Ausprobiert: Scorpion Factory an CB 1300

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Scorpion Factory, Edelstahl poliert, oval, Zwischenrohr und Anbauteile, 349,- Euro.

Beim englischen Auspuff-Hersteller Scorpion findet sich auch ein Slip-on-Dämpfer für die CB1300, obwohl Honda die dicke Four bereits seit Jahren aus dem Programm genommen hat. Wir haben die Variante »Factory« in poliertem Edelstahl und oval für einen Praxistest vom deutschen Importeur erbeten, der Versand erfolgte prompt und sorgfältig verpackt. Carbon-Mantel oder Titan beim Material und rund bei der Form des Dämpfer wären alternativ lieferbar gewesen.

Vergleich mit Originaltopf: Kleiner, leichter, eleganter.

Der originale Honda-Dämpfer fällt voluminös und schwer aus: Länge 79,5 cm, Gewicht 5,2 kg. Scorpion´s Nachrüst-Exemplar ist etwas kürzer bemessen, dazu deutlich schlanker und viel leichter. Der optische Auftritt des hochglanzpolierten Auspuffs wirkt sehr elegant. Nur 2.945 Gramm wiegt der komplett Slip-On (Dämpfer 2,275 kg, Verbindungsrohr 410 Gramm, Befestigungsmaterial 260 Gramm). Der Scorpion verfügt über eine Allgemeine Betriebserlaubnis (ABE), das E-Prüfzeichen (E4) findet sich hinten auf der Abschlusskappe.

Nur einen Tick dumpfer: Passt gut zum zivilisierten Charakter der 13.

Die Montage ist einfach und in wenigen Minuten erledigt. Alten Topf mit verschweißtem Verbindungsrohr demontieren (1 Schraube, 1 Schelle). Neuen Topf mitsamt Verbindungsrohr aufstecken, ausrichten und festschrauben (1 Schraube, 2 Schellen). Die Halteschellen, die über den Dämpfer geschoben wird, sieht auf den ersten Blick wie Carbon aus, ist tatsächlich aber aus hitzefestem Kunststoff gefertigt.

Optisch ist der Scorpion deutlich schlanker und eleganter, akustisch nur einen Tick drüber. Etwas dumpfer, würde ich sagen, aber nicht viel. Nach zwei Tagen Probefahren nimmt man den Unterschied kaum mehr wahr, die CB fährt so zivilisiert dahin, wie mit der originalen Anlage. Der Scorpion ist nach dem Absorbtions-Prinzip aufgebaut (Serie Reflexion), der db-Eater hinten eingesteckt und verschraubt.

Ein vergleichender Prüfstandlauf des Herstellers misst mit der Honda-Tüte 111,17 PS, mit dem Scorpion-Slip-On 115,5 PS. Auch der Praxiseindruck überzeugt. Laufkultur und Kraftentfaltung gefallen genauso wie vorher: sauberes Ansprechverhalten beim Anfahren mit niedriger Drehzahl, williges Hochdrehen, satter Drehmoment-Punch im mittleren Bereich und müheloses Ausdrehen bis in den roten Bereich.

Ist der Scorpion Factory eine Alternative? Zweifellos. Schlanke Optik, einwandfreie Verarbeitung, die Passform stimmt, das Gewicht ist niedriger und die Leistung de facto höher, auch wenn man das nicht spürt. Im Fahrbetrieb funktioniert das Motorrad so wie es soll und wie man es sich wünscht. Wer damit leben kann, dass das Anschlussrohr mit zwei Schellen verschraubt wird (statt auf einer Seite mit Federn fixiert zu werden) und die Rundum-Halteschelle dem Stil eher früher Jahre entspricht, erhält für vergleichsweise günstige 349,- Euro einen in jeder Hinsicht funktionellen Ersatz zum Original.

Scorpion Factory oval, CB1300: Eleganter Auftritt, optisch stimmig.

Ich hatte zuletzt einen Shark R&D-Titan-Auspuff montiert, der kürzer ausfällt und ebenfalls 4 PS Mehrleistung produziert, aber viel geräuschvoller tönt. Dumpfer Bass-Sound ist schon okay, aber distinguiert gedämpft durch die Gegend zu flitzen, wie ein Gentleman und nahe dran am Original, kann auch reizvoll sein, das haben die Wochen mit dem Test-Scorpion wieder gezeigt.

Gelöchert: Durchblick bis auf den db-Eater.

Hinzuzufügen ist abschließend, dass auf der Website des deutschen Scorpion-Imports die CB1300-Auspuffvarianten derzeit nicht aufgelistet sind, aber jederzeit per mail bestellt werden können. Angucken ist über die Website von Scorpion in England möglich – hier der Link.

Fotos: Buenos Dias

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Gerhard Rudolph, fährt Honda CB 1300 und am liebsten Jethelm mit dunklem Visier.

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