Herwehs 1982er TZ 350-Yamaha

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Dottergegelbe TZ 350 vor der Übergabe, IDM-Paddock, Hockenheim 9/2016

Diese historisch wertvolle Schüller-Yamaha TZ 350 steht jetzt in der Race Bike Collection im Technik Museum in Speyer. Mit dem dottergelben Production Racer gewann Manfred Herweh 1982 den letzten WM-Lauf in der 350er Klasse in Hockenheim beim Großen Preis von Deutschland mit 0,37 Sekunden vor Toni Mang auf Kawasaki. Es war der erste GP-Sieg für den Lampertheimer, kurioserweise bei seinem ersten Grand Prix überhaupt; in der 250er Klasse landete Doppelstarter Herweh am gleichen Tag, es war der 26. September, auf Platz 7.

 

Manfred Herweh hatte 1976 mit einer Maico 250 angefangen, 1978 folgte ein Intermezzo im damaligen Suzuki GT 250-Cup. 1979 pausierte er wegen Geldmangel, aber anschließend entwickelte er sich zum Senkrechtstarter und Riesentöter zugleich. In der Deutschen Meisterschaft gewann er 1982 nach kurzer Anlaufzeit den 250er und den 350er DM-Titel gegen Martin Wimmer, der damals auf dem aufsteigenden Ast war und den deutschen Yamaha-Importeur unterstützend im Rücken hatte.

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Monza-GP 1983; Herweh auf der Real 250.

Nach dem GP-Erfolg stieg der gelernte Fernmeldeelektroniker mit 28 Jahren fulltime in den GP-Zirkus ein. 1983 und 1984 steuerte Herweh eine 250er Rotax im Bakker-Fahrwerk, die nach seinem Hauptsponsor »Real 250« tituliert war. Fünf 250er WM-Läufe gewann er damit und sauste 1984 als Vize hinter Christian Sarron nur knapp am WM-Titel vorbei. Seine letzte Titelchance büsste er mit einem Sturz beim Silverstone-GP ein – in Führung liegend , also mit wehenden Fahnen quasi.

1985 setzte Herweh mit HB-Unterstützung eine Aprilia 250 ein, bis ein unverschuldeter Autounfall die Saison verkorkste. Als Privatfahrer mit einer 250er Production-Yamaha folgten zwei eher harzige Jahre, danach hängte der quirlige Hesse den Helm an den Nagel und betreute eine Weile den Schweizer Bernard Haenggeli in der 250er WM.

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Salzburg 1983, zwischen de Radigues und Sarron. Insgesamt gewann Herweh 6 Grand Prix-Rennen.

Die legendäre blau-weisse Real 250 steht schon länger in Sinsheim im Technik-Museum. Zur Übergabe der dottergelben Ex-TZ 350 vom jetzigen Besitzer Hans-Peter Loda an Franz Rau vom Speyrer Museum beim IDM-Finale in Hockenheim kreuzte Herweh nicht auf. Einer seiner Mechaniker von einst, der vor Ort war, erzählte, dass Manfred mit Rennsport schon länger eher nichts mehr am Hut hat. So kann es gehen.

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Die bildschöne Aprilia wurde 1985 spät erst im April ausgeliefert: »Deswegen heisst sie ja Aprilia.«

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Manfred Herweh 1986/87 als Yamaha-Privatfahrer.

Herwehs Rennfahrer-Karriere währte nicht allzu lange, aber sie war brillant; er war extrem schnell, ziemlich  selbstbewusst, schlagfertig, gerne auch lustig, jedenfalls nie mundfaul und technisch bewandert, er präparierte seine Technik wie besessen immer in Eigenregie. Was nicht funktionierte, war für ihn WOFTAM – »waste of time and money«. Und als seine Werks-Aprilia 1985 extrem spät ausgeliefert wurde, es war bereits April, meinte er trocken: »Deswegen heisst sie ja Aprilia«.

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Silverstone-GP 1984, Real 250-Racer. Noch kann Mechanikus Lukas Schmidt lachen.

Hinweis: Das Technik Museum in Speyer ist täglich von 9 bis 18 Uhr geöffnet, am Wochenende und an Feiertagen von 9 bis 19 Uhr. Info: www.Technik-Museum.de

Fotos: Buenos Dias

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Gerhard Rudolph, fährt Honda CB 1300 und am liebsten Jethelm mit dunklem Visier.

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