Nach Spanien in den Kreisverkehr

0

Gasgriffsalat-Freund Egbert Schwartz aus München schildert uns hier, warum es ihn und Tochter Katharina mitunter nach Spanien zieht, gerne auch über Ostern:

Es ist ein verregneter Sonntagnachmittag in entspannter Ruhe, aus der mich die Mail meiner Tochter reißt: »Hast Du an Ostern schon was vor, ausser Eier suchen und essen?« Es ist die rethorische Frage mit dem obligatorischen Nachsatz: »Ich möchte mal wieder ganz schnell im Kreis fahren.« Aragon und Alcarraz stehen dabei ganz oben auf der Wunschliste.

Destination Paddock: Wie praktisch, wenn die Aprilia gleich mit ins Heck des Hobby-Wohnmobils passt.

Das kommt Ihnen spanisch vor? Na gut, ich übersetz das mal ins Deutsche. Erstens: Meine Tochter Katharina liebt es, schnell im Kreis zu fahren. Schon als kleines Kind hatte sie ein Faible dafür: Sie jauchzte vergnügt aus ihrer Sitzschale im Beiwagen unserer Moto Guzzi, wenn wir einen Kreisel drei bis viermal zügig durchrundeten. Ihr Spaß daran ebbte nicht ab. Im Gegenteil, sie konnte nicht genug davon kriegen. Später auf dem Soziussitz und schließlich, mit 16 Jahren, auf ihrer eigenen kleinen Maschine – einer Aprilia RS 125. Damit kreiste sie zügig. Zunächst auf der Straße, aber schon bald nur noch auf der Rennstrecke. Vier Jahre lang war sie mit ihrer zum Racingbike umgebauten Aprilia im ADAC Junior Cup unterwegs.

Kathi und ihre rote Junior-Cup-Aprilia.

Zweitens: Spanien ist Kathis Lieblingsnation. Sie mag die entspannte Atmosphäre, die Lässigkeit der Iberer, ihre ungefilterte Begeisterung für den Motorsport, ihre MotoGP-Stars wie Marc Marquez und Dani Pedrosa sowie natürlich die vielen kleinen und großen Rennstrecken im Land. Eine wirklich reichliche Auswahl, wir waren während und nach Kathis aktiver Cup-Zeit in den Winterpausen zum Trainieren dort. Jetzt arbeitet meine Tochter als Physiotherapeutin auf Mallorca. Und genau von dort aus möchte sie also nun zu Ostern mit dem Flieger mal eben schnell aufs Festland herüberhopsen, um mit ihrer Aprilia RS 125 auf den Rundkursen des „Motorland Aragon“ bei Alacaniz sowie des 150 km weiter nordöstlich gelegenen Alcarraz dem Spaß des schnellen Kreisfahrens zu frönen. Mein Job ist es nun, ein Reisemobil mit Garage zu organisieren, die Aprilia samt Ersatzteilen plus Reservemotor sowie unseren Mechaniker und Zweitakt-Experten Albert hineinzupacken und alles zusammen nach Barcelona zu speditieren, um Kathi dort vom Flughafen abzuholen.

Zielen, reinrollen, verstauen – easy. Immer dabei: Alberts helfende Hand.

Das optimale Reisegefährt für unsere österliche Hobby-Unternehmung ist – nomen est omen – ein Hobby Optima de Luxe T 70 GE mit Premium Heck. In dessen geräumige Garage mit tragfähigem Heckrahmen packen wir die handliche, gerade mal 72 cm breite, 110 cm hohe sowie knapp 105 kg leichte Renn-Aprilia nebst 50 Liter-Spritfass, Werkzeugkiste und dem restlichen Equipment mit überlegt logistischer Sortierung perfekt passend hinein. Kühl-, Geschirr-, Kleiderschrank und Tank gefüllt, Albert auf dem Beifahrersitz festgeschnallt. Schon kann’s losgehen. Die knapp 2.000 km Strecke nach Barcelona bewältigen wir stressfrei in eineinhalb Tagen und nehmen Kathi an einem sonnigen März-Vormittag der Vor-Osterwoche am Flughafen Barcelona in Empfang.

Sie freut sich uns zu sehen, und natürlich ihre »Kleine«. Die hat sich Zweitakt-Experte Albert noch ein bisserl zur Brust genommen, Motor, Vergaser, Fahrwerk optimiert. Kathi ist nun Frau über rund 45 Pferdestärken, die trockene 105 Kilogramm beschleunigen sollen.

Macht immer wieder Spass: Unbeschwert Kreise ziehen.

Erste Kreiselstätte ist die Motorland-Aragon-Piste, auf der seit 2010 MotoGP-Rennen abgewickelt werden. Kathi kennt und liebt die über fünf Kilometer lange Asphaltschlange und zirkelt die Aprilia RS mit den Albert’schen Verbesserungen innerhalb des drei Tage langen Trainings gute acht Sekunden schneller um den Kurs als im vergangenen Jahr.

Irgendwas ist doch immer: Egbert @ work.

Ebenso zügig umrundet sie den vergleichsweise kleinen Circuit bei Alcarràs, dessen engere Kurvenfolge der handlichen 125er noch etwas mehr liegt als die schnelle MotoGP-Strecke. Hier beißen sich die stärkeren Bikes in den engen Passagen schon mal die Zähne an dem roten Giftzwerg mit der Start-Nr. 34 aus.

Auf der WM-Strecke in Barcelona rollt die Aprilia dann bereits am frühen Vormittag mangels Zündfunken aus: Ein ominöser Elektrikschaden, den Albert vor Ort nicht diagnostizieren kann. Erst zuhause in der Werkstatt entdeckt er einen simplen Kabelbruch und kann ihn schnell reparieren. Einmal dürfen Sie raten, wo Kathi schon bald wieder im Kreis fahren will?

Motorland Aragón Das nahe der Stadt Alcañiz gelegene Motorland macht seiner Bezeichnung alle Ehre: Rund um die Rennstrecke sind eine Kart- und Supermoto-Bahn, ein MotoCross- sowie ein Offroad-Parcours angelegt – ein wahres Eldorado für Motorsport-Fans aller Sparten. Das MotoGP-Layout hat eine Länge von 5.345 km. Infos: www.motorlandaragon.com

Circuit d’Alcarràs Der anspruchsvolle Rundkurs liegt in der Provinz Lleida in Katalonien. Die 3.743 km lange Rennstrecke ist Austragungsort für nationale Rennen. Im Areal befindet sich zudem eine 1.017 Meter kurze Kart- und Supermotobahn. Infos: www.circuitalcarras.cat

Circuit de Barcelona-Catalunya Auf der 1991 eröffneten Strecke in der nördlichen Barcelona-Peripherie Montmeló findet jedes Jahr der Formel 1-GP von Spanien statt, seit 1996 ist der mit schnellen Kurven gewürzte Kurs auch Austragungsort des Motorrad-GP von Katalonien. Die Zweiradvariante ist rund 4,5 km lang. Info: www.circuitcat.com

Renntrainings

Der Ablauf eines solchen Trainings ist relativ simpel: Man meldet sich bei einem der vielen Veranstalter an (www.rennstrecken.tv), überweist den Betrag und darf dafür pro Tag etwa sechs bis neun Turns à 20 Minuten fahren. Je nach Erfahrung und Können stuft man sich in einer Gruppe (Neuling, Sportfahrer, Racer) ein. Einsteiger am besten mit Instruktor auf die Strecke.

Text und Fotos: Egbert Schwartz

About Author

Eggi

Leave A Reply