1000 km Hockenheim: Galinski-Interview

0

Am Ostersamstag geht in Hockenheim das 1000 km-Rennen über die Bühne. Mit von der Partie ist wieder Michael Galinski (58). Der Superbike-Meister von 1986 und heutige Teamchef des Yamaha-Deutschland-IDM-Teams beantwortet ein paar Fragen: Zum Stand der Dinge in der Superbike-IDM, zur eigenen Karriere und natürlich zum Seriensport-Klassiker, der zum 42. Male veranstaltet wird.

Michael Galinski war von 1981 bis 2003 aktiv, aber richtig offiziell aufgehört hat er nie. Bei den 1000 km Hockenheim ist der heutige Teamchef und Inhaber der Tuningfirma MGM immer wieder gerne am Start.

? Die Superbike-IDM umfasst 7 Termine, mit der Orga haben die Hersteller das Motorrad Action Team betraut. Wie zufrieden bist Du derzeit mit der Situation für die Saison 2017?

Galinski: «Das lässt sich nicht bewerten, weil es so neu ist. Ich denke, es ist grundsätzlich gut, dass das Action Team es jetzt in die Hand genommen hat. Dass es wohl ein Übergangsjahr werden wird. Weil alles sehr spät finalisiert wurde. Das gilt auch jetzt am Sonntag/Montag für das Einführungstraining am Nürburgring; die Hälfte der Fahrer sind in Le Mans, einige sind hier in Hockenheim, da bleiben nicht mehr viel über. Das ist alles mit der heißen Nadel gestrickt, damit es überhaupt ein Training gibt. Aber egal. Ich bin froh, dass es überhaupt einer macht und bin auch froh, dass die das machen, weil ich glaube, dass sie es können.«

Michael Galinski über die 1000 km Hockenheim: »Es kann trocken bleiben, es kann regnen. Auf jeden Fall ist hier mitfahren besser als Ostereier suchen.«

? Das neue Superbike-Reglement mit einer Klasse, was gefällt Dir, was weniger?

Galinski: »Wir haben ja versucht, am Reglement mitzuwirken. Bei der Yamaha z.B. sind die Serienfelgen aus Magnesium, da kostet der Satz an die 3.000 Euro. Aus Kostengründen sind jetzt Zubehörräder erlaubt, egal welche Marke. Das finde ich gut und vernünftig. Dann ging es um ein Sicherheits-Feature, die Bremspumpe oben, weil fast alle 1000er haben eine 16er Pumpe, die auf der Strasse super funktioniert, aber bei Rennen an Grenzen stösst. Das haben wir durchbekommen, das darf ebenfalls geändert werden. Ansonsten muss ich sagen: Wir waren bei Tests mit dem Stocksport-Motorrad, obwohl man Winter-Testzeiten eigentlich nicht vergleichen kann, in Valencia schneller als vor zwei Jahren mit einer anderen Reifenmarke und einem guten Fahrer wie Max Neukirchner. Also: Ich finde dieses neue Reglement erstmal okay.«

»Florian Alt hat mich schon letztes Jahr überrascht.«

? Deine Fahrer 2017 sind Bastian Mackels und Florian Alt. Was darf man ihnen zutrauen?

Galinski: »Ganz am Anfang gab es für Lukas Trautmann eine Offerte, die er ausgeschlagen hat. Dann habe ich mich mit Mackels kurzgeschlossen, der zuvor auf Augenhöhe, vor allem in Zolder, mit Reiterberger war. Er hatte dann einen schweren Unfall, brauchte seine Zeit, um sich zu finden. Bastian ist ein sehr guter Analytiker, arbeitet prima mit unserem Data-Recording-Mann. Ich mag ihn. Er ist im Moment zwei, drei Zehntel hinter Flo, ist also eine sichere Bank.«

»Florian Alt ist noch stärker geworden, letztes Jahr hat er mich schon überrascht. Auch wenn die Konkurrenz nicht so gross war. Aber er hat viele Rennen gut beendet, ist Vizemeister geworden, hat Marvin Fritz zwar nicht besiegen können, aber er war immer dran und ist jetzt noch schneller geworden. Von Florian bin ich überzeugt, ich glaube, dass er auch einem Reiti das eine oder andere Mal nahe kommen kann.«

? Manager Jörg Breitenfeld ist nicht mehr bei Yamaha. Bedeutet das auch Änderungen für die Superbike-IDM-Aktivitäten?

Galinski: »Das hat mich auch überrascht. Für das IDM-Team ändert sich nichts, weil die Verträge vorher fixiert wurden. Herr Jörg Hoppmann bleibt weiter mein enger Kontakt zu Yamaha Deutschland.«

Deine eigene Karriere begann….?

Galinski: »…1981, in der 500er Viertakt-Klasse, mit einer Laverda. Das waren 6 Rennen, eine Serie ohne Prädikat, ich habe gewonnen. Es gab noch Schiebestarts; das hat immer gedauert, bis die Laverda an war, aber dann lief es. Der Toni Heiler z.B. hatte eine 500er Vierzylinder Honda, war am Start sofort auf und davon, aber ich habe ihn nachher immer eingefangen. Danach die Saison sind kurioserweise die Bradl-Brüder Helmut und Max eingestiegen, aber da war ich schon weg.«

1989 Superbike-DM, Galinski mit der Yamaha FZR750R aka OW01.

»1983 steuerte ich eine Kawasaki für das Motorradhaus Schneider. Ich war der Einzige, der eine 1000er Wes-Cooley-mässig mit Superbike-Lenker hatte, alle anderen waren voll verkleidet. Damit bin ich Vierter der Meisterschaft geworden, daraus hat sich alles spätere in den Pro-Superbike-Jahren entwickelt. Aktiv war ich bis 2003, die letzte Saison war im Boxer-Cup, also richtig ernsthaft mit Vorbereitung und Rennen, weil so richtig offiziell aufgehört habe ich ja nie.«

Eins der MGM-Kunden-Bikes.

Heute leitest das Superbike-IDM-Team für Yamaha. Du bereitest auch Motorräder für Trackday-Fahrer vor…

Galinski: »Ja, meine Firma MGM ist seit 2002 ein Tuningbetrieb, der Motorräder für Rennfahrer und Trackdayfahrer aufbaut, serviziert und überholt. Fertige Motorräder sind genauso möglich wie Umbauten, ECU-flashen, alles was mit Sport zusammen hängt. Eigentlich rührt alles von Motoreninstandsetzung und Leistungssteigerung her. MGM steht für Michael-Galinski-Motoren, alles andere ist daraus erwachsen.«

Der lange Lulatsch 2016 bei den 1000 km Hockenheim.

Du fährst jetzt wieder die 1000 km Hockenheim mit. Zum wievielten Mal?

Galinski: »Kann ich gar nicht sagen. Ich war früher ein paar Mal hier, dann waren 15 Jahre Pause, inzwischen wieder, alles in allem war ich etwa zehn Mal dabei. Die Konkurrenz ist nicht ohne, Hockenheim 1000 km ist immer speziell. Es kann trocken bleiben, es kann regnen. Wir alten Säcke können halt alles so ein bißchen und kommen dann über die Ausdauer zum Erfolg. Natürlich möchte ich aufs Podium fahren, aber gewinnen ist immer schwierig. Auf jeden Fall ist hier mitfahren besser als Ostereier suchen.«

1000 km Hockenheim 2017: Dreier-Team mit Jörg Teuchert und Sarah Heide.

? Du fährt wieder mit Jörg Teuchert, wer komplettiert das Team als Dritter?

Galinski: »Weil Jörg schon lange Sarah Heide unterstützt, die bisher 600er IDM gefahren ist und jetzt umsteigt auf eine 1000er Suzuki, fährt sie jetzt mit uns. Ihr Gixxer ist brandneu und komplett serienmäßig. Sie ist auf der Straße quasi zum Einfahren ein paar Hundert Kilometer hierher gefahren, baut das Nummernschild ab und fährt dann das erste Mal in ihrem Leben eine 1000er auf der Rennstrecke.«

Mörder-Brembo-Kneifer an der R1: Damit bremst es sich etwas komfortabler.

? Dein R1 sieht aus wie ein Ex-IDM-Bike….?

Galinski: »Das ist eine originale R1 M mit ein paar modifizierten Teilen. Ich habe mir z.B. eine komplette Brembo-Anlage vorne gegönnt, die kostet etwa 5000 Euro, weil Hockenheim besteht hauptsächlich aus Gasgeben und Bremsen, vor allem mit dieser Spitzkehre, die eine starke Bremse erfordert. Damit wird das Fahren für mich ein bisschen komfortabler….«

Sieht nur aus wie ein IDM-Bike: Galinskis R1 mit ein paar speziellen Teilen.

Eine alte 750er Yamaha OW01 hast auch noch….

Galinski: »Ja, damit fahre ich demnächst beim Classic-Event am Sachsenring Mitte Juni mit.«

? Angenommen, Du hättest 3 Wünsche als IDM-Teamchef: Welche wären das?

Galinski: »Ich würde mir, auch wenn es schwierig zu finanzieren ist, ein abgespecktes, aber doch eher WM-nahes Superbike-Reglement wünschen. Weil wir aus der IDM-Ecke sonst einfach nicht wegkommen. Für die Fahrer ist der nächste Schritt schwierig, auch für die Teams. Wenn wir Sponsoren haben, sind das nationale. Ich würde mir den einen oder anderen Wildcard-Einsatz wünschen, gerne auch drei oder vier. Ob das fruchtet, ist wieder etwas anderes. Dazu mehr ändern und umbauen zu dürfen. Alles was zu Stocksport tendiert, ist für Tuner wie mich oder Holzhauer uninteressanter. Wir machen unsere Stocksport-Arbeit, wir machen sie gut und auch gerne, aber unser Augenmerk liegt eigentlich auf Tuning und Umbauten.

Zweitens, dass der Sport allgemein professioneller wird, mit mehr Zeitungen und Medien und mehr Aufmerksamkeit für alle. Das führt zum dritten Wunsch, einer Fernseh-Präsenz. Weil ohne TV bleibt es schwierig. Alle sagen immer, schau die BSB an, das ist das Non-Plus-Ultra. Ist es für mich nicht. Wir sind mit der IDM in Assen schneller gefahren. Aber durch ihre Fernsehpräsenz und weil die Briten rennverrückter sind als die Deutschen, haben sie einen anderen Stellenwert in Europa. Dafür wünsche ich mir, wie in früheren Pro-Superbike-Zeiten, mehr Medien und mehr TV-Präsenz, weil ohne das geht es eigentlich nicht.«

Fotos: Buenos Dias

About Author

Gerhard Rudolph, fährt Honda CB 1300 und am liebsten Jethelm mit dunklem Visier.

Leave A Reply