Handschuhe Klim Induction Short

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Weiss streichelt die Seele, wissen motorradfahrende Philosophen, jedenfalls solange es nicht regnet.

Weisse Handschuhe? Oha. Erster Gedanke: Wie lange die wohl weiss bleiben in der Praxis? Zweiter Impuls: Ist das nicht zu Gaga? Bin ja kein Rockstar, nur der Salatprynz.

Beim Grübeln fallen mit ein paar Weis(s)heiten ein. Weiss streichelt die Seele, wissen alle Frauen, nicht nur motorradfahrende Philosophen. Weiss, lernten wir in der Schule, ist eine Farbe im allgemeinen Sinne. Im engeren Sinne gehört diese, wie Schwarz und Grau, zu den unbunten Farben. Weiss, erläutert Wikipedia, wird im westlichen Kulturkreisen in der Regel mit Begriffen wie Freude assoziiert. Etwa für Hochzeit, Unschuld, Unsterblichkeit oder Reinheit. Weisse Flaggen bedeuten Waffenstillstand oder Frieden. Weisse Tauben gelten als Friedenssymbol. Weisse Motorräder sehen hinreissend aus. Hondas SC59-Fireblade war dafür ein superbes Beispiel. Oder die erste VFR 750 F von 1986, die allerdings Perlmuttweiss glänzte. Weiss gilt gemeinhin als göttlich. Zeus erscheint als weisser Stier, der Heilige Geist als weisse Taube, in Indien werden weisse Rinder verehrt. Weisse Designs, vermitteln Hochschul-Professoren, stehen für Souveränität. Weiss verlangt nach Perfektion, Schwarz überdeckt Nachlässigkeiten, wirkt weniger konturiert. Weiss ist unerbittlich und zwingt Designer, ihr ganzes Können zu zeigen.

 

Mehrere Handschuhe zu haben finde ich normal. Dicke für den Winter, dünne für den Sommer. Zwei Satz sind von Held (geniale Produkte, weiss jeder und darf man sagen, ohne rot zu werden), ein Paar von Dainese und eins von Garibaldi aus Spanien. Die Dainese haben jetzt Löcher an den Fingern, was kein Vorwurf ist, sondern nach ein paar Jahren Gebrauch, für mich zumindest, normaler Verschleiss. Mehr zur Abwechslung bin ich jetzt auf der Website von Klim gelandet und stöbere im Kapitel »Gloves«, ob sich etwas Passendes für meinen Geschmack findet. Klim ist eine Sportartikel-Marke aus den USA, mit Sitz in Idaho.

Harmoniert auch gut mit Schlumpfblau-Leder.

Ich mag Handschuhe mit kurzer Stulpe. Was ich finde bei Klim, heisst »Induction Short«. Das Modell gibt es in Weiss und auch in Schwarz. Pittards-Leder (mit dem Zusatz Armortan), sportlicher Schnitt, kurze Stulpe, Klett-Riegel. Perforiert obenauf für luftiges Klima. Carbon-Schalen für die Knöchel. Verstärkungen mit gedoppeltem Leder an der Handfläche, dazu eine Extra-Polsterung am Handballen. Mir gefällt, was ich sehe. Ich hänge also quasi schon am (weissen) Haken. Den finalen Fangschuss setzt ein Klim-Mitarbeiter in Österreich, den ich zufällig über eine andere Firma kenne, am Telefon: »Das ist auch mein Lieblingshandschuh.«

Perforiert plus Mesh zwischen den Fingern – sommerfreundlich.

Seitdem der Paketdienst meine Klim »Induction Short« zustellte, sind knapp 14 Tage vergangen. Der (leicht vorgekrümmte) Schnitt passt vom ersten Hineinschlüpfen an super, das Leder trägt sich prima, ebenso die Innenausstattung, die Passform ist klasse, auch die Finger sind nicht zu lang. Der Handschuh fährt sich angenehm, sieht gut aus und macht Freude.

 

Hinzufügen lässt sich noch folgendes: Pittards-Leder stammt vom Haarschaf (im Gegensatz zum Wollschaf) einer Kreuzung zwischen Schaf und Ziege, die im Bergland des afrikanischen Kontinents lebt. Das Leder ist weich und angenehm, die Lederstruktur jedoch dichter, was die Haltbarkeit verbessert. Auf der Internetseite www.fingerkleid.de ist dazu zu lesen: »Pittards Spezialleder ist widerstandsfähig gegen Nässe und aggressiven Schweiß – das Leder bleibt auch nach dem Trocknen weich, griffig und schrumpft nicht.«

Scheibenwischer, falls es mal regnen sollte…

Auf den Fingern und im oberen Bereich der Stulpe ist das Leder der Klim-Induction Short perforiert, die Belüftung bei hohen Temperaturen, für die der Handschuh gedacht ist, funktioniert sehr gut. Dazu trägt bei, dass zwischen den Fingern luftdurchlässiges Mesh vernäht ist. Stretchpartien gibt es über dem Handrücken und an den Fingerwurzeln. An der kompletten Innenhand ist nichts perforiert. Pfiffig durchdacht: Am linken Zeigefinger ist ein Wischergummi eingearbeitet, auf Zeige-, Mittel- und Ringfinger reflektierendes Scotchlite-Material – falls man mal in Regen gerät, oder für besseres Erkanntwerden bei Nachtfahrten und Gegenverkehr.

 

Bei vielen kurzstulpigen Handschuhen öffnet sich seitlich ein Einschnitt beim Öffnen des Kletts, um den Einstieg zu erleichtern. Das hat dieser Klim nicht, dafür einen Gummizug in der Stulpe unter dem Klett. Über diese Engstelle muss man den Handschuh beim hineinschlüpfen also drüberziehen. Wenn man diesen Moment zu zelebrieren versteht, wie ein Rennfahrer im Kino oder in der Boxengasse, ist das kein Nachteil, sondern Teil der Abfahr-Prozedur.

Doppel-Like: Luftiger Jet, dazu passende Handkleider.

Wenn man etwas monieren wollte, dann vielleicht, dass am kleinen Finger auf der Außenseite keine gedoppelten Lederpartien aufgenäht sind, so wie es z.B. bei Racing-Handschuhen von Held, Dainese, Alpinestars zu finden ist, um den kleinen Finger im Fall des Falles zusätzlich zu schützen. Furygan vernäht beim Zarco-Modell sogar eigens den kleinen Finger mit dem Ringfinger, um zusätzliche Stabilität zu bewirken. Okay: Aber solange man beim Motorradfahren auf der Strasse nicht alle halbe Stunde einen kapitalen Crash baut, kann man mit dieser einlagigen Lösung sicher gut klar kommen, zumal die zusätzliche Belüftung bei starker Hitze durchaus auch als Benefit gesehen werden kann.

Wie lange meine weissen Klim Induction Short-Handschuhe (sagte ich schon, dass es auch eine schwarze Ausführung gibt?), die übrigens 139,- Euro (UVP) kosten, ansehnlich bleiben? Ich werde es herausfinden. Bin gespannt.

Fotos: Buenos Dias, Klim

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Gerhard Rudolph, fährt Honda CB 1300 und am liebsten Jethelm mit dunklem Visier.

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