-Sportboxer Kullmann SP-2 Nr.14

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Kullmann´s Handschrift: Handwerklich saubere, solide Arbeit.

Wenn es darum geht, Boxer handwerklich geradeaus auf den Punkt zu bringen, ist Thorsten Kullmann in seinem Element. Der Maschinenbauer aus Dreisen am Donnersberg, ein Spezialst für Edelstahl-Sonderanfertigungen, baut in seiner »Boxergarage« dazu leidenschaftlich gerne BMW´s zu ansehnlichen Einzelstücken um, die am Ende essentiell sportlich und luftig leicht auf den Rädern stehen. Meistens fährt er damit eine Weile selbst durch die Gegend, bevor irgendein Kunde aufkreuzt, es ihm quasi aus der Hand reisst und er das nächste Projekt in Angriff nimmt. Etliche sind so im Laufe der Zeit entstanden; wer sich auf seiner Website einklinkt, bekommt einiges aus der Historie vor Augen geführt.

Immer kreuzt ein Kunde auf, der ihm seine Boxer quasi aus der Hand reisst: Thorsten Kullmann.

Der jüngste, hier gezeigte Retro-Sportboxer basiert wie etliche Vorgänger auf einer R 100 RT und erhielt die schlichte Bezeichnung »Kullmann SP-2 Nr.14«. Köstlich: Das dafür erstandene Gebrauchtbike ist Baujahr 1992, unfall- und umfallfrei, und hatte nur 34.000 km auf der Uhr. Vorbesitzerin war eine über 70 Jahre junge Dame.

Kullmann´s Rezeptur, die RT-Tourenkutsche zu einem sehnigen Flach-Twin zu verzaubern, umfasste folgende Zutaten: Schlankes, selbsttragendes Heck mit Edelstahl-Unterbau und einsitzigem GFK-Höcker (diese Eigenkonstruktion wiegt 6 kg, hat ein TüV-Gutachten und ersetzt das fast 50 kg schwere Serienheck mitsamt Sitzbank). Gabel umgedreht und gekürzt, um 50 mm. Speichenräder aus einer R 100 R. Siebenrock-Zylindersatz mit 1000 Kubik. Höcker und Verkleidung aus GfK, die er eigens anfertigen lässt. Das Farbkleid in Mineralgrau Metallic (vom neuen BMW M4) und Motorsportfarben stammt wie immer von Lackierer Alexander Kapp.

Dazu komponiert präsentieren sich die restlichen Feinheiten: YSS-Federbein mit Zug- und Druckstufen-Verstellung, Bing-Vergaser mit 40 mm Ø, gelaserte obere Gabelbrücke aus Edelstahl, Fehling-Stummellenker und schöne Eigenbau-Fußrasten. Die sauber eingepassten Doppelscheinwerfer (H1 und H4), die dem Retro-Sportboxer so großartig stehen, messen jeweils 100 mm im Durchmesser. Die Bremsanlage verblieb original, ebenso der RT-Tank mit 24 Liter und die Armaturen mit Tacho und Drehzahlmesser.

Typisch für Kullmann´sche SP-Umbauten ist auch die selbstgefertigte, flachere Motorgehäuse-Abdeckung. Statt des früheren Luftfilterkastens an dieser Stelle sind nun K+N-Filter direkt auf die Vergaser gesetzt. Und die Batterie findet statt im Rahmendreieck unter dem Sitzhöcker Platz. Das komplette Motorrad wiegt laut Kullmann lediglich 185 Kilo, die Leistung beträgt 80 PS bei 7000/min.

Die Krümmer für die Auspuffanlage ohne Interferenzrohr fertigte Auspuffspezialist Hattech aus Edelstahl, ohne Schelle und ohne Verschraubung. So kann Kullmann individuell anschweissen, was er braucht. Vom Winkel her und von den Halterungen, damit es am Ende auch schön clean aussieht.

Die Abgasanlage kommt übrigens ohne Interferenzrohr aus. Früher hiess es immer, mit Interferenzrohr falle das Drehmoment besser aus. Aber Prüfstandversuche haben inzwischen gezeigt, dass dem nicht so ist. Tatsächlich ist die Kraftentfaltung ähnlich, aber das Geräusch schöner. Ohne Zwischenrohr blubbern Boxer halt anders als mit.

Luftig, schlank, leicht. Gelungener Retro-Sport-Boxer.

Fotos: Buenos Dias

Info-Link: kullmannsboxergarage.de

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Gerhard Rudolph, fährt Honda CB 1300 und am liebsten Jethelm mit dunklem Visier.

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