Bonneville DVD-Tipp: Out of Nothing

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Bonneville in Butzbach, brühwarm auf hessisch verzählt, im ersten Stock, so ähnlich war´s.

Zur Vorgeschichte mit Glühwein, Lebkuchen und der V4-Winter-Honda geht´s hier.

Ich sass also da wie festgedübelt im ersten Stock in der Butzbacher Männer-Höhle, löffelte Käsekuchen von der Omi des Ducati-Fahrers und lauschte eben diesem, der vom Erlebnis aus einer fernen, kryptischen, unwirklichen Welt und seinem Tripp nach Bonneville erzählte. Wie er diesen Burt-Munro-Indian-Film gesehen hatte und als alter Racer beschloss, nach Utah zu diesem Landspeed-Event nach Amerika zu fliegen, nur mal gucken natürlich. Von der bizarren Weite dieser Mondüberfläche, die das Naturwunder Salt-Lake im Glitzer-Sonnenlicht bereit hält, wenn nicht gerade ein Unwetter das halbe Fahrerlager wegpustet. Von der Vielfalt des Reglements, unzähligen Klassen und den irren Bike-Konstruktionen, die daraus erwachsen. Von all den Enthusiasten, die dem Salzsee-Fieber verfallen sind, das ganze Jahr über an ihren Untersätzen schrauben und dann eine Woche lang während der »Bonneville Motorcycle Speed Trials« Rekordträumen hinterher jagen. Von der familiären Atmo, wie sich alle helfen gegenseitig, von der Freundlichkeit und Offenheit, die einem als Tourist widerfährt, wenn man aus geziemter Entfernung beim Schrauben zusieht. Wie man einladende Sprüche hört wie »Komm ruhig näher, dann siehst Du besser« oder zu Barbecues jeden Abend am Motel-Parking quasi zwingend eingeladen wird.

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Jolly Jumper im exotischen Kleid, Rainer mit Carmen und »seiner« Rekord-Monster-Turbo-Ducati.

Wie dieses unbeschreibliche, skateboardflache Ducati-Doppelmotor-Bike nicht wie gewünscht performte und wie Mark Bjorklund von Super Rat Racing sagte: »I am missing one motor« und Rainer seine Hilfe anbot. Wie er den Elektronikhund in den Desmo-Eingeweiden fand und verjagte, dazu ein paar Kleinigkeiten fixte, Marc dann mit über 200 Meilen (rund 320 km/h) zu einem neuen Rekord donnerte und das Team ihn als »german wizard« umarmte und mitfeierte. Und wie er anschließend noch an einer Turbo-Monster-Duc herumschraubte, bis diesem die Flausen ausgetrieben waren und Rainer gefragt wurde, ob er nicht selbst damit fahren wolle, was er sich als ewiger Racer natürlich nicht nehmen liess – mit geliehenen Klamotten, passend getaped und komischem Schuhwerk – quasi als Zucker obendrüber, im allerletzten Run einen Rekord in seiner Klasse schaffte, als Rookie auf dem Salz.

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10 Euro, bei Amazon: DVD über Marc Bjorklund und seine Super Rat Racing-Kumpane anno 2013: Out of Nothing – Der Traum vom schnellsten Bike der Welt

Eigentlich drehte sich an diesem Samstag bei RK-Racing ja alles um Glühwein und Kekse, aber als Rainer dann seinen Dynojet-Prüfstand den Leuten vorführte, zog ich mir noch ein paar Minuten von dieser Out-of-Nothing DVD rein, die einen Einblick vermittelt von dem Bonneville-Event und den Membern von Super Rat Racing, also Marc und Bruder Carl Bjorklund und Jason Omer und Bill Woods. Alle sind dem Salz-Speeding mit Haut und Haaren verfallen, alle bauen ihre Bikes mit viel Phantasie und in typisch amerikanischer Freestyle-Handwerkskunst selber, praktisch Out of Nothing, also aus dem Nichts. Carl braute ein blechverschaltes Gerät, dass er »Eiersalat« nennt, Jason steuert einen V-Twin mit überlangem Radstand plus skuril zweigeteilter Verkleidung. Bill hat einen 500er MX-Zweitakter auf ein Rohr-Bügelbrett geschnallt.

Marc´s Kreationen gingen zunächst querbeet durch den Tuninggarten, mit zwei und vier Takten von Yamaha und Ducati. Von seiner Zweimotor-Ducati und allem, was dieses Jahr passiert ist, mit Rainers Zauberhänden-Input, ist auf dieser DVD von 2013 noch nichts zu sehen. Aber das macht gar nichts. Zu Hause habe ich mir bei Amazon diese »Out of Nothing« Scheibe für 10 Euro bestellt und als sie da war, gleich in voller Länge reingezogen. Und wieder sass ich da wie angedübelt, 90 Minuten lang. Verdammt. Kann es sein, dass dieses Salz-Fieber ansteckend ist und man da eigentlich unbedingt mal hin müsste? Mmmh.

Ganz zum Schluss noch ein Video via Youtube mit Marc Bjorklund. Es ist kurz und auch nur von 2014, aber man bekommt einen sehr guten Eindruck des extremen Doppelmotor-Ducati-Höllenteils, mit dem er einen ersten Rekord mit 194,654 Meilen schaffte und heuer den ersehnten über-200-Meilen-Rekord aufstellte.

Fotos: Buenos Dias

Video von Bonneville-Stories via Youtube

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Gerhard Rudolph, fährt Honda CB 1300 und am liebsten Jethelm mit dunklem Visier.

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