Jethelm mit langem Visier: HJC RPHA Jet

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Saft und Kraft: Dicke 13 und ein ordentlicher Jet-Helm mit langem Visier passen gut zusammen.

Als einst die Integralhelme (von Bell) auftauchten, war ich begeistert von dem spacigen Look. Vollvisierhelm sagte man früher dazu. Jacky Ickx war der Erste in der Formel 1 damit. Auf meiner Honda SS 50 trug ich einen normalen offenen Helm, also fing ich alsbald übermütig an, mir einen Integralhelm selbst zu bauen. Ich bog und verlötete ein Drahtgerüst, außen sollte Balsaholz drauf, dass ich rund verschleifen und lackieren wollte, das war zumindest der Plan. Die Innenausstattung erwies sich aber letztlich als unüberwindbare Hürde, also stoppte ich mein Unterfangen, sparte eine Weile und fuhr dann aus dem Ruhrpott nach Dortmund zu einem Zubehörladen namens »Wüdo«, um einen damals halbwegs erschwinglichen Römer-Vollhelm zu kaufen. Eine ganze Menge Jahre sind vergangen seither, und eine respektable Zahl an Integralhelmen etlicher Marken kam bei mir zusammen, wobei nie der Wunsch nach einem offenen Jet-Helm aufkam, wohl weil die Cruiser- oder Goldwing-Schiene nie im Raume stand, bei denen man solche Hüte vielleicht aufgesetzt hätte.

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HJC RPHA Jet: Carbon-Aramid-Fiberglas, Doppel-D-Verschluss, klares + dunkles Visier, 349,90 Euro.

Irgendwann probierte ich einen Jet-Jelm mit langem Visier aus und bin bei dieser Bauart hängen geblieben. Ich hatte ein dickes Naked-Bike mit feinem Cockpit und schönem Tank, unter dem der Motor hervor lugte, nur war davon wenig bis nichts zu sehen beim Fahren. Das war mit dem offenen Deckel viel besser. Man braucht nicht mehr den Kopf senken, um die Instrumente abzulesen. Man bekommt etwas mit von der Tankskulptur und dem Zylinderkopf rechts und links. Der Blick nach vorne beim Jet-Helm mit langen Visier hat Cinémascope-Qualität, die Aussicht ist breiter, höher und viel schöner. Nur mit den Augen kullern, anstatt wie durch ein Bullauge von innen nach außen zu schauen, das gefällt mir bis heute. Die Wahrnehmungsqualität ist intensiviert, so in etwa, auch wenn das jetzt vielleicht etwas gestelzt klingt.

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Hochwertige Jet-Hüte mit langem Visier: Arai SZ-Ram3, HJC RPHA-Jet

Nach drei Arai-Jets (SZ, SZ-m, SZ-RAM3) fahre ich seit einem halben Jahr einen HJC RPHA Jet und bin ehrlich angetan. Der aus Carbon-Aramid-Fiberglas-Verbundgewebe gefertigte HJC RPHA Jet ist in der Größe XL mit 1.245 Gramm angenehm leicht, Passform und Tragekomfort sind prima (bei meinem Kopf zumindest), die Visiermechanik gleitet beim Öffnen geschmeidig über 6 Stufen und der Visieraustausch ist im Handumdrehen erledigt – die Hebel an der sogenannten RapidFire-Verschlußmechanik auslösen und mit Austauschvisier wieder einklicken lassen, einfacher und praxisgerechter kenne ich das nicht.

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Praxisgerechte Visiermechanik: Entriegeln, abnehmen, neue Scheibe einrasten lassen. Ratz-Fatz.

Das Thema Überkopfbelüftung, im Sommer immer angenehm, ist auch clever gelöst. Die Lufteinlässe beim HJC RPHA sind nicht einfach obenauf platziert, sondern auf Sicken gesetzt und extra schmal gehalten, um ein Anwachsen des Luftwiderstand zu verhindern. Hinten ist noch ein Abrißspoiler angesetzt. Die Aerodynamik jedenfalls funktioniert sehr gut – der Helm fährt leise und ohne Druck auf der Birne durch den Wind, auch im Bereich zwischen 150 und 200 km/h bleibt der Druck eher gering.

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Wenig Winddruck, weil die verschließbare Überkopfbelüftung schön schmal ausfällt. Prima.

Wichtig ist mir ein Doppel-D-Riemenverschluss, den hat der HJC RPHA Jet. Auch ein schöner Zug: Transparentes Antibeschlagvisier und ein dunkel getöntes Visier gehören zum Lieferumfang. Zum Visier lässt sich noch anmerken, dass es dicht anliegt, Wassereinbruch bei Regen von oben ist also kein Thema, auch an den Seiten erfolgt der Übergang zur Helmschale sehr glatt. Egal, welches Tempo man fährt: Wenn das Visier geschlossen ist, zieht es nicht von unten rein. Auch kann man den Kopf drehen und wenden, wie man man will, das Visier öffnet sich nicht von selbst. Mit Beschlagen hatte ich nie ein Problem, egal bei welchem Wetter. Zu Verarbeitung und Lackqualität kann ich noch hinzufügen: Rundum gediegen, wie bei jedem Integral-RPHA auch.

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Doppel-D-Verschluss soll schon sein. Pfiffige Idee auch: Reflexfolie im Nackenpolster.

Noch ein Punkt, der einem speziell als Brillenträger gefällt: das problemlose Auf-/Absetz-Handling, kein andauerndes Gefummel mehr beim Einfädeln oder Abnehmen des Brillengestells durch das Sichtfeld, Schluss mit unbeabsichtigtem Verbiegen oder Ablegen auf der Sitzbank, von der die Sehhilfe so gerne zu Boden fallen will. Klapphelme können das auch? Stimmt, aber bei den Klappdingern guckt man wieder so von innen nach außen durchs Bullauge, nein Danke.

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In Japan oft zu sehen: Fette 13, feiner SZ-RAM3. In D bietet Arai 2017 keine Jets mehr mit langem Visier an.

In Japan sind hochwertige Jet-Helme mit langem Visier weit verbreitet. Auch unter Big-Bikern. In Frankreich, Italien und Spanien sieht man diese ebenfalls häufiger. Jedenfalls mehr als bei uns in Deutschland. Mit der Custom-Welle sind zwar auch Jet-Helme salonfähiger geworden. Komischerweise aber keine mit langem Visier. Entweder sind diese ganz offen, mit altertümlicher Motorradbrille oder einem Bubble-Shield, dass angeknöpft wird wie in den Sechziger Jahren und sich nicht öffnen lässt. Auf einem ausgewachsenen Motorrad möchte ich mir diese Varianten lieber nicht vorstellen.

Preisgünstige Jets für Roller- und Kleinzeugfahrer finden sich überall. Qualitativ hochwertige Jet-Helme zu finden, ist schon kniffliger. Arai bietet im Programm für 2017 in Deutschland überhaupt keinen Jethelm mit langem Visier mehr an. Einen HJC-Händler zu finden, der einen RPHA Jet auf Lager vorhält, ist gar nicht so einfach, weil bei dieser Sorte Helme die Nachfrage nicht so groß ist. Immerhin ist Bestellen problemlos möglich, denn Importeur HJC Germany führt diesen Helmtyp auch weiter nach Deutschland ein, zum Glück, wie ich finde.

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Manchmal ja doch integral, als Ausnahme, die die Regel bestätigt.

Mitunter setzt es erstaunte Blicke. »Du fährst einen Jet-Helm? Ist das nicht riskant?« Nöö, antworte ich dann und füge schon mal hinzu, dass ich noch einen Integralhelm habe, einfach um abzukürzen, auch wenn ich diesen nur bei (seltenen) Rennstreckenausflügen oder zu bestimmten Gelegenheiten aufsetze. Es ist einfach so, dass ich glaube, dass man einen Jethelm auch auf einem ausgewachsenen Motorrad verantworten kann, wenn man nicht alle Nase lang aus dem Sattel springt. Nichts liegt mir ferner, als irgendjemand zu überreden. Ich fahre einfach gerne Jet-Helm mit langem Visier. Geringes Gewicht, tolles Panorama, leichtes Auf- und Absetzen – plus, habe ich noch gar nicht erwähnt, den luftigen Komfort an heißen Tagen. Mir taugt das, das ist alles.

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Espresso in Ehren kann ein Jet nicht verwehren (oder so). Gut sichtbar hier auch: Der Spoiler hinten.

HJC RPHA Jet in Metallic CR Silver

Material: Karbon-Aramid-Fiberglas-Verbundgewebe. Oberkopfbelüftung: ACS-Windkanal-System mit nach hinten gerichtetem Luftstrom. Innenausstattung: Auswechselbares COOL4EVER-Leichtfaserfutter mit antibakterieller Ausrüstung. Visier: Antibeschlag-Visier. Dunkelgetöntes Visier im Lieferumfang enthalten. Kinnriemen: Doppel-D-Verschluss. Größen: XS/54-55, S/55-56, M/57-58, L/58-59, XL/60-61, XXL/62-63. Farben: Anthrazit, Silber, Schwarz, Weiss, Mattschwarz plus mehrere Dekors. Gewicht: 1.250 Gramm. Gemessenes Gewicht in Größe XL: 1.245 Gramm. Prüfnorm: ECE 22.06. Preis: 349,90 Euro. Garantie: 5 Jahre

Info-Kontakt: www.hjc-germany.com

Fotos: Buenos Dias

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Gerhard Rudolph, fährt Honda CB 1300 und am liebsten Jethelm mit dunklem Visier.

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