Café Fahrtwind

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Ampel auf Grün: Mirko Mochettis Café Fahrtwind ist geöffnet.

Mirko Mochetti ist mit dem Café Fahrtwind seit Juli 2003 in Hönningen an der B257 zu Hause, eine Ortschaft weiter war der Biker-Treffpunkt von seiner Mutter Daniela im Oktober 1990 ins Leben gerufen worden. Die Eifel-Region rund um den Nürburgring war immer schon ein Eldorado für Motorradfahrer, aber eine weithin populäre Einkehradresse gab es in jenen frühen Jahren nicht. Bestenfalls irgendwo eine Kurve oder einen Parkplatz, wo sich ein paar Begeisterte hin und wieder zusammen fanden.

 

Die Inspiration hatte sie aus Rom mitgebracht, wo sie mit Mirkos Vater, einem Kawasaki 500 Mach 3-Fahrer, eine Weile gelebt hatte. Zurück in Bonn wurde nach einer Lokalität in der Eifel Ausschau gehalten, um das in die Tat umzusetzen, was sie sich eigentlich selbst wünschte – ein gemütliches Lokal zum Einkehren für Zweiradfahrer, mit passender Atmo, mit Kaffee und Kuchen, mit Kleinigkeiten zum Verzehr, mit Motorradgazetten zum Schmökern, und wo man nicht gleich schief angeguckt wird, wenn man in Ledermontur in die Stube eintritt, ein Visier reinigen oder regennasse Handschuhe trocknen möchte.

Kaffee zum Kuchen? Immer gerne.

Als das Café Fahrtwind vor 27 Jahren am 6. Oktober 1990 eröffnete, schien es, als ob die ganze Szene auf so ein Café gewartet hatte. Das Lokal war gleich in aller Munde und entwickelte sich zu DEM Anlaufpunkt für pausensuchende Motorradfahrer – ein sympathisch-gemütlich-gastlicher Ort, wo man sich auf einer Wellenlänge unter Gleichgesinnten verstehen und wohlfühlen konnte. Das Café florierte, bis 1995 der Blitz einschlug. Daniela, die voller Elan Rennen mit Einzylindern in der SOS-Klasse fuhr, verunglückte schwer bei einem Rennen in Most.

Die wunderbare »Lügenbank«, die sich schon einiges anhören durfte…

Während der langwierigen Genesung brachte Mirko, selber begeisterter Motorradfahrer, der von Anfang an im Café mit aushalf und damals als Sanitär- und Heizungsbauer eigentlich den Meistertitel anstrebte, sich mehr und mehr in das Geschäft ein, um dessen Betrieb zu erhalten. Irgendwann liessen sich beide Tätigkeiten nicht mehr unter einen Hut bringen, also war eine grundsätzliche Entscheidung fällig. Mirko übernahm das Café Fahrtwind von seiner Mutter und konzentrierte sich fortan auf die Arbeit als Gastronom. Eine Weile später erfolgte dann der Durchstart am neuen Standort.

Inzwischen gibt es in der Eifel und rund um den Nürburgring etliche Biker-Kneipen und Lokale. Aber keines ist so namhaft und weithin bekannt wie das Café Fahrtwind. Bei schönem Wetter und an Wochenenden reisst der Besucherstrom nicht ab und dann herrscht auf den 40 Plätzen im Gastraum und 200 Plätzen im Außenbereich ordentlich Betrieb. Natürlich ist an weniger schönen Tagen weniger los, nichts ist schließlich beim Motorradfahren wichtiger als das Wetter; ergo ist bei Mirko und seinem Dutzend supernetten Mitarbeiter/innen immer reichlich Flexibilität gefragt, um die dann anfallende Arbeit zu bewältigen.

Selbstgebacken: Schoko, Käse, Marmor. Plus Erdbeer-Törtchen, Plaumenkuchen und vieles mehr, Jahreszeiten-abhängig, klar.

Ein Typikum im Café Fahrtwind ist, dass der Kuchen zu diversen Kaffees und Tees selbstgebacken wird, bis zum letzten Krümel. Früher gab es eine schnuckelige Geheimtipp-Bäckerei als Zulieferer, die leider irgendwann abgebrannt ist. Weil schmackhafter Ersatz trotz langem Suchen im lokalen Umfeld nicht aufzutreiben war, brachte Mochetti sich schliesslich die Kunst des Kuchen- und Törtchen-Backens mit allerlei alten Rezepten einen Winter lang selbst bei. Wenn der Wetterbericht also viele Kurvenspaß-Suchende erwarten lässt, stapft Mirko seither fröhlich in die Küche und backt, was der Ofen hergibt.

Was es alles zu entdecken gibt, sogar Raptoren.

Wer Handfesteres wie Schnitzel, Suppen, Chili con Carne oder Currywurst mit Pommes wünscht, wird natürlich auch bedient. Wissenswert: Zwei Jahre lang war im Außenbereich auf dem Gelände ein Imbisswagen aufgestellt, um diesen Bereich abzudecken, weil die Befürchtung bestand, dass der Frittenduft das Kuchenglück beeinträchtigen könnte. Inzwischen ist die Küche aber baulich so getrennt eingerichtet, dass weder das eine noch das andere geschmacklich leidet.

Legenden: Toni Mang neben dem Handschuhtrockner-Schrank.

Über dem Eingang ist eine SR 500 als Blickfang befestigt und neben der Tür eine Ampel, die Vorbeifahrenden per Rot oder Grünschaltung vor allem an trüben Wochentagen anzeigt, ob das Café geöffnet ist oder nicht. Aber eigentlich ist immer auf, von Mittags bis Abends, an WE´s natürlich früher, nur Montags ist Ruhetag und geschlossen. Kann sein, dass Mirko dann selbst seine Cagiva Raptor 1000 spazieren fährt. Mit dem aktiven Rennfahren bei Seriensport-Events hat er vor Jahren aufgehört. Unterwegs war er mit Ducati 999, Yamaha R1 und R6 und Suzuki GSX-R 1000.

 

Wer im Café Fahrtwind einkehrt, kann sich allerlei Memorabilia zu Gemüte führen. Die Theke ist ein Mitbringsel aus der ursprünglichen Location, ebenso die »Lügenbank«, auf der schon die abenteuerlichsten Geschichten zum Besten gegeben wurden. Auch der Handschuhtrockner, ein Eigenbauschrank mit Heißluftgebläse und Wäscheleinen, ist noch im Einsatz. Überall schmücken Bilder und Poster und Markenbanner die Wände, eine (nicht mehr fahrtüchtige) Suzuki GT 380 wurde Ram-Air-mäßig in eine Tonne gestopft, eine Wand ist mit Kerbs wie eine Rennstrecke dekoriert, eine Sechszylinder-Kurbelwelle ziert das Regal mit Fachzeitungen, Aschenbecher (aus alten Rauchverbot-Vorzeiten) sind mit verknotetem Ventil und seltsamem Pleueln verziert.

Lektüre-Angebot: Alt wie aktuell.

Ein Motorradausflug in die Eifel ist immer ein Erlebnis. Vor allem auch auf den zahlreichen Nebenstraßen, die es dort zu entdecken gibt. Der Tipp, dazu noch im Café Fahrtwind einzukehren, fällt jedenfalls leicht. Dort im Außenbereich hängen übrigens einige Werbetafeln, auf denen, der schüchterne Hinweis sei erlaubt, nun auch der Gasgriffsalat für einen Farbtupfer sorgt.

 

Info-Link: www.cafe-fahrtwind.de

Fotos: Buenos Dias

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Gerhard Rudolph, fährt Honda CB 1300 und am liebsten Jethelm mit dunklem Visier.

2 Kommentare

  1. Yepp, der Kuchen schmeckt super lecker und vor allem: er schmeckt NICHT nach Zigarettenqualm! Soll es an anderer Stelle ja geben. Mensch, wir werden alt, ist es echt schon 27 Jahre her, seit Daniela das Fahrtwind eröffnet hat!! Aber Mirko, an den Öffnungszeiten bei teilweise schönem Wetter könntest du manchmal noch etwas feilen….
    Fette Grüße, Uli

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