Sachsenring-GP: Michelin-Visite, Teil 1

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Nach grimmig-gruseliger Regenanfahrt zum Sachsenring sitze ich im Hotelzimmer und freue mich auf den Deutschen Motorrad-GP, der am Freitag mit den ersten Trainings beginnt. Samstag ist zweiter Trainingstag, Sonntag das Rennen. Eine Broschüre informiert: Die Rennstrecke, der Liebling aller Sachsen, ist 3,671 km lang, 12 m breit, verfügt über 3 Rechts und 10 Linkskurven, die längste Gerade misst 700 m. 30 Runden beträgt die Renndistanz für die 23 MotoGP-Piloten, dabei werden 110,1 km zurück gelegt.

Bibendum-Hospitality

Den Aufwand, den Michelin als einheitlicher Reifenausrüster in der MotoGP-Klasse treibt, entnehme ich einer Info-Broschüre: 1.200 Reifen werden zu jedem der 18 GP-Termine angeliefert. Personell umfasst das Team: 2 Reifenentwickler, 8 Techniker, 2 Manager, 10 Monteure, 5 LKW-Fahrer und 1 Pressesprecher. Unter Hospitality ist vermerkt »1 Kraft«. Das scheint nicht übertrieben. Kein Koch, keine Haute Cuisine? Bei einer französischen Firma? Ich werde das überprüfen. (Nach dem Check: 1 Kraft, 1 Koch plus Assistent. Und auch nach dem Verkosten – sehr lecker – fiel die Vergabe eines Gasgriffsalat-Gourmet-Sterns sehr leicht…).

Michelin Power Slicks und Regenreifen.

»Der Sachsenring stellt wegen seines ungewöhnlichen Layouts ohnehin spezielle Anforderungen an die Reifen«, sagt Piero Taramasso, Leiter des Zweirad-Rennprogramms. »In diesem Jahr kommt als neue Unbekannte der neu aufgelegte Asphalt hinzu, für den uns keine Daten vorliegen. Testen konnten wir dort auch nicht. Wir sind aber sicher, dass unsere Reifenauswahl auf der neuen Fahrbahnoberfläche gut funktioniert. Die Laufflächenmischungen haben wir aufgrund unserer Erfahrungen ausgewählt. Wegen der fast ausschließlichen Linkskurven verwenden wir wie im Vorjahr Slicks mit einer härteren linken Schulter. Die Bikes fahren einen Großteil der Runde auf dieser Seite, während die rechte Reifenschulter abkühlt. Deshalb muss diese um so weicher sein, damit die Fahrer in der Rechtskurve nach Start und Ziel sowie im Omega und der Wasserfallkurve guten Grip und Traktion haben. Eine andere Herausforderung ist das Wetter. Voriges Jahr ging das Rennen auf nasser Strecke los, dann trocknete es ab. Bei diesen Mischverhältnissen wurden viele verschiedene Reifentypen eingesetzt.«

Montage und Demontage im blauen Palast.

Slick-Kontingent: Für ein GP-Wochenende erhält jeder Fahrer 22 Slick-Reifen und 11 profilierte Regenreifen. Bei den Slicks sind dies 10 Vorderreifen (jeweils max. 5 mit Gummischung A, B oder C) und 12 Hinterreifen (max. 6 mit Mischung A, max. 5 mit Mischung B und max. 4 mit Gummimischung C. Michelin gestattet als minimalen Slick-Luftdruck vorne 2.0 bar und hinten 1,8 bar.

Bei den Michelin Power Slicks, so die offizielle Bezeichnung, stehen am Sachsenring jeweils Soft, Medium und Hard zur Auswahl. Dazu ausnahmeweise (wegen der neuen Asphaltdecke) sogar noch eine vierte Variante. Die Reifendimensionen sind vorne 12/60-17 und hinten 20/69-17. Bei den Michelin Power Rain werden Soft und Medium angeboten. Die Reifendimensionen bei den Regenpneus sind identisch zu den Slicks. Der minimal empfohlene Regenreifen-Luftdruck beträgt hier vorne 2.0 und hinten 1,7 bar.

Regenreifen werden am WE vermutlich jede Menge gebraucht.

Anmerkung: Die maximal zwei Fahrer, die sowohl an Quali1 und Quali2 teilnehmen, erhalten nach Quali2 einen zusätzlichen Hinterradreifen in A-Spezifikation – die Version mit maximalem Grip. Die beiden Fahrer können also bis zu sieben A-Hinterreifen und damit insgesamt 13 Hinterradslicks einsetzen.

Regenreifen-Kontingent: Jeder Fahrer erhält pro GP-Wochenende (freie Trainings, Qualifyings und Rennen) insgesamt 11 Regenreifen. Maximal 5 Vorderreifen, davon max. 4 mit Gummischung A und max. 2 mit Gummimischung B. Dazu maximal 6 Hinterreifen, davon max. 5 mit Gummimischung A und max. 2 mit Gummimischung B.

Besohlte Marchesini-Felge von Bautista.

Falls alle freien Trainings und mindestens ein Qualifying als »wet« (nass) erklärt werden, erhalten alle Piloten einen zusätzlichen Satz Regenreifen. Dann gilt: Vorne 6 Regenreifen (4 in A- und 2 in B-Spezifikation) und hinten 7 Regenreifen (5 in A- und 2 in B-Spezifikation). Und für alle LKW-Chauffeure unter den Lesern: Ein Nachschneiden des Profils ist nicht erlaubt.

Am Freitag ist für ein paar interessierte Beobachter bei Michelin eine Führung mit hoffentlich vielen interessanten Infos geplant; was in der Boxengasse geht, wird man sehen. Augen und Ohren offenhalten lautet also die Devise. Die Pneubäcker-Saga erfährt eine Fortsetzung. In Kürze hier auf www.gasgriffsalat.com.

Temperaturfühler, quasi.

Fotos: Michelin.

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Gerhard Rudolph, fährt Honda CB 1300 und am liebsten Jethelm mit dunklem Visier.

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