Gradinger in IDM 600: Up & Down

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Turbulenter Saisonauftakt für den jungen Österreicher Thomas Gradinger, der in der 600er Supersport-IDM beim Auftakt am Nürburgring einen saftigen Crash produzierte und sich im zweiten Durchgang hinter Doppelsieger Kevin Wahr mit Platz 2 zufrieden gab. In Zolder beim zweiten Saisonrennen kassierte Gradinger hingegen in beiden Läufen die maximale Punktzahl: In ersten Rennen auf Platz 2 hinter Rob Hartog, der als Gaststarter keine Punkte erhielt. Im zweiten Rennen als Sieger vor Hartog und Kevin Wahr.

Zolder, 1. Lauf: Gradinger vor Max Enderlein, Vasco van der Valk und Rob Hartog.

Gradinger, im Hauptberuf Testfahrer bei KTM in Mattighofen und in der IDM für das neuformierte MPB-Racing Team von Marcel Bach am Start, war in Zolder natürlich happy: »Ich habe schon gewusst, dass Hartog Gaststarter ist, aber in der Hitze des Gefechts nicht mehr dran gedacht. Ich habe noch probiert, mich in der letzten Schikane außen vorbeizubremsen, aber beim Beschleunigen zur Zielflagge hat mir dann der Schwung gefehlt. Die Attacke hätte ich mir sparen können, weil die maximale Punktzahl gab es auch als Zweiter. Am Anfang habe ich mich abgesetzt, dann sind die Verfolger wieder aufgerückt. Ich hatte nach einem Sturz in Oschersleben weniger Kraft im Arm, dazu kam ein paar Runden ein Problem mit der Bremse, das hat sich die beiden letzten Runden aber gelegt, dann war der Druckpunkt wieder da. War ein geiles Rennen, kann man nicht meckern.«

»Warum ich zuvor in Oschersleben war? Weil zwei Monate ohne auf dem Motorrad zu sitzen nicht gut sind, dann war ein Training verregnet, ich bin per Highsider abgeflogen, habe die Schulter geprellt und ein Muskel ist gerissen. Schmerzen hatte ich keine, bin aber nicht so beweglich auf dem Motorrad , muss mehr mit der linken Hand das Motorrad steuern; es war ganz gut, dass Max Enderlein und Vasco van der Valk zwischendurch vorbei gegangen ist, so war es unterhaltsamer, als vorne alleine zu fahren.«

Zolder-Schikane, Rennen 2, erste Runde: Gleich nach vorne abgehauen.

Gradinger weiter: »Im zweiten Rennen am Sonntag konnte ich nach sehr gutem Start wieder nach vorne abhauen. Dass ich nicht alsbald eingefangen wurde, hat mich gewundert, also habe ich den Vorsprung bis ins Ziel verwaltet. Es alles gepasst, das Motorrad lief super, Danke ans Team, ich könnte glücklicher nicht sein.«

Ziemlich komische Szene: Laufsieger Rob Hartog überreichte nach Rennlauf 1 die Pokale an Enderlein, Gradinger, vd Valk (v.l.). Später entschuldigte sich die Orga für diesen Fehler, der Holländer erhielt Pokal und Sekt nachträglich, als Gaststarter lediglich keine Punkte. Hartog akzeptierte die Entschuldigung.

In der IDM Supersport 600-Meisterschaft liegen Gradinger und Kevin Wahr jetzt beide mit 70 Punkten an der Spitze. Beide haben zwei Siege auf ihrem Konto plus einen zweiten Platz und einen Ausfall: bei Gradinger der Sturz am Ring in der Eifel, bei Kevin eine rutschende Kupplung, die ihn im ersten Lauf bereits nach der Einführungsrunde zum Zuschauen zwang.

Im neuen Lack zweimal zu vollen Punkten.

Rob Hartog ist der Neffe von Holländer Wil Hartog, »Der weisse Riese«, der in den Siebziger Jahr im 500er GP-Zirkus gegen Barry Sheene & Co kämpfte. Diego Romero, der Tuner von Kevin Wahr, schüttelte über Wahr´s Kupplungsproblem nur den Kopf: »So etwas habe ich in 30 Jahren noch nicht erlebt. Eine Kupplung falsch zusammensetzen geht gar nicht, weil der Aufbau total einfach ist. Das kann jeder. Ich habe keinen Fehler finden können und einfach neue Teile eingebaut. Im zweiten Rennen funktionierte es dann einwandfrei.«

Vierkampf: Gradinger, Enderlein, vd Valk, Hartog.

Gradinger absolvierte Training und Warm-up mit alter Verkleidung und montierte nur im Rennen zur neuen Lederkombi noch eine neulackierte Verkleidung in der MPB-Teamfarbe Silber, worauf der Chronist meinte: »Super, kann ich die Bilder aus dem Training alle wegschmeissen«. Also wurde der optisch überholte Gradinger noch gschwind für ein historisch wertvolles Standfoto in die Boxengasse gestellt – mitsamt Pokal.

Die IDM findet in Schleiz ihre Fortsetzung. Kommendes Wochenende fährt Gradinger am Red Bull-Ring vorhehr noch ein nationales Rennen mit. Weil je mehr Rennen bestritten werden, desto besser – diese alte Rennfahrerweisheit gilt unverändert, auch für junge Burschen, die sich vor nix fürchten und für die vor allem dann happy sind, wenn ordentlich was vorwärts schiebt, je mehr und schneller, desto besser.

Hurra: Gradinger mit Pokal und R6 mit runderneuerter Optik.

Fotos: Buenos Dias

 

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Gerhard Rudolph, fährt Honda CB 1300 und am liebsten Jethelm mit dunklem Visier.

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