Ducati-Umbau: Clubman Scrambler GT

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Motorräder umbauen und verfeinern ist eine Leidenschaft, für die es keine Guideline gibt. Der Eine gibt sich mit wenigen Modifikationen zufrieden, die mit Ratschenkasten und Beisszange zu bewältigen sind, der Nächste greift zu Flex und Schweissgerät – niiiarg, niiiarg – und schafft ein schrilles Kunstwerk, bei dem die Ausgangsbasis nurmehr grob zu erkennen ist. Dazwischen liegen 1001 individuelle Variationsmöglichkeiten, es können auch ein paar mehr sein, weil letztlich jeder Umbau auf persönlichem Geschmack basiert, und da gibt es bekanntlich keine Grenzen.

Jochen Schmitz-Linkweiler hat schon etliche Motorräder als Aushängeschilder für seine Technik-Zubehörfirma LSL umgebaut. Optische Schreihälse waren selten darunter, die persönliche Handschrift ist eher dezent und unaufgeregt. Es geht meist um stimmig optimierte Funktion und technisch effizientere Lösungen, die dazu cleaner und schöner ausfallen.

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Premiere am Glemseck: Clubman Scrambler GT.

Vor dem Glemseck-Event trudelte eine Rund-Mail ein, in der LSL eine Premiere ankündigte und gleichzeitig mit der Hausphilosophie kokettierte. O-Ton: »Das ist doch jetzt langweilig, alle Nase lang, genauer alle paar Meter, gibt es doch am Glemseck eine geile Neuvorstellung. LSL kann es auch nicht sein lassen, mit einer gewohnt „biederen“ und funktionalen Neuzeit-Variante der 70er-Jahre Ducati GT – der Clubman Scrambler GT. Wer eine Sinnpause nicht anders überbrückt bekommt, kann ruhig mal vorbeischauen am LSL-Container…… im Zweifelsfall gibt es wenigstens ein gutes Bier.«

Vor Ort stand dann also die Clubman Scrambler GT. Ein Herzinfarkt drohte auf den ersten Blick tatsächlich nicht. Also bat der Salatprynz bei einem Espresso (statt Bier) um Aufklärung über die getätigten Umbau-Maßnahmen.

Die Clubman GT ist eine Scrambler Classic mit Öhlins FG 424-Gabel, 17 Zoll-Vorderrad und komplett anderer Geometrie. Statt serienmäßig 18 Zoll, steilem Lenkkopfwinkel und langem Nachlauf für ein stabil pickendes Vorderrad bei Offroad-Ausflügen fährt das jetzt mehr wie ein Straßenmotorrad, harmonisch und gefühlsecht souverän beim Einlenken und Richtungswechseln. Entschlackt und erneuert wurde das komplette Gabelumfeld mit LSL-Teilen, also Gabelbrücken, Alu-Schutzblech, Lenker plus Halteböcke, Hebeleien, Rückspiegel, Eighties-Scheinwerfer plus filigrane Halter.

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17 Zoll vorne, Öhlins rundum, formschöner Alu-Tank, schlanke Sitzbank, viele Anbauteile und stimmige Details.

Der offenbar neue Bremsflüssigkeitsbehälter ist nicht einfach ein glatter Klotz, sondern partiell gezielt schlanker gefräst und nur dort mit dickerer Wandstärke ausgestattet, wo das eingesetzte Schauglas dies auch erfordert. Dieses Detail wurde nur in einem Nebensatz erwähnt, aber man spürte, wie das Herz des Ingenieurs dabei hüpfte.

Die schlanke Sitzbank ist eine Sonderanfertigung, ebenso der hübsche Vintage-Alutank mit diesen Knieausbuchtungen, den Jochen 10 Jahre oder so eingelagert hatte und bei einem Alu-Spezialisten mit einer für die Scrambler-Duc passenden Unterseite versehen liess, bevor ein Lackierer die weisse Farbe plus den roten Zierstreifen aufbrachte.

Der Blick auf die Ausstattungsliste informiert: Ersetzt wurden auch Fahrer- und Soziusrasten, Gelenke, Schalt- und Bremshebel, Ritzelcover, eine kleinerer Flüssigkeitsbehälter für die Hinterbremse, Blinker. Hinzugefügt ist noch eine Ledertasche mitsamt Halter. Sowie, nicht zu vergessen, ein Öhlins-Federbein mit schwarzer Feder.

Fazit zur Clubman GT: Interessanter, stilsicherer Umbau, wie immer bei LSL komplett un-gaga, der einem aber um so besser gefällt, je länger man davor verharrt und die Details studiert.

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Was und wieviel: Wer sich für das Kleingedruckte interessiert…

Fotos: Buenos Dias

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Gerhard Rudolph, fährt Honda CB 1300 und am liebsten Jethelm mit dunklem Visier.

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