Gradinger-Durchbruch: Doppelsieg in IDM 600

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Unbekümmertes Trio, 1000 km Hockenheim, Ostern 2015: Gradinger, Tulovic, Fritz.

Im Frühjahr 2015 rührte bei den 1000 km in Hockenheim das Trio Marvin Fritz/Lukas Tulovic/Thomas Gradinger in der 600er Klasse um. Jeder hatte (s)eine R6 mitgebracht, bei den Boxenstopps und zwischen den Stürzen wurde nur der Transponder getauscht. Es war bitter kalt und nass und alle in Boxengasse jammerten, nur bei den Youngstern herrschte freudig aufgekratzte Stimmung. So in der Art Winter vorbei, Hurra, endlich wieder Angasen, voller Hammer und Granada. Kälte und Glätte waren egal. Die Atmo in der Box war blendend, wie es halt geht, wenn junge Wilde Spaß haben. Die Drei hatten eine Riesen-Hetz, das sah ein Blinder mit dem Stock, und teuflisch schnell waren sie obendrein.

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Thomas Gradinger, Superstock 600-IDM 2016

Fritz war mit 21 quasi der Senior und schon 600er IDM-Champ. Der spaghettidürre Tulovic war 16 oder so und hatte im ersten KTM-Junior-Cup als Vize auf sich aufmerksam gemacht. Der gleichjunge Gradinger hatte eine Saison in der neuen Moto3-IDM hinter sich, war aber, weil da keine 10 Leute am Start waren, schwer einzuschätzen, trotz zweier Podestplatzierungen. Ich wusste, dass der Schlaks aus Austria Lehrling bei KTM war; dass er von klein auf Minibike, Supermoto, Junior-Cup-Bike und anderes Zeugs bewegt hatte, wusste ich nicht, woher auch.

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»Ein Wahnsinn, ich musste eigentlich nur sitzen bleiben.«

Jedenfalls geigten die unbekümmerten Drei schmerzfrei auf, wie man es selten zu sehen bekommt und siegten am Ende trotz zweier Stürze. Inzwischen sind wir zwei Saisons weiter. Fritz hat heuer die deutsche Superbike-IDM-Krone erobert und dazu in der Endurance-WM beim YART-Team schwer beeindruckt. Tulovic startet nach einer starken Yamaha-Cup-Saison (Vize) inzwischen in der spanischen Moto2 und wird dort auch 2017 weiter fahren, um vielleicht in der WM einmal eine Tür aufzustossen. Auch Gradinger hat sich in Spanien in der Moto2 versucht, ist nun aber in Deutschland in der Supersport-IDM gelandet, beim Buchner-Team.

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Nase vorn: Gradinger, Meister Schouten, Stange, Prokop, Buchner, Wahr.

Eine Handverletzung in Zolder setzte den Österreicher außer Gefecht, seither aber läuft es wie geschmiert. Zweiter in Assen nach toller Aufholjagd, in der Lausitz wieder Zweiter und um Haaresbreite am Sieg vorbei, und nun gleich zwei Laufsiege hintereinander beim Finale in Hockenheim. Wird der Bursche nun langsam unheimlich? Zum Glück nicht.

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Gradingers erster IDM-600-Sieg, vor Bryan Schouten (l.) und Christian Stange.

Aus Thomas Gradinger sprudelte es nach dem Durchbruch nur so heraus. »Alles war perfekt, was soll man anders sagen nach dem ersten Rennsieg in der IDM? Das Team hat mir ein super Motorradl hingestellt. Danke auch an meine Eltern, die immer an mich geglaubt haben. Ein Wahnsinn, ich musste eigentlich nur sitzen bleiben. Im ersten Rennen bis zum Abbruch nach einem Sturz wurden eher langsame Zeiten gefahren, ich bin locker mitgekommen. Also war mein Plan, nach dem Restart zu schauen, dass ich davonfahre. Alle haben sich aber nicht abschütteln lassen. Bryan Schouten folgte direkt hinter mir, also habe ich ihn vorbei gelassen und geschaut, wo er stärker und schwächer ist, für 3 oder 4 Runden. Dann habe ich ihn überholt und einfach Gas gegeben, damit er mich nicht mehr übertölpeln kann. So war´s dann und ich habe gewonnen.«

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»Dann habe ich Schouten überholt und einfach Gas gegeben, damit er mich nicht mehr übertölpeln kann.«

»Nach Assen habe ich schon gespürt, dass ich gewinnen kann, am Lausitzring hatte ich ein Trainingsdefizit und bin auch mit der Strecke nicht so gut klar gekommen, das soll aber keine Ausrede sein, ein guter Fahrer muss immer schnell sein; aber Hockenheim ist schon ein Strecke, die mir taugt.«

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»Mit dem zweiten Sieg wird es jetzt unheimlich? Naa, das war ein lockeres Rennen.«

«Mit dem zweiten Sieg wird es jetzt unheimlich? Naa, das war ein lockeres Rennen. Keine Probleme, besser kann es nicht sein. Ich habe von Anfang an probiert zu pushen, gleicher Plan wie am Tag zuvor, möglichst vorne wegfahren, das hat gut geklappt. Ich habe nix riskiert, nur meinen Rhythmus gehalten und bin tiefe 29er Zeiten gefahren, der Rest kam von allein. Eigentlich war es easy.«

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»Schade, dass die Saison schon vorbei ist. Die letzten vier Rennen waren ein Wahnsinn.«

»Schade, dass die Saison schon vorbei ist. Die letzten vier Rennen waren ein Wahnsinn. Ich hatte viel Spaß mit dem Team, alles supernette Leute, die auch richtig was auf dem Kasten haben und mir fahrerisch und technisch weiter helfen konnten. Thomas Kubiak machte Fahrwerk, Data Recording und Motormapping, mein Freund Tobias Gattermaier das grundlegende Technische.«

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»Ich hatte viel Spaß mit dem Team, alles supernette Leute, die auch richtig was auf dem Kasten haben.«

Papa Gradinger-Alois freute sich still in einer Ecke der Box: «Endlich. Das tut so gut, weil der Bub hat die letzten eineinhalb Jahre schon arg gelitten.«

Wie es nächstes Jahr weiter geht, ist unklar, nachdem die IDM 2017 ein neues Management erhält, es derzeit über Klassen, Termine etc. aber noch keine Infos gibt. Grundsätzlich möchte Thomas Gradinger lieber in der 600er Kategorie weiter fahren als z.B. in der 1000er Superstock-Klasse. »Für einen Aufstieg ist es zu früh, ich muss noch viel lernen. Lieber erst in dieser Klasse etwas erreichen, auf das sich später aufbauen lässt.«

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Fotos: Buenos Dias

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Gerhard Rudolph, fährt Honda CB 1300 und am liebsten Jethelm mit dunklem Visier.

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