E-Bikes: Zero, Energica, KTM, Gulas & Co

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Der kleine Unterschied: Laden statt Tanken.

Abends oder am Wochenende mal eben schnell zur Entspannung eine Runde auf dem Motorrad drehen. Dabei aber kein Benzin verbrennen, sondern Strom verbrauchen? Wer sich für das Drehmoment eines Elektro-Bikes begeistert, findet mittlerweile eine recht interessante Auswahl auf dem Markt, über die Gasgriffsalat-Mitarbeiter Egbert Schwartz Auskunft gibt – über Fahrzeuge von Zero, Energica, KTM, Johammer, Gulas und BMW.

Italienisches Produkt ohne Amore? Undenkbar.

Elektro-Motorräder sind keine Spassbremsen. Im Gegenteil: Wer einmal die lautlose Beschleunigung eines solch drehmomentstarken Bikes ausgekostet hat, ist im wahrsten Wortsinn elektrisiert. Ein Dreh am rechten Griff generiert den vollen Leistungsabruf ab Leerlauf und bedeutet kontinuierlichen Vortrieb ohne Zugkraftunterbrechung. Denn Elektromotorräder kommen ohne Schaltgetriebe aus. Weshalb man Zunftgenossen mit konventionellen Motorrädern beim Ampelstart zu deren Verblüffung zügigst hinter sich lässt. Ein zusätzlicher Faktor ist die mögliche Konzentration auf Straßenbeschaffenheit, Kurvenverlauf und das Verkehrsumfeld.

Kann sich noch nicht jeder vorstellen: Elektrisiert eine Runde auf dem Motorrad drehen.

Allerdings hält sich der Spass bei allen aktuellen Elektromotorrädern in einer gewissen Grenze. Die da heißt: Reichweite. Je nach Akku, Motorleistung und Temperament des Fahrers hat es sich beispielsweise beim BMW C evolution spätestens nach 100 km ausgestromert, steht die Batterieanzeige auf Rot und man sollte neben einem Ladegerät parken. Was einer ausgiebig unbekümmerten Tour im Wege steht, weil man schon beizeiten nach einer geeigneten Stromtankstelle fragen sollte. Wirtschaftliche Benefits sind dafür die vergleichsweise niedrigen Betriebskosten aufgrund des geringen Wartungsbedarfs.

Johammer-E-Antrieb.

Das Kraftfahrtbundesamt verzeichnet für „Krafträder mit Elektroantrieb“ knapp 1.100 Neuzulassungen pro Jahr. Tendenz zwar steigend, allerdings eher dezent. Was möglicherweise nicht allein an der noch relativ beschränkten Reichweite sowie einer langen Akku-Ladezeit der meisten Modelle liegt, sondern auch an dem noch immer sehr überschaubaren Angebot. Auch ist das Preisniveau generell  nicht gerade einladend niedrig.

Zero-Modellpalette: Welche darf´s denn sein?

Zero Motorcycles Der Hersteller aus Kalifornien ist einer der Pioniere in Sachen Elektro-Motorräder. Das erste in einer Kleinserie gefertigte Exemplar rollte 2007 aus dem Werk in Santa Cruz. Mittlerweile umfasst die Palette sechs Modelle für den Straßen- und Geländeeinsatz, die schlichte, charakterisierende Buchstaben tragen: S und SR sind die reinen Strassen-Varianten, DS und DSR die Enduros, FX und FXS die Gelände- und Supermoto-Sportler. Rahmen und Fahrwerk der Zeros entsprechen im Wesentlichen denen eines Verbrenner-Motorrades – vorne wie hinten arbeiten einstellbare Feder-/Dämpferelemente von Showa. Der von Zero eigenentwickelte Permanent-Magnetmotor Z-Force 75-5 leistet je nach Ausführung zwischen 11 kW / 15 PS (für Einsteiger mit dem Führerschein A1/B) und 52 kW (69 PS), die Reichweite variiert je nach Fahrstil zwischen 128 und 168 Kilometer, im Stadtverkehr sollen bis zu 325 km möglich sein. Mit einem Schnellladesystem lassen sich 95 Prozent der Leistung je nach Ausführung in mindestens 1,1 Stunden (11 kW Version) generieren, standardmäßig ist der Akku in maximal elf Stunden (45 kW Variante) gefüllt. Die Zero-Preisliste beginnt bei 12.190 Euro für die FX und endet bei 21.285 für die Enduro DSR mit Power-Tank-Akku-Paket.

Unterwegs mit der Zero S ZF 13.0: Ein Dreh am rechten Griff generiert den vollen Leistungsabruf ab Leerlauf.

Modellbeispiel: Zero S ZF 13.0

Motor: bürstenloser Permanent-Magnetmotor

Nutzleistung: 45 kW / 60 PS bei 5.300 U/min

Dauerleistung: 21 kW / 28 PS bei 4.300 U/min

Drehmoment: 110 Nm

Höchstgeschwindigkeit: 153 km/h

Akku: Lithium-Ionen

Lebensdauer: ca. 583.000 km (Stadtverkehr)

Ladezeit: min. 2,1 (95%) bis max. 8,9 (100%) Stunden*

theor. Reichweite: 130 bis 259 km

Sitzhöhe: 807 mm

Leergewicht:  185 kg

Kosten pro Ladung: ca. 2,68 €

Stromkosten pro km: ca. 0,01 €

Preis: 15.990 €

Garantie: 2 Jahre, 5 Jahre auf Akku

* min: Fast-Charging/zus. Ladegeräte, max: Standard 110 V/220 V

www.zeromotorcycles.com/de

Energica: Die „Eva“ rollt als Naked-Bike-Version der „Ego“ mit breitem Lenker an.

Energica Motor Company Aus der 2014 gegründeten italienischen Elektro-Motorradschmiede Energica kommen zwei Modelle, die auf den ersten Blick schnell als klassische Bikes mit Verbrennungsmotor durchgehen: „Ego“ und „Eva“. Die Entwicklungsarbeit im Werk Modena begann bereits 2010 auf Basis der „eCRP 1.4“, mit der das Werksteam des Mutterkonzerns CRP Group zuvor die Welt- und Europameisterschaft für Elektromotorräder gewonnen hatte. Die „Ego“ tritt in Gestalt eines Superbikes mit einer Carbon-Vollverkleidung, einer einstellbaren Marzocchi Upside-Down-Gabel und einer über ein Mono-Federbein von Bitubo abgestützten Aluschwinge auf. Weitere Zutaten sind eine Brembo-Bremsanlage sowie Pirelli Diablo Rosso-Reifen auf 17 Zoll-Felgen. Der ölgekühlte Permanentmagnet-Motor sitzt in einem Stahlrohr-Rahmen und generiert 195 Newtonmeter, die das Motorrad in rund drei Sekunden auf 100 km/h beschleunigen, der Top Speed wird bei 240 km/h abgeregelt. Exklusiv-Features sind die elektronische Aktivierung von vier Fahr- und vier Rekuperations-Modi, ein digitales Info-Display, eine Bluetooth-Smartphone-Connection und ein Park-Assistent als Rangierhilfe.

Die „Eva“ rollt als Naked-Bike-Version der „Ego“ an, bei der sich die Instrumente hinter ein kleines Windschild ducken und der Fahrer entspannt am breiteren Lenker thront. „Eva“ ist in grün, dunkelblau oder weiss lieferbar.

Sehr schickes Cockpit.

Modellbeispiel: Energica Eva

Motor: bürstenloser Permanent-Magnetmotor

Nutzleistung: 70 kW / 95 PS bis 4.700 U/min

Dauerleistung: k.A.

Drehmoment: 170 Nm

Höchstgeschwindigkeit: 200 km/h

Akku: Lithium-Ionen

Lebensdauer: 1.200 Ladezyklen

Ladezeit: min. 0,5 (85%) bis max. 3,5 (100%) Stunden*

theor. Reichweite: 200 km (Eco-Mode)

Sitzhöhe: 795 mm

Leergewicht:  k.A.

Kosten pro Ladung:  ca. 2,68 €

Stromkosten pro km:  k.A.

Preis:  25.400 €

Garantie: 3 Jahre / 50.000 km auf Akku

* min: Fast-Charging/zus. Ladegeräte, max: Standard 110 V/220 V

www.energicamotor.com

Superschlanke E-SM: Elektrifizierte Supermoto aus Orangenhausen.

KTM Sportmotorcycles Mit KTM mischt ein etablierter Hersteller von konventionellen Motorrädern auf dem Markt der großen Elektro-Zweiräder mit. Erst in diesem Jahr hat Mattighofen aus der Palette der primär für den Geländeeinsatz konzipierten Freeride-Modelle mit der Supermoto-Version „E-SM“ eine zulassungsfähige Ausführung vorgestellt. Das je nach Temperament mit drei unterschiedlichen Leistungsmodi fahrbare Elektro-Triebwerk ist in einem Stahl-Aluminium-Verbundrahmen installiert, der vorne eine Upside-Down-Gabel und hinten ein Mono-Federbein trägt – beide von der KTM-Tochterfirma WP. Der „PowerPack“ genannte Akku lässt sich mit wenigen Handgriffen austauschen und kann mit einem externen Ladegerät an jede 230 Volt-Steckdose angeschlossen werden. Beide Akkus und das Ladegerät sind im Kaufpreis der KTM Freeride E-SM enthalten. Wer sich nur im Gelände vergnügen will, mag auf die grobstollig bereiften Freeride-Varianten E-SX und E-XC ohne Straßenzulassung ausweichen.

Alles so bunt hier, aber toll übersichtlich.

Modellbeispiel: KTM Freeride E-SM

Motor: flüssigkeitsgekühlter Permanentmagnet- Synchronmotor, Scheibenbauweise

Nutzleistung: 16 kW / 22 PS bis 4.500 U/min

Dauerleistung: 11 kW / 15 PS bis 5.500 U/min

Drehmoment: 42 Nm

Höchstgeschwindigkeit: k.A.

Akku:  Lithium-Ionen (austauschbar)

Lebensdauer: k.A.

Ladezeit: min. 50 (80%) bis max. 80 (100%) Minuten*

theor. Reichweite: k.A.

Sitzhöhe: 910 mm

Leergewicht: 108 kg

Kosten pro Ladung: ca. 2,68 €

Stromkosten pro km:  k.A.

Preis: 11.595 €

* min: Fast-Charging/zus. Ladegeräte, max: Standard 110 V/220 V

www.ktm.com

Damit nicht aufzufallen ist wohl eher schwierig: Johammer.

Johammer e-mobility GmbH Was auf den ersten Blick so wirkt wie die optische Kreuzung zwischen einem Riesen-Insekt und einem seiner Front beraubten Maico-Mobil der 1950er Jahre entpuppt sich als ein innovatives Elektro-Motorrad. Das wurde vom österreichischen Konstrukteur Johann Hammerschmid – zugleich Namensgeber der in Bad Leonfelden beheimateten Marke – mit ausgefeilten Technikfeatures und Komponenten auf die Räder gestellt. Augenfällig ist dabei zuvorderst die Zweiarmschwinge mit der Achsschenkel-Lenkung des Vorderrades. Unter der aerodynamischen Karosse steckt ein auf extreme Torsionssteifigkeit getrimmter Rahmen, der das Feder-/Dämpferpaket sowie den Akku-Pack ebenso platzsparend wie schwerpunktgünstig aufnimmt. Elektromotor und Regler wurden ins Hinterrad integriert. Der kompakt bauende Johammer J1 ist in zwei Varianten mit unterschiedlicher Batteriestärke lieferbar: Im Basismodell J1.150 (22.900 Euro) sorgt ein 8,3 kWh starker Akku für 150 Kilometer Reichweite, der J1.200 soll mit 12,7 kWh etwa 200 km schaffen. Die von Johammer selbst entwickelten Batterien sind auf lange Lebensdauer ausgelegt und werden am Ende ihres Zyklus zur Weiterverwertung zurückgenommen.

Klasse: Auf so ein Design muss man erst mal kommen.

 

Modellbeispiel: Johammer J1.200

Motor: permanent erregter Synchronmotor, lebensdauergeschmiert

Nutzleistung: 16 kW / 22 PS

Dauerleistung: 11 kW / 15 PS

Drehmoment: 220 Nm

Höchstgeschwindigkeit: 120 km/h

Akku: Lithium-Ionen, 12,7 kWh

Lebensdauer: über 200.000 km/vier Jahre (85%)

Ladezeit: min. 1,3 (80%) bis max. 3,5 (100%) Stunden*

theor. Reichweite: 200 km

Sitzhöhe: 650 mm

Leergewicht: 178 kg

Kosten pro Ladung:  k.A.

Stromkosten pro km:  ca. 0,012 €

Preis: 24.900 € (o. 249 € p. Monat)

* min: Fast-Charging, max: Standard 110 V/220 V

www.johammer.com

Gulas: Batteriepack mit Fahrradsattel quasi.

Gulas Fahrzeugmanufaktur  Ein Motorrad, bei dem man in die Pedale treten muss? Auch das gibt es. Und zwar in Gestalt der zunächst exzentrisch und gleichzeitig klassisch wirkenden Gulas PI 1. Szene-Kenner werden das Bike mit dem geschwungenen Zentralrohr-Rahmen, dem Fahrrad-Lenker und -Sattel als ehemalige eRockit identifizieren, was nicht verwundert: Der Konstrukteur und Hersteller ist mit Stefan Gulas derselbe, nur firmiert sein Konzept in Berlin nun unter eigenem Namen. Geblieben ist die bewährte Technik: Der Antrieb erfolgt primär über die Pedale, die Muskelkraft wird über einen Generator mit Schwungscheibe potenziert, elektronisch geregelt in die Batterie eingespeist, die wiederum einen Elektromotor versorgt, der die Kraft über einen Riemen ans Hinterrad leitet. Den gewohnten Gasgriff sucht der Motorradfahrer vergeblich. Dennoch überrascht das Gulas PI 1 mit einer Beschleunigung von etwa 4,5 Sekunden auf Tempo 50 und einer Höchstgeschwindigkeit von 90 km/h, die es zulassungsrechtlich als Leichtkraftrad für den Führerschein A bzw. A1 einstuft. Verzögert wird das 128 kg schwere Gefährt über je eine Scheibe im Vorder- und Hinterrad. Gulas bietet zwei Versionen mit unterschiedlicher Batteriestärke an: Das Basismodell mit 6,5 kWh und 100 bis 150 km Reichweite kostet ab 19.690 Euro (inkl. MwSt.).

Mittreten gefällig? Bitte.

Modellbeispiel: Gulas PI 1 10.0

Motor: Gleichstrom-Bürstenmotor

Nutzleistung: 9 kW / 12 PS

Dauerleistung: 8 kW / 11 PS

Drehmoment: 60 Nm

Höchstgeschwindigkeit: 90 km/h

Akku:  Lithium-Ionen Nanophosphat, 10 kWh

Lebensdauer: ca. 2.000 Ladezyklen

Ladezeit: 3,5 bis 6,5 Stunden (100%)*

theor. Reichweite: 160 bis 240 km

Sitzhöhe: 930 mm

Leergewicht: 128 kg

Kosten pro Ladung: k.A.

Stromkosten pro km: ca. 0,06 €

Preis: 25.470 €

Garantie: k.A.

*Standard 110 V/220 V

www.gulas.bike

Erfordert den Motorrad-Führerschein: Münchner E-Kindl.

BMW Aus dem Rahmen der großen Elektro-Zweiräder fällt der „C evolution“ von BMW. Der Maxi-Scooter gehört allerdings eher in die Riege der großen Bikes als der kleinen Roller, erfordert er aufgrund seiner maximalen Leistung von 35 kW (48 PS) doch den Motorrad-Führerschein A bzw. den alten „1er“. Vier Fahrmodi decken die Bereiche dynamisch-sportlich bis ökonomisch ab. Im vergangenen Jahr stellte BMW dem Basismodell noch eine Long Range-Version zur Seite, die mit einer höheren Dauerleistung aufwartet und deren stärkerer Akku für eine theoretische Reichweite von 160 km sorgt.

Der Scooter lehnt sich nicht nur stilistisch an den BMW Elektro-Pkw i3 an, sondern hat von diesem auch die Technologie der luftgekühlten Lithium-Ionen-Hochvoltbatterie übernommen, die mit einer Kapazität von 8 kWh aufwartet. Der Elektromotor ist ähnlich einem konventionellen Roller als Triebsatz in der Hinterradschwinge integriert, die Kraftübertragung erfolgt in diesem Falle über einen Zahnriemen und ein Hohlradgetriebe an der Hinterachse. Fahrwerkstechnisch wartet der „C evolution“ mit einer Upside-Down-Gabel vorne und einem siebenfach einstellbaren Mono-Federbein auf, ABS und Traktionskontrolle sind die serienmäßigen Sicherheitsfeatures.

Gehört mit dazu: Ordentlich Zeit mitbringen beim E-Tanken.

Modellbeispiel: BMW C evolution

Motor: flüssigkeitsgekühlter permanenterregter Synchronmotor

Nutzleistung: 35 kW / 48 PS

Dauerleistung: 11 kW / 15 PS

Drehmoment: 72 Nm bis 4.500 U/min

Höchstgeschwindigkeit: 120 km/h (abgeregelt)

Akku:  Lithium-Ionen, 8 kWh

Lebensdauer: k.A.

Ladezeit: 2,75 (80%) bis 4 Stunden (100%)*

theor. Reichweite: 100 km

Sitzhöhe: 780 mm

Leergewicht: 265 kg

Kosten pro Ladung: k.A.

Stromkosten pro km: ca. 0,02 €

Preis: 15.000 €

Garantie: k.A.

*Standard 220 V 12 A; Mode3 16A: 2,25 bis 3 Std.

www.bmw-motorrad.de

Fotos: Zero, Energica, Gulas, Johammer, KTM, BMW

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Eggi

Egbert Schwartz kreiselte mit Kreidler, Suzuki, Yamaha, Moto Guzzi und ist jetzt bei einer Suzi Freewind XF 650 angekommen.

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