Suzuki GS 450 A Suzukimatic

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Roland und Kerstin mit 3 von 46 Motorradschätzen: Automatik-450er, RE5-Wankel, Suzuki GS 750 L.

Suzuki GS 450 A Suzukimatic. Noch nie davon gehört? Kein Wunder! Gab es Deutschland auch nie zu kaufen. Nur in Amerika 1982 und ´83. Dieses Exemplar hier kam mit einem US-Soldaten aus Georgia nach Germany. Heute gehört die absolute Rarität Kerstin Hornischer und Roland Müller, die in Florstadt leben und über viele Jahre eine private Motorradsammlung mit inzwischen 46 Bikes aufgebaut haben. Die wunderbare Suzuki Wankel RE5, die vor zwei Wochen den Gasgriffsalat schmückte, gehört ebenfalls dem enthusiastischen Duo aus Hessen.

Superrare GS 450 A Suzukimatic.

Roland schildert, wie die beiden der blauen Automatik-Suzi habhaft wurden: »Wir waren mit Freunden auf einer Motorradtour Richtung Vogelsberg und haben in Wetzlar in einer Kneipe eine Pause gemacht. Wir sind mit dem Wirt ins Gespräch gekommen und er meinte dann, dass am Nachbartisch einer sitze, der eine alte Suzuki verkauft. So erfuhren wir, dass es sich um eine GS 450 handelt, die uns interessierte, weil wir damals noch keine in unserer Sammlung hatten. Beim Anschauen stellten wir dann fest, dass es eine GS 450 mit Automatik war. Das Motorrad war früher im Besitz eines US-Soldaten, hatte zuletzt ein paar Jahre auf der Straße gestanden und sah entsprechend mitgenommen aus. Die Motordeckel waren seltsamerweise nur leicht aufgelegt, nicht festgeschraubt, auch die Dichtungen fehlten.«

Cockpit, frisch renoviert.

»Okay, haben wir gesagt, was willste denn dafür? Antwort: Weiss nicht; ich würde die Suzi ja gerne selbst wieder fahrbereit machen, aber ich bekomme es nicht hin. Also schlug Kerstin ihm einen Deal vor: Wir haben eine Yamaha XS 400 zweimal – eine davon tauschen wir, fahrbereit mit frischem TüV gegen diese Suzuki. Das hat unser Zufallsbekanntschaft richtig gut gefallen, so haben wir es dann gemacht.«

Das blaue Wunder – 450er Twin mit Automatik und Kardan.

Daheim in Florstadt wurde das Öl abgelassen, heraus kamen aber bloss 2,5 Liter Wasser. Also nahmen die Zwei den Motor erst einmal aus dem Rahmen, demontierten den Twin, liessen das Gehäuse mit Glasperlen strahlen und bauten alles wieder zusammen. Zunächst funktionierte alles tipptopp, aber auf einer der nächsten größeren Fahrten (ausgerechnet zu einer Schrauberkurs-Schulung für Damen bei Suzuki in Bensheim) strandete die blaue Suzi auf der Autobahn mit einem Motorschaden. Ein Lager der Ausgleichswelle hatte sich verabschiedet und dabei das Motorgehäuse beschädigt.

Ein Reparaturversuch mit Kaltmetall hielt bloß 5 Kilometer. Also wurde in Amerika ein gebrauchtes unteres Motorengehäuse gesucht, gefunden und erstanden. Kerstin, die beruflich im Qualitätsmanagement bei einem Automobilzulieferer beschäftigt ist und hobbymäßig schraubt wie eine Göttin, hat dann alle Teile in das neue Gehäuseunterteil umgebaut, dabei gleich Kurbelwelle und Ausgleichswelle neu gelagert. Seitdem sind 12 Jahre vergangen und die Suzuki schnurrt wie eine Eins.

Automatik-Motorräder sind echte Raritäten. Bei Honda gab es früher eine CB 750 mit Hondamatic, dann noch eine CB 400, die später (wegen der Suzuki) auf 450 Kubik aufgebohrt wurde. Aber nicht mal im Automatik-versessenen Amerika stellten sich damit nennenswerte Verkaufserfolge ein. Nach kurzer Zeit liessen Honda wie Suzuki wieder die Finger von dieser Technik. Rokon, die US-Firma, die eine Weile Offroader mit Automatik auf die Räder stellte, lassen wir mal aussen vor.

Die zweizylindrige Suzuki GS 450 Suzukimatic ist nicht nur wegen des Automatikgetriebes ein seltener Exote, auch der Kardan in dieser Hubraumklasse ist etwas Besonderes. Beim Fahren gilt es sich auf die Eigenheiten des Wandlergetriebes einzustellen. Es dauert stets eine Weile, bis der rund 45 PS starke Twin nach dem Gasgeben auch tatsächlich Vortrieb am Hinterrad entwickelt. Wer alte Automatikautos kennt, kann sich das Fahren ungefähr vorstellen, mit viel Getöse aus dem Maschinenraum, bevor es tatsächlich dann vorwärts geht. Das Fahren mit der Suzukimatic-450er ist also nicht nur anders als alles andere, was man kennt, sondern auf jeden Fall auch sehr unterhaltsam.

Wie bei modernen DCT-Bikes von Honda fehlt bei der Automatik-Suzuki der Kuppungshebel, dafür gibt es eine Festellbremse, damit das Bike an schiefen Ebenen am Fortrollen gehindert werden kann, weil im Stand ja kein Gang eingelegt ist. Über den Fußschalthebel werden eingelegt: Leerlauf, Low (oder Langsam)-Fahrstufe und D-Fahrstufe. Den ganzen Rest regelt die Suzukimatic des Twin-Triebwerks.

Die Suzuki GS 450 A Suzukimatic ist eine von etlichen Perlen der Motorradsammlung von Kerstin und Roland Müller, die ein besonderes Faible für Softchopper pflegen. Die Suzuki GS 750 L von Kerstin, eines ihrer Lieblingsmotorräder, neben einer CM 450 E Honda und einer Yamaha XS 650 Special, stellen wir im nächsten Beitrag vor über die »Chopperscheune«, wie das Duo die private Motorradsammlung zu nennen pflegt.

Irgendwas ist immer: Kerstin schraubt wie eine Göttin, gemütlich im Hof und an der frischen Luft. Vorne die Automatik-Suzi und hinten ihre GS 750 L, die im Salat dann als nächstes an die Reihe kommt.

Fotos: Buenos Dias

Info-Link (im Aufbau): www.chopperscheune.de

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Gerhard Rudolph, fährt Honda CB 1300 und am liebsten Jethelm mit dunklem Visier.

2 Kommentare

  1. Schöner Bericht, flüssig und gut geschrieben.

    Einziges Schmankerl: Wir sind zwar verheiratet, aber trotzdem heißt Kerstin abweichend Hornischer. Das emanzipatorische Durcheinander schlägt zu.

    Grüße
    Roland Müller (verheirateter Müller)

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