2018: Red Porsche Killer-Revanche

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Die Legende mit 4 Horex-Motoren: Red Porsche Killer

Es war einmal ein Comic. Titel: »Das Rennen – eine Geschichte jenseits von wieso das denn«. Die Handlung: Werner, verfreakter Horex-Fan, kriegt sich mit Freund Holgi während eines Trinkgelages inner Kneipe in die Haare. Wer schneller ist, das ist die Frage. Holgi mit dem Porsche 911 S oder Werner mit seinem »Vorkriegsschrott«. Nach etlichen Flaschen Bier schließen die beiden einen Vertrach auf einem Notizblock. Ein Rennen, 10 km geradeaus auf der Autobahn, soll Klarheit bringen, wer wen abledert und den Auspuff zeigt.

Holgi, dessen Porsche zwar mehr in der Garage steht, weil ausm Getriebe, da leckt Öl raus, ist von seiner Überlegenheit felsenfest überzeugt. Auch als Werner sein Horex-Gerät zu einem mehrmotorigen Monster aufrüsten will, mit vier aufgebohrten Horex-Einzylindern, total 2,4 Liter Hubraum und 180 PS!

Werner Freund Ölfuss baut diesen »Red Porsche Killer«, das Rennen wird gefahren – und endet unentschieden. Holgi explodiert nämlich das Getriebe, weil er vergessen hat, nach einem Ölwechsel wieder Öl einzufüllen, und Werner rast in einen Strohballen-Haufen, den ein tolpatschiger Helfer auf der Rennstrecke verloren hat. Weil keiner gewinnt, sind beide Verlierer, also werden Werner und Holgi, wie vertrachlich festgelegt, mit Katzenscheisse beworfen.

Man glaubt es nicht.

Der phantastische Comic von Rötger Feldmann aka »Brösel« erschien 1985 in dem Buch »Werner – eiskalt« und wurde ein legendärer Erfolg. Dann holte die Realität das Phantasie-Ereignis (mit stark autobiographischem Hintergrund) ein. Zeichner und Nordlicht Brösel liess den Red Porsche Killer tatsächlich von Freund Ölfuss bauen und trat gegen Kumpel Holgi, der im richtigen Leben Holger Henze heisst und Kneipier in Kiel ist, und seinen tatsächlich existierenden roten 911er Porsche an. »Das Rennen« fand im September 1988 auf dem Flugplatz Hartenholm statt. Werner verschaltete sich, Holgi gewann. Das ganze Event war unbeschreiblich mega und zog 250.000 Zuschauer an.

Radstand: Mehr als genuch.

Soweit zur Vergangenheit. Nun, nach 30 Jahren, soll es zur Revanche kommen. Kneipenwirt Holgi und Comiczeichner Brösel treten mit ihren fahrbaren Untersätzen auf dem Flugplatz Hartenholm wieder gegeneinander an. Vom 31. August bis 2. September 2018 (inkl. Waamlöttach am 30. August) steigt am Originalschauplatz »Das Rennen 2018«.

Auf einer Pressekonferenz verriet Holgi, dass er einen 600 PS-Motor in den Porsche einbauen will. Auch Ölfuss, Brösel und Bruder Andi wollen die Horex-Schüssel optimieren, um die Gefahr des neuerlichen Verschaltens zu reduzieren! Der Vertrach ist neu aufgesetzt. Es wird geschraubt. Es kesselt wieder!

Auf der Webseite Das Rennen 2018 steht: »Auch 30 Jahre später wird es ein spektakuläres Rahmenprogramm, ordentlich Live-Musik auffe Ohrn und viele, viele Überraschungen geben! Nach der neuerlichen Schrauberei im Hause Wernersen zittert Holgi wie Sülze und in Hartenholm wird schon langsam die Wuäss waam!« Der Kartenvorverkauf läuft, erste Programmpunkte für 2018 sind angekündigt: »In Planung befinden sich neben dem Rennen zwischen Brösel und Holgi Konzerte, Workshops, Ausstellung der Werner-Kulteisen, Amateur-Rennen und vieles mehr.«

Es wird also wieder mega, das ist ja wohl klar.

Ölfuss´ Meisterwerk.

Der Red Porsche Killer ist und bleibt eine sensationelle Kreation. Ein Blick sagt mehr als tausend Worte. Auch nach 30 Jahren sind die Eckdaten atemberaubend: Vier Horex Regina Motoren, Radstand 2,29 Meter, Wendekreis 20 Meter, Bauzeit 3 Jahre, Kosten (damals) 80.000 Mark. Erbauer Wolfgang Ußleber aka Ölfuss, gelernter Sozialpädagoge, hat fantastische Arbeit geleistet. Für die vier 400er Motoren entwickelte er größere 550er Zylinder mit 86 statt 74,5 mm Bohrung. Mit 91 mm Hub wurde so ein Gesamthubraum von 2,13 Liter Hubraum erreicht. Bei geschätzt viermal 40 PS kommt man auf ungefähr 160 PS. Die (vier) untenliegenden Nockenwellen werden über Duplexketten angetrieben, die Kurbelwellen sind über Zahnriemen verbunden. Von dem mit Harley-Wellen verstärkten Getriebe führt eine O-Ring-Kette zum Hinterrad. Die Gabel von Ceriani, die Vergaser von Dellorto, die Scheibenbremsen von Brembo – nicht ein Teil ist japanisch. Und alles ist extrem nah dran an dem, was sich Brösel einst für den Comic ausgedacht hatte. Was für eine herrliche Geschichte, damals wie heute.

Fotos: Buenos Dias

 

About Author

Gerhard Rudolph, fährt Honda CB 1300 und am liebsten Jethelm mit dunklem Visier.

1 Kommentar

  1. Von der ersten Revanche auf dem Lausitzring im Jahr 2004 will heute niemand mehr etwas wissen. Es war eine an Lächerlichkeit nicht mehr zu toppende Veranstaltung. Mit dem Red-Porsche-Killer und einem Baumsägenmotor-Monster. Holgi gewann, wenn ich mich recht erinnere, mindesten dreimal haushoch.
    Ansonsten Abzocke pur eines Hamburger Eventveranstalters, die nachts um eins in der Betonwüste Lagerfeuer wegen “Brandgefahr” löschen ließ.

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