Endurance: 8H Oschersleben Pictorial

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Farbenfrohes Line-up: Canepa, Parkes, Reiti, Philippe, Mackels, Black, Stamm, Kerschbaumer usw.

Wie in Le Mans gewann wieder das GMT94 Team mit Checa/Canepa/Di Meglio vor YART mit Parkes/Fritz/Nozane. Nur 30 Sekunden trennte die beiden offiziellen R1-Teams nach 8 Stunden im Renndauer im Ziel, richtig durchatmen konnte keiner zwischendurch, was unterstreicht, dass Endurance heutzutage mehr denn je vollen Hammer und Granada, Flatout und Vollgas bedeutet, als behutsames über die Runden kommen.

Flat out zum Sieg: GMT-R1 unter Niccolo Canepa.

Das GMT-Trio war gesamthaft einen Tick stärker unterwegs, auch wenn Di Meglio nicht ganz den Speed seiner Teamkollegen erreichte, immerhin holte man eine Stop-and Go-Strafe auf, nachdem das Licht beim Boxenstopp nicht ausgeschaltet worden war. Marvin Fritz bei YART war froh, überhaupt dabei zu sein, nach seinem üblen Assen Crash inklusive Koma zwei Wochen zuvor; er bezeichnete sich selbst als zu 90 % fit, erzählte von spürbaren Nachwirkungen an linken Arm und Schulter, Schwindelgefühlen nach dem Aufstehen und Fitness-Trainingsrückstand; und lächelte später ein bißchen erschöpft vom zweiten Podestplatz mit den Kollegen herunter, auch wenn Brock Parkes mit gleich 4 Stints den Löwenanteil des Chauffierens übernommen hatte.

Schenkten sich nichts: Parkes (7/YART) und Canepa (GMT94) brausten vorne weg.

Die Bolliger-Kawa mit Stamm/Saiger/Savary büsste den greifbaren dritten Platz im letzten Moment ein, weil die Maco-Yamaha von Junod/dos Santos/Jerman sich mit praktisch leerem Tank über die letzten Kilometer schleppte (drei Runden glühte die Sprit-Lampe bereits) während das Schweizer-Trio noch einen kurzen Splash & Dash-Tankstopp einschob.

SERT-Suzuki GSX-R 1000: Erst die Führung, dann nach Sturz nur Platz 9. Warum keine neue Gixxer? Relativ einfach: Weil die ganze Rennsport-Entwicklungsarbeit bei Yoshimura zuerst für die japanische Meisterschaft erfolgt, dann für die US-amerikanische, dann für die BSB, und erst dann für die Endurance-WM. Wenn in der Woche nach Oschersleben keine Teile aus Japan bei SERT in Frankreich eintreffen, wird auch in Suzuka noch mit der alten GSX-R 1000 angetreten.

Die SERT-Suzuki führte die ersten vier Runden, baute dann aber schwungvoll einen Crash. Nach der Reparatur folgte eine Aufholjagd und am Ende mit sieben Runden Rückstand Platz 9. An der offiziellen Fireblade (eine neue CBR1000RR SP-2) tauchte zuerst ein Problem am Vorderrad auf, danach klemmte die hintere Radachse beim Boxenstopp, was 4 Minuten kostete; strahlende Mienen löste Platz 10 im Ziel nicht gerade aus.

Ein Ventilschaden warf die japanisch bunte Trick Star-Kawasaki ZX-1oR aus dem Rennen.

Die wunderbare Trickstar-Kawasaki aus Japan wurde nach einem Drittel der Distanz mit abgerissenem Ventil in der Box abgestellt. Von der LRP-BMW, eine Truppe aus Polen, die nach dem Start unter Markus Reiterberger auf dem vierten Platz ihre Runden gedreht hatte, blieb nur ein Haufen verdreckt-verbogenes Metall über, das nicht einmal mehr rollte, sondern von den Streckenposten liegend an Riemen aus dem Kiesbett gezogen werden musste, nachdem Lukas Trautmann nach der Übernahme heftig abgeflogen war. Dominik Vincon, der dritte Fahrer, kam im Rennen erst gar nicht zum Einsatz.

Reiterberger, hier im Sandwich zwischen Canepa und Stamm, hielt den ersten Stint ordentlich mit, obwohl mit dem Reifendruck etwas nicht stimmte und übergab die S1000RR an vierter Stelle an den Teamkollegen.

Große Aufregung: Stop & Go-Strafe für die führende GMT94-Truppe, weil das auch bei Tag obligatorische Licht beim Boxenstopp zuvor nicht ausgeschaltet worden war. Die Führung holte sich die französische Equipe mit der 94 aber wieder zurück und siegte am Ende mit 30 Sekunden Vorsprung vor der YART-Yamaha aus Austria.

Nur mit relativ wenig speziellen Innereien unterwegs: Die offizielle Honda CBR1000RR SP-2 Fireblade.

Die Voelpker NRT48-BMW, hier mit Jan Bühn im Sattel, brauste in der Stocksport-Klasse auf den zweiten Platz und in der Gesamtwertung auf P7.

GMT94 -Teamchef Christophe Guyot beim Mittagessen-Briefing: Mike Di Meglio: Steak-Frites. Niccolo Canepa: Pizza. David Checa: Paella.

Horst Saiger, Roman Stamm: Die Schweizer mit der giftgrünen Bolliger-Granate sausten superknapp am letzten Podestplatz vorbei auf Platz 4. Verflixt, aber trotzdem stark.

33 Teams waren in Oschersleben am Start. 25 Team überstanden das Rennen in Wertung, zwei außerhalb der Wertung, 8 schieden aus. Nur 12.500 Zuschauer über drei Tage wurden angegeben. Die Action hätte mehr verdient, zweifellos.

Jeder normale Mensch hätte sich ins Bett gelegt. Marvin Fritz, vor zwei Wochen nach dem Assen-Crash noch im Koma und bestenfalls zu 90 % fit, steuerte die YART-R1 mit auf P2.

Die verbogene LRP-S1000RR-Kuh nach dem Trautmann-Crash wird aus dem Kies gezerrt.

Komischer Lenker: Der TV-Kamera-Konstrukteur war sicher kein Motorrad-Enthusiast.

Auch die FCC-TSR-Truppe (Platz 5) vertraute noch auf die alte Fireblade.

Endurance-Romantik in der Magdeburger Börde, die nur wenige Zuschauer (12.500 über drei Tage) anlockte.

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Gerhard Rudolph, fährt Honda CB 1300 und am liebsten Jethelm mit dunklem Visier.

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