IDM 2017: Reiterbergers BMW S 1000 RR

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Passt schon: Reiterberger auf dem 2017er IDM-Superbike.

Vorwärts, wir müssen zurück. So ungefähr lässt sich der Durchstart in der IDM von Markus Reiterberger umschreiben, nach dem Reinfall mit dem Althea-Team in der Superbike-WM. In der Superbike 1000 DM gilt 2017 neu das FIM Stocksport-Regelwerk. Was das für den Technikstand der S 1000 RR bedeutet, erläutert Reitis Crew-Chef Dirk Linnebacher.

IDM-Rückkehrer Markus Reiterberger, Technikus Dirk Linnebacher.

»2015/16 erlaubte das Superbike-IDM-Reglement zur Leistungssteigerung den Einbau anderer Nockenwellen. Das aktuelle Stock-Reglement schreibt die Verwendung serienmäßiger Nockenwellen vor. Das heisst, dass etwa 15 PS weniger zu Verfügung stehen. Die Motorleistung liegt jetzt bei knapp über 200 PS.«

Nach Stocksport-Reglement: Reiterbergers S 1000 RR IDM-Superbike 2017.

»Wechsel der Schwingenlagerungs-Einsätze am Chassis sind nicht mehr erlaubt. Das bot früher mehr Möglichkeiten bei der Abstimmung, je nach Strecke auf unterschiedlichen Grip zu reagieren. Das ist jetzt eingeschränkt. Ansonsten ist Gabel- und Federungsseitig hinten wie an der Schwinge nichts anders als am IDM-Superbike früher.«

Statthaftes Tuning: Homologierte ECU und Kabelbaum-Kit von BMW, Lenkerschalter plus dieses Dash.

Für die Einspritzelektronik ist eine von BMW entwickelte Motorsport ECU mit Software-Bedatung und Kabelbaum verbaut, die von der FIM homologiert sein muss. Dazu gehören noch ein Dashboard und rechte und linke Schaltereinheit. Diese Teile sind für jedermann frei käuflich und kosten in der Kombination 4.000 bis 4.500 Euro.

Mit Standard-Nockenwellen: Motorleistung knapp über 200 PS.

Daneben lässt sich in der Stocksport-Kategorie auch noch mit einer einfacheren Version antreten, nämlich der Standard-ECU mit Sportbedatung Das nennt sich dann »HP Power Kit mit RCK3-Software-Stand«. Das Flashen und Neubedaten einer Serien-ECU kostet um 1. 800 Euro.

 

Dirk Linnebacher weiter: »Die Räder sind in dem Moment freigegeben, wenn sie Jasco-zertifiziert sind, also die benötigte Tragfähigkeit mitbringen, egal von welchem Hersteller. Dimensionen sind 3,5 x 17 und 6 x 17 Zoll. Wir fahren OZ-Aluminium, die extra gesandet sind, damit der Reifen weniger drehen kann auf der Felge. Die sind nochmal 1 Kilo vorne und hinten leichter als das BMW HP-Rad.«

Unterscheidet sich Reiterbergers Motorrad von dem, was die Teamkollegen Danny de Boer, Jan Bühn und Arnaud Friedrich fahren? Linnebacher: »Nein, die Motorräder sind alle gleich.«

 

Für Reiterbergers geplanten Wildcard-WM-Einsatz am Lausitzring wird ein anderes Motorrad aufgebaut, bei dem sich Motor, Gabel und Gabelbrücken usw. unterscheiden; auch der Tank muss anders ausfallen. »Weil mit 17 Liter kommt man in der WM nicht über die Runden.«

Linientreu auf alter Roadracer-Weisheit: Go in deeper, come out harder. Host mi?

Markus Reiterberger zur Umstellung: »Das Stocksport-Bike ist doch ziemlich weit weg von dem 2015er IDM-Superbike. Und zur WM ist es nochmal ein Riesenunterschied. Ich bin am Nürburgring praktisch das erste Mal draufgesessen und es war einfacher als erwartet. Für mich ist alles mehr positiv als negativ. Ich habe jetzt wieder ein Gefühl fürs Vorderrad, kann super einlenken, kann am Limit fahren, ohne zu stürzen – ja, es ist einfacher zu fahren und macht Freude. Auch im Team passt alles wunderbar. Negativ ist, dass wir in der WM viel mehr Leistung hatten, mehr Elektronikmöglichkeiten; aber trotzdem ist das ganz okay. Die Superbikes waren ein geile Klasse, mit dem gewissen Extra-Kick. Aber jetzt finde ich es auch super, weil alle die gleichen Möglichkeiten haben und damit enger zusammen rücken. Ich bin etwas überrascht, dass man mit dem Stockbike so schnell fahren kann. 2015 war meine Pole-Zeit am Nürburgring 1.24,6 min. Jetzt bin ich 1.24,7 min gefahren, auf Qualifyern. Rennpace war 2015 1.24,7 bis 1.25-niedrig. Jetzt sind wir bei 1.25-Mitte bis 1.26. In der Rennpace also liegt der Unterschied bei einer halben Sekunde bis 8 Zehntel pro Runde.«

Fotos: Buenos Dias

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Gerhard Rudolph, fährt Honda CB 1300 und am liebsten Jethelm mit dunklem Visier.

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