Besuch bei der World Ducati Week

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Geschwind nach Misano und wieder zurück. Immer gerne, mit einer Monster 1200 S sowieso.

Es gibt nichts Besseres, als frühmorgens mit einer Ducati zu einer Italien-Tour aufzubrechen und zu wissen, das man den ganzen Tag unterwegs sein wird. Eine Handvoll Tankfüllungen abfackeln. Dazu blauer Himmel, Sonne und T-Shirt-unter-dem-Leder-Temperaturen. Fetter Motor, gerader Lenker, keinen Windschutz, ideale Voraussetzungen imho also. Ich trage meine Lieblingsjacke (IXS Sondrio), meine Lieblings-Jeans (Trilobite Parado), meine Lieblingsstiefel (Daytona mit Innenstiefel) und es geht mir großartig. Der neue Helm (HJC RPHA Jet) ist noch keine zwei Tage alt; fühlt sich aber bereits gut an. Misano ich komme.

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81.000 Besucher an drei Tagen beim WDW.

Ziel ist die World Ducati Week in Misano mit einer Monster 1200 S. Das Testbike hat mich bis jetzt nicht kalt gelassen. Erste kleine Runde am Tag der Abholung vom Importeur: Einlenken, Motor, Sitzposition, gute Güte, wie anders ist das denn? Eine Gehirnwindung schlägt vor: Vielleicht doch besser mit meiner Honda zu den Ducatisti fahren? Eine innere Stimme rebelliert: Das kannst Du nicht machen!

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Verspielt: Scrambler-Karussel.

Zweiter Tag, neuer Versuch, schon 50 % besseres Feeling. Dritter Tag: Nicht gefahren, nur Abstandshalter für die Softbags von SW-Motech und Tankring für den Tankrucksack angebaut. So eine Schraubersession funktioniert bei mir wie Teamgeist-bildende Gruppendynamik: Total zuversichtlich, freue mich auf die desmodromische Kilometerfresserei, ohne das begründen zu können.

Vierter Tag: Duc bepacken und los. Und siehe da, das Komische ist weggepustet: der Knick in der Hüfte, der überbreite Lenker, der abstehende Krümmer rechts. Alles passt, als hätte ich nie etwas anderes gefahren. Der druckige V-Twin, die sanfte Gasannahme, das Grollen im Schiebebetrieb, die superbe Bremse, die Präzision der Öhlins-Federelemente. Genuss macht sich breit.

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Schaumschläger: Ducatisti im Aquadrom.

Der Testastretta II ist eine Perle, der Sound bollert unbeschreiblich. So sitze ich auf der Ducati und zersäge erst Deutschland, dann Austria auf der Brenner-Route und schließlich Italien. Hohes Verkehrsaufkommen zwischen Kempten und Innsbruck und etliche Freitag-Nachmittag-Staus in Italien verhageln den Schnitt. Body und Kopf sind längst im Langstrecken-Modus, also fällt es leicht, gelassen zu bleiben. Ich schlängle mich durch so gut es halt geht und sauge Kilometer um Kilometer auf.

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Rennfahrer-Aushängeschilder, Eurofighter im Überflug: Nicht ist unmöglich beim WDW.

Bei den Pausen informiert mich die WDW-App auf dem Smartphone, was ich bereits alles verpasse: Ruben Xaus wartet am Offroad-Areal mit der Multistrada Enduro auf Probefahrt-Willige, über Mittag gibt´s Stunt-Action auf der Start-Ziel-Geraden, am Shell-Stand geben Dovizioso & Co Autogramme. Ein Rudel Kampfjets des Azurro-Militärs beehrt das Event mit spektakulären Überflügen. Nach der Aufstellung in der Boxengasse am Nachmittag geht´s im roten Korso von der Rennstrecke nach Riccione an die Küste ins Aquadrom zu Wasserspielen und einer lustigen Schaumschlacht.

 

Es ist spät in der Nacht, als ich endlich in Misano Adriatico eintrudle. Der Camping hat noch auf, zum Glück. Ich pflanze mein Zelt auf und zelebriere den Moment. Der Stoff-Iglu ist ein Ducati-Zelt, also gebrandet, ein Giveaway vom Testevent der ersten Multistrada auf Sizilien vor inzwischen 11 Jahren. So lange lag das bei mir unbenutzt im Keller. Ich staune beim Aufbau: Sogar die Alu-Stangen sind rot eloxiert….

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Wenn schon, denn schon: Ducati-Zelt, Spezial-Teebecher.

Ich dachte mir, das sei eine gute Idee, mit dem Ducati-Zelt zum WDW zu fahren, auch wenn das dafür notwendige Gepäck natürlich extra Aufwand erforderte. Taschen und Halter bestellen und anbauen, um außerdem noch Luma, Schlafsack, Kocher und das ganze für Camping notwendige Zeug irgendwie unterzubringen. Um im Hotel einzukehren, hätte sonst Tanktasche und Rucksack locker ausgereicht.

Als ich nach dem langen Tag im Sattel noch einen Tee aus dem Gasgriffsalat-Pott schlürfe, wird im Ort nebenan ein Riesenfeuerwerk gezündet, dass nicht zu den Duc-Festivitäten gehört, auch wenn reichlich rotes Pyro-Licht am Nachthimmel glüht. Anschließend steigt noch ein Massen-Burnout aus reichlich dicken Twins, wie sogar aus der Distanz deutlich zu hören ist. Mir dämmert, dass das die Aquadrom-Ducatista sein müssen, die es dort hingezogen hat, quasi zum Nachbrennen. Herrlich Gutenacht-Musik…

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Historisch besonders wertvoll: 750 SS.

Am nächsten Tag geht’s rauf zur Rennstrecke, die fest in Desmo-Hand ist. Ducati hat zum WDW hemmungslos aufgefahren. Überall Stände, Zeltburgen und Aktivitäten, das Fahrerlager ist pickepacke voll, überall Motorräder und Menschen, ein ständiges Kommen und Gehen. Das Paradies ist rot, die Luft brodelt, die Stimmung euphorisierend, es gibt soviel zu gucken und zu erleben, unglaublich.

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Spanischer Owners Club beim obligaten Souvenirfoto.

Es gibt Probefahrten und Infos zu allen Ducati-Modellen, Track-Sessions, Two-Seater- Mitfahrgelegenheiten (ja, auch in A8-Audis und Lambos), Autogrammstunden mit MotoGP- und Superbike-Fahrern, Demo-Aktionen mit Werksrennern, Scrambler-Karusssel, Basketball-Areal, Halfpipe-Anlage, schattige Palmen-Oasen, Steilwand und Wheelie-Simulator, Wassersprüh-Stationen, Shopverkauf, Verpflegungs-Stationen, eine Technik-Service-Anlaufstelle und einen Pirelli-Reifendienst. An jedem Stand spielt laute Musik, es ist heiss und sommerlich, alle sind luftig gekleidet oder gleich wie im Schwimmbad, überall parken Ducatis, alte, neue, unglaubliche Schätze, kommen rein oder fahren raus.

 

Es gibt Custombike-Exponate, Ausstellungen namhafter Zubehörfirmen, Stunt-Darbietungen auf der Start-Ziel-Geraden, einen Diavel-Dragster-Wettbewerb, ein History-Zelt (Ducati wird heuer 90 Jahre alt) mit Exponaten aus dem Firmenmuseum, einen Souvenir- und Devotionalen-Verkauf, dazu kommode Zelte und Stände für die Ducati-Importeure und Gäste aus aller Herren Länder. Und am Abend stellen Casey Stoner und Ducati-Boss Domenicali die neue, atemberaubende 1299 S Panigale Anniversario vor.

 

Das Ducati-Universum setzt sich rund um die Rennstrecke fort. Bologna-Bikes überall entlang der Strandpromenade, vor Restaurants, Hotels und Geschäften. Flaggen und rote Deko soweit das Auge. Die ganze Gegend bollert desmodromisiert zweizylindrig vor sich hin. Ducati, Ducati, Ducati, den ganzen Tag lang. Und am zweiten Tag quasi das Ganze nochmal von vorne.

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Letzter Capuccino und dann nach Hause.

Am Montag baue ich das Zelt ab, schnalle das Gepäck wieder auf und brause Richtung Heimat. An den Tankstellen kleben dichte Ducati-Trauben. Ich bin mir ziemlich sicher, das es die alle in zwei Jahren wieder nach Misano zieht zur nächsten World Ducati Week.

PS: Im Anschluss veröffentlichte Ducati folgende Zahlen zur neunten Auflage des WDW-Events: 81.000 Besucher an drei
 Tagen, 90.000 Quadratmeter Fläche im Fahrerlager belegt (+ 80 % zu 2014), 10.000 Runden gefahren auf der Rennstrecke (Bikes + Autos), Besucher aus 66 Nationen, 159 Desmo Owner Clubs aus 38 Ländern waren vor Ort. Mamma mia!

 

Fotos: Buenos Dias, Ducati

Video: Ducati via Youtube

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Gerhard Rudolph, fährt Honda CB 1300 und am liebsten Jethelm mit dunklem Visier.

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