IDM 2017: Die neue Supersport 300 Klasse

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Die neue Klasse Supersport 300, die eigentlich für Ein- und Aufsteiger im Rahmen der Superbike-WM erfunden wurde, gibt es nun auch in der IDM. Beim Auftaktrennen am Nürburgring waren insgesamt 21 Starter mit von der Partie, einer auf Kawasaki Ninja 300, alle anderen auf R3-Yamahas. Ein großer Teil des Feldes kommt aus Holland und nimmt als Gaststarter teil, weil dort ein Cup mit dem Stimmgabel-Flitzer organisiert wird. Das deutsche Freudenberg Team aus Bischofswerda betreut mit Max Kappler und Jan-Ole Jähnig zwei Talente. Teamchef Carsten Freudenberg verschafft uns Einblick in diese neue Rennklasse.

Supersport 300-Auftakt am Nürburgring: 23 Starter.

? Dein erster Eindruck dieser neuen 300er Supersport-Kategorie?

Carsten Freudenberg: »Prinzipiell ist es ein richtiger Schritt, weil es bezahlbarer Motorsport ist. Im Rahmen der Superbike-WM ist das Interesse mit 37 Startern sehr groß, Yamaha, Kawasaki und Honda engagieren sich. Die Rennen sind spannend, weil die Fahrer streiten um jeden Millimeter, gehen teilweise zu dritt oder viert nebeneinander in die Kurve rein, weil die Geschwindigkeiten nicht so hoch sind, dafür wird mehr gekämpft, was positiv ist, weil die Youngster so natürlich am meisten lernen. In der IDM sind es zum Auftakt 21 Bikes. Ich finde sie Klasse prinzipiell sehr gut und denke, dass dem Ganzen auch die Zukunft gehört, weil die Moto3 zu teuer geworden ist. Das kann man schon sagen. Für einen Vater, der über ein normales Einklommen verfügt, ist das für seinen Sohn einfach nicht finanzierbar.«

IDM Yamaha R3, rennfertig: 149 Kilo, 41 PS, 175 bis 180 km/h Spitze. Subventionierter Preis: 6.999,-

? Die Eckdaten einer R3-Yamaha in dieser Klasse lauten…?

Carsten Freudenberg: Mindestgewicht 149 Kilo, ohne Fahrer. Das Bike leistet 41 PS, läuft 175 bis 180 km/h Spitze – nur am Nürburgring um 200 km/h, weil durch den Hatzenbach-Bogen geht es bergrunter und lang geradeaus. Wir als Team haben im Auftrag von Yamaha 10 Pakete für eine rennfertige R3 zusammengestellt und angeboten, sieben Abnehmer haben sich dafür gefunden. Damit sind wir total happy, weil man ja berücksichtigen muss, dass die IDM-Termine und viele Dinge drumherum 2017 erst spät bekannt waren. Der Paketpreis beträgt 6.999 Euro und ist subventioniert von Yamaha. Die R3 und alle Rennsportteile entsprechen einem Wert von 11.500 Euro.«

Fahrer aus Holland: Gleiches Motorrad, nur andere ECU-Steuereinheit.

? Die holländischen Gaststarter fahren das gleiche Motorrad?

Carsten Freudenberg »Im Prinzip ja, allerdings mit einem andere ECU-Steuergerät. Damit lässt sich die Einspritzmenge bestimmen. Fett oder mager, je nachdem wo man fährt und wie die Temperaturverhältnisse sind. Dadurch hat das Motorrad etwa 1,5 bis 2 PS mehr. Wir fahren nach FIM-Reglement mit dem Seriensteuergerät, die Holländer verfügen also über einen technischen Vorteil – und haben deshalb eine eigene Wertung.«

Max Kappler: Nach 5 Jahren Moto 3 jetzt IDM Supersport 300.

Eure Fahrer sind….?

Carsten Freudenberg: »Max Kappler und Jan-Ole Jähnig. Dazu in der 600er Supersportklasse Max Enderlein mit einer neuen R6.«

Wie kommt ihr damit zurecht?

Max Enderlein, neue R6: Besser als erwartet.

Carsten Freudenberg: Super. Wir haben das Motorrad erst kurz vor dem Nürburgring geliefert bekommen, Tag und Nacht dran gearbeitet. Es gab vorher keine Testmöglichkeit. Dafür war die erste Reihe mit Platz 3 im Training schon super. Und in den Rennläufen Platz 2 und Platz 3 waren auch top, mehr als erwartet.

? Lupenreine Rennmaschinen, wie viele Jahre zuvor, setzt Ihr nicht mehr ein, nur noch die serienbasierte Motorräder?

Carsten Freudenberg: »In der IDM ja. Im Northern European Cup setzten wir noch Moto3-Rennmschinen von KTM ein, mit drei Fahrern.«

Yamaha R3: Kapplers Teamgefährte Jan-Ole Jähnig.

? Macht es einen Unterschied, ob man Rennsport mit einem »richtigen« Rennbike oder einer Serienmaschine betreibt?

Carsten Freudenberg: »Das ist uns beides recht. Wichtig ist, dass wir spannenden Rennsport betreiben und das auch finanzieren können. Wir sind gerne in der IDM, weil das war schon immer unser Wohnzimmer, in dem wir uns wohlfühlen. Die NEC ist auch eine sehr gute Möglichkeit, auch wenn dort ganz andere Kosten zu bewältigen sind.«

Supersport 300-Klasse: »Geschwindigkeiten sind nicht so hoch, dafür wird mehr gekämpft, was positiv ist, weil die Youngster so am meisten lernen.«

? Die IDM mit der 300er, mit welchen Kosten muss man rechnen für eine Saison?

Carsten Freudenberg: »Ich denke, dass man mit 20.000 Euro auskommt, alles eingerechnet. Die Reifen etwa sind limitiert, man darf nur fünf Stück pro Wochenende fahren, damit kommt man locker hin, auch bei zwei Rennen, weil die Leistung nicht so hoch und der Verschleiss geringer ist. Für die 600er Klasse gehen die Kosten dann schon eher in Richtung 50.000 Euro.«

Max Kappler (vor der Suzuki).

Interview mit Supersport 300-Fahrer Max Kappler

Du bist vor dieser neuen 300er Yamaha bereits Moto3 gefahren, wie lange?

Max Kappler: Fünf Jahre. Zwei in Deutschland, drei in Spanien. 2013 in der IDM war ich Deutscher Meister. In der Junioren-WM war mein bestes Resultat Platz 20. Das war sehr hart. Als Nordeuropäer, wenn man nicht dort wohnt, nicht die Trainingsmöglichkeiten nutzen kann und nicht extrem viel Geld hat.«

Jetzt bist von der Moto 3 umgestiegen in die neue 300er Klasse, was ja schon ungewöhnlich ist. Kannst das Fahren vergleichen?

»Mit der 300er versucht man, weich und rund zu fahren und extrem viel Schwung durch die Kurven mitzunehmen.«

Max Kappler: Alles ist komplett anders. Kurvenspeed und wie man hindurchfährt. Bei der Moto3 bremst man spitz in die Kurve rein, jetzt mit der 300er versucht man, weich und rund zu fahren und extrem viel Schwung mitzunehmen.

? Mehr Leistung, weniger Gewicht, bessere Reifen, oder?

Max Kappler: Genau. Das Bike ist schwerer, hat weniger PS, alles ist weicher ausgelegt. Rahmen und Schwinge, auch die Reifen natürlich. Aber Spass macht es trotzdem.«

Dein sportliches Ziel jetzt?

Max Kappler: Top 3 bis Titel. Ich möchte mich empfehlen für 2018 für die Supersport-300 WM, mit liebsten mit Yamaha natürlich.«

? Wie alt bist inzwischen?

Max Kappler: 19 Jahre, also fast schon zu alt. Jetzt gehe ich ab Sommer wieder in die Schule und mache erstmal das Fachabitur, zwischendurch hatte ich nach der 11. Klasse ausgesetzt. Wo ich herkomme? Aus Oberlungwitz am Sachsenring.«

Fotos: Buenos Dias

 

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Gerhard Rudolph, fährt Honda CB 1300 und am liebsten Jethelm mit dunklem Visier.

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